Burg, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Burg · Nominativ Plural: Burgen
Wortbildung mit ›Burg‹ als Erstglied: ↗Burgberg · ↗Burgbewohner · ↗Burgfenster · ↗Burgfrau · ↗Burgfriede · ↗Burgfrieden · ↗Burgfräulein · ↗Burggeist · ↗Burggespenst · ↗Burggraben · ↗Burggraf · ↗Burggräfin · ↗Burgherr · ↗Burgherrin · ↗Burghof · ↗Burgkapelle · ↗Burgmauer · ↗Burgpforte · ↗Burgruine · ↗Burgtor · ↗Burgverlies · ↗Burgvogt · ↗Burgwall · ↗Burgwart · ↗Burgzinne
 ·  mit ›Burg‹ als Letztglied: ↗Betonburg · ↗Biberburg · ↗Containerburg · ↗Drachenburg · ↗Gralsburg · ↗Hochburg · ↗Hofburg · ↗Hotelburg · ↗Hüpfburg · ↗Ringburg · ↗Ritterburg · ↗Sandburg · ↗Stammburg · ↗Strandburg · ↗Vorburg · ↗Wagenburg · ↗Wasserburg · ↗Zwingburg
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
befestigter Bau auf Bergen, Felsen oder in der Ebene mit Wassergraben umgeben
Beispiele:
eine feste, trotzige Burg
die Burg wurde belagert
Feinde umzingelten die Burg
die Burg wurde verteidigt, erstürmt, zerstört
die Zinnen, Ruinen einer alten Burg
die Zugbrücke der Burg
An manchem ... dörflichen Weinnest war ich schon vorüber, an zerfallenen Burgen und Schlössern [BindingMoselfahrt16]
bildlich
Beispiel:
sprichwörtlich mein Haus ist meine Burg
übertragen Zuflucht
Beispiele:
durch die Niederlage des Tages in die innerste Burg seines Stolzes und Bekennermutes gedrängt [E. StraußNackter Mann128]
Ein feste Burg ist unser Gott [KirchenliedEin feste Burg]
2.
ringförmiger Wall aus Sand am Badestrand
Beispiele:
sie bauten sich [Dativ] am Strand, um den Strandkorb eine Burg
in der Burg liegen
die Burg schmücken, wieder einreißen
3.
Jägersprache Bau des Bibers
Beispiel:
der Biber benutzt als Wohnung seine im Wasser selbstgebauten Burgen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Burg f. ‘(hochgelegener) befestigter Wohn- und Verteidigungsbau der Feudalzeit’, ahd. burg ‘Burg, Stadt’ (8. Jh.), mhd. burc ‘Burg, Schloß, Stadt’, asächs. burg, mnd. borch, mnl. borch, burch, (selten) borcht, nl. burcht, burg, aengl. burg, burh, engl. borough, anord. borg (auch ‘Anhöhe, Wall’), schwed. borg, got. baúrgs ‘Stadt’, vereinzelt auch ‘Turm, Burg’. Burg steht wohl im Ablautverhältnis zu ↗Berg (s. d.), wäre also ursprünglich die (als Fluchtburg dienende) ‘befestigte Höhe’. Die schwundstufige Bildung germ. *burg- entspräche dem kelt. *brig- in mir. brī ‘Hügel’ (Akkusativ brig). Umstritten ist das Verhältnis des gemeingerm. Wortes zu spätlat. burgus m. ‘Festungs-, Wachtturm, kleine Grenzfestung’, später f. ‘befestigte Wohnstätten (längs der Grenze), kleine Stadt’ und dem schon in der Ilias belegten griech. pýrgos (πύργος) ‘Turm, Mauerturm’, später auch ‘Belagerungsturm’ und ‘Wirtschaftsgebäude’. Die griech. Bezeichnung gilt allgemein als Lehnwort (entweder kleinasiat. Herkunft oder aus einer anderen ie. Sprache, aber wohl kaum über nordbalkan., eventuell makedon. Vermittlung aus dem Germ.). In spätlat. burgus sind offenbar zwei Entlehnungen zusammengeflossen; zunächst Wiedergabe von griech. pýrgos ‘Turm’, gerät spätlat. burgus an den Grenzen des Römischen Reichs formal (Genuswechsel) und semantisch (im Zusammenhang mit dem Ausbau alter Volksburgen zu befestigten Wohnstätten, die die alten römischen Wachttürme des Limes ersetzen) unter Einfluß des germ. Femininums. Ein frühes Zeugnis für das Vorhandensein des Wortes wie der Sache auf deutschem Boden ist der bei Tacitus in latinisierter Form überlieferte Name des Teutoburger Waldes Teutoburgiēnsis Saltus, der ein latinisiertes *Teutoburgium voraussetzt, eine ‘Volksburg’ (zum Bestimmungswort mit der Bedeutung ‘Volk’ s. ↗deutsch). Reiche Bezeugung von -burg in Ortsnamen setzt auf hd. wie nd. Sprachgebiet im 8. Jh. ein. Das Grundwort bezeichnet Ortschaften, die im Schutz einer alten Volks- oder Fluchtburg (Würzburg), eines alten Römerkastells (Augsburg, Regensburg) oder eines befestigten Feudalsitzes (Naumburg) entstanden. Bis ins 12. Jh. bleibt in Deutschland die Bezeichnung -burg für stadtähnliche Siedlungen charakteristisch, spätere, unter anderen Bedingungen entstandene Ansiedlungen zeigen andere Namensbildungen, z. B. auf -stat (s. ↗Stadt). Dafür steigt seit dem 10. und besonders seit dem 12. Jh. die Zahl der Burgenbauten zum Schutz gegen kriegerische Einfälle und zum Ausbau der Feudalherrschaft. Das Appellativum Burg wird allmählich auf die Ritterburg eingeschränkt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Burg · ↗Festung · ↗Kastell
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Fort · ↗Kastell
  • Trotzburg · ↗Trutzburg
  • Stiraburg · Styraburg · Styrapurch · Styrapurg
  • Bratislavaer Burg · Burg Bratislava  ●  Burg Pressburg  veraltet · Pressburger Burg  veraltet
  • Festung Petersberg · Zitadelle Petersberg
  • Bauernburg · ↗Fliehburg · ↗Fluchtburg · Volksburg · Vryburg
  • Nöteborg (schwedisch historisch) · Petrokrepost (russisch veraltet, 1944-92) · Schlüsselburg
  • Flachlandburg · Niederungsburg · Tieflandburg
  • Hauptburg · ↗Hochburg · Kernburg · innere Burg
  • Erdhügelburg · Erdkegelburg · ↗Motte · Turmhügelburg
  • Burg Tangermünde · Schloss Tangermünde
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Canossa Dom Festung Herrenhaus Herrensitz Hohenzoller Kathedrale Kloster Palast Residenz Ritter Ruine Schloß Turm Viola Zinne befestigt belagern erbauen erbaut fest mittelalterlich mächtig normannisch slawisch thronen trutzig uneinnehmbar verfallen wehrhaft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Burg‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Von weitem sieht das Viertel abends aus wie eine dunkle Burg.
Der Tagesspiegel, 23.09.1999
Die Burg selbst bleibt neugierigen Augen aber auch weiterhin verschlossen.
Süddeutsche Zeitung, 16.08.1995
Wie lange fährt man von Köln zu den Burgen am Rhein?
Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 124
Sehr hübsch war ein bauchiges Boot an Stelle der sonst üblichen Burgen ausgeformt.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1923. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1923], S. 175
Vor allem aber konnte man jetzt daran denken, die Tempel der Burg wieder aufzubauen.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 29418
Zitationshilfe
„Burg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Burg>, abgerufen am 16.12.2018.

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