Bummler, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Bummlers · Nominativ Plural: Bummler
Aussprache
WorttrennungBumm-ler
Wortbildung mit ›Bummler‹ als Letztglied: ↗Erdenbummler · ↗Messebummler · ↗Schlachtenbummler · ↗Weltenbummler
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich jmd., der langsam, ziellos spazieren geht
Beispiel:
ein nächtlicher Bummler durch die erleuchteten Straßen
2.
salopp Müßiggänger, Rumtreiber
Beispiel:
hatte Häschke es auch verstanden, sich aus einem zerlumpten Bummler in einen schmucken ... Menschen zu verwandeln [PolenzBüttnerbauer1,279]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bummeln · Bummel1 · Bommel · Bummel2 · Bummelzug · Bummler · Schlachtenbummler · Bummelant
bummeln Vb. ‘langsam schlendern, nichts tun’. Iterative Bildung in Anlehnung an bim-bam-bum des Glockenschlags, zuerst im Hinblick auf die schwingende Glocke ‘hin und her schwanken, baumeln’ (Anfang 17. Jh.), woraus sich im Nd. im 18. Jh. ‘schlendern, nichts tun’ entwickelt; in der 2. Hälfte des 19. Jhs. bereits allgemein üblich. Zu bummeln ‘baumeln’ gehört Bummel1 f. auch (westd. nordd.) Bommel f. ‘Troddel, Quaste’ (Ende 17. Jh.); zu ↗bummeln ‘schlendern, nichts tun’, ↗baumeln ‘hin und her schaukeln’ (s. d.), Bummel2 m. ‘erholsamer Spaziergang’ (19. Jh., Stadt-, Schaufensterbummel). Bummelzug m. ‘Personenzug’ im Gegensatz zum Eil- oder Schnellzug (2. Hälfte 19. Jh.). Bummler m. ‘umherschlendernder Müßiggänger, wer langsam und träge ist’ (19. Jh.); auch (um 1848) ein leichtfertiges, vom äußeren Schein ausgehendes Schlagwort für den Arbeitslosen. Seit etwa 1870 Schlachtenbummler m. wer als Zuschauer (offiziell als Krankenpfleger oder Berichterstatter) in den Krieg geht, um ihn aus Neugier oder Abenteuerlust mitzuerleben, übertragen auf Sportbegeisterte, die ihre Mannschaft auf fremde Spielplätze begleiten (20. Jh.). Bummelant m. ‘Nichtstuer, Faulpelz’, scherzhaft latinisierende Bildung der Studentensprache (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Nachzügler  ●  ↗Bummelant  ugs. · Bummler  ugs. · Zu-spät-Kommer  ugs.
Assoziationen
  • (den) Anschluss verlieren · (den) Anschluss verpassen · abgehängt werden · ↗absteigen · an Boden verlieren · in Rückstand geraten · ins Hintertreffen geraten · ↗nachlassen · nicht Schritt halten (können) · nicht hinterherkommen · nicht mitkommen · nicht nachkommen · ↗zurückbleiben · ↗zurückfallen  ●  ↗hinterherhinken  fig. · nicht mithalten (können)  Hauptform · (ganz schön) alt aussehen  ugs., salopp, fig. · ↗abbleiben  ugs. · auf der Strecke bleiben  ugs. · blass vor Neid werden  ugs., fig.
  • (Zeit) vertrödeln · (es) langsam angehen lassen · (sich) Zeit lassen · ↗bummeln · die Mühlen der (Justiz/Bürokratie/...) mahlen langsam · langsam sein · ↗trödeln · ↗vertändeln · ↗zögern  ●  vor sich hin trödeln  variabel · ↗(he)rumtrödeln  ugs. · (sich) lange aufhalten mit  ugs. · ↗klüngeln  ugs., veraltend, rheinisch
  • (die Gruppe wieder) einholen · ↗aufschließen
Synonymgruppe
Drückeberger · ↗Faulenzer · ↗Müßiggänger · ↗Nichtstuer · ↗Tagedieb  ●  Bukligger  fachspr., Jargon, seemännisch · ↗Bummelant  ugs. · Bummler  ugs. · ↗Faultier  ugs., fig. · ↗Gammler  ugs. · ↗Schlaffi  ugs. · ↗Tachinierer  ugs., österr., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Strolch · ↗Tagedieb  ●  ↗Nichtsnutz  veraltend · ↗Taugenichts  veraltet · ↗Tunichtgut  veraltet · ↗Hallodri  ugs., bair., österr.
  • (sich) davonschleichen · ↗(sich) davonstehlen · ↗(sich) fortstehlen · ↗(sich) verdrücken · ↗entschwinden (lit.)  ●  (sich) in die Büsche schlagen  fig. · ↗(sich) verflüchtigen  scherzhaft · (sich) von der Truppe entfernen  fig. · ↗(sich) abseilen  ugs., fig. · ↗(sich) dünne machen  ugs. · ↗(sich) dünnemachen  ugs. · ↗(sich) verdünnisieren  ugs., scherzhaft · ↗(sich) verpissen  derb
  • Berber · Clochard · Herumstreicher · ↗Landfahrer · Nichtsesshafter · ↗Streuner · ↗Strolch · ↗Stromer · ↗Trebegänger  ●  Fecker  schweiz. · ↗Herumtreiber  abwertend · ↗Landstreicher  abwertend · Obdachloser  Hauptform · ↗Stadtstreicher  abwertend · ↗Strotter  österr. · ↗Tramp  engl. · ↗Vagabund  veraltend · Wohnsitzloser  Amtsdeutsch · Wohnungsloser  Amtsdeutsch · Heckenpenner  derb, stark abwertend · ↗Pennbruder  derb · ↗Penner  derb, abwertend · ↗Rumtreiber  ugs. · ↗Sandler  ugs., österr., bair. · ↗Tippelbruder  ugs. · ↗Treber  ugs.
  • (seine) Pflichten vernachlässigen  ●  (sich) um nichts kümmern  Hauptform · die Dinge schleifen lassen  fig. · den lieben Gott einen guten Mann sein lassen  ugs., Redensart
  • Arbeitsscheu · ↗Drückebergerei · ↗Faulheit  ●  Verpissertum  derb
  • faul sein · ↗faulenzen · nichts tun  ●  (die) Arbeit nicht erfunden haben  ugs., Redensart · (einfach) dasitzen und Kaffee trinken  ugs., fig. · (sich) an den Füßen spielen  ugs., fig., Redensart · (sich) die Eier schaukeln  derb, fig., Redensart · Däumchen drehen  ugs., Redensart · abhartzen  ugs., salopp · abharzen  ugs., salopp · auf der faulen Haut liegen  ugs., Redensart · keinen Finger krumm machen  ugs., fig., Redensart · keinen Finger rühren  ugs., Redensart, fig. · keinen Handschlag tun  ugs., variabel, Redensart · keinen Schlag tun  ugs.
  • schlapp sein  ●  (sich) nicht aufraffen können  ugs. · (sich) zu nichts aufraffen können  ugs. · einen Durchhänger haben  ugs.
  • jemand mit der Einstellung "kommste heut nicht, kommste morgen"  ●  ↗Faulpelz  ugs., Hauptform · ↗Faultier  ugs., scherzhaft · fauler Hund  ugs. · fauler Sack  ugs., variabel
  • Blaumacher · ↗Drückeberger  ●  Laumalocher  ugs., ruhrdt. · ↗Leistungsverweigerer  fachspr., Jargon · Verpisser  derb
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • Gammler · ↗Herumtreiber · ↗Rumtreiber · ↗Streuner

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diesen Eindruck gewinnt der Bummler schnell, der durch die Straßen der Hauptstadt zieht - und die Zahlen belegen es.
Die Welt, 13.08.2003
Manchmal klappts, man findet einen Bummler und kann ihn fristlos feuern.
Süddeutsche Zeitung, 25.06.1999
Sollte mein Ruf als Bummler schon bis hierher gedrungen sein?
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 1071
Schulen achten deshalb darauf, notorischen Bummlern die Sache nicht leicht zu machen.
Der Tagesspiegel, 09.05.2003
Man nehme lieber eifrige und lernwillige Niedrigsemester als faule Bummler.
Die Zeit, 01.02.1988, Nr. 05
Zitationshilfe
„Bummler“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Bummler>, abgerufen am 16.10.2019.

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