Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Burg, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Burg · Nominativ Plural: Burgen
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Burg‹ als Erstglied: Burganlage · Burgberg · Burgbewohner · Burger2 · Burgfenster · Burgfrau · Burgfriede · Burgfrieden · Burgfräulein · Burggarten · Burggeist · Burggespenst · Burggraben · Burggraf · Burggräfin · Burgherr · Burgherrin · Burghof · Burgkapelle · Burgmauer · Burgpforte · Burgruine · Burgtor · Burgverlies · Burgvogt · Burgwall · Burgwart · Burgzinne
 ·  mit ›Burg‹ als Letztglied: Betonburg · Bettenburg · Biberburg · Containerburg · Drachenburg · Fliehburg · Fluchtburg · Gralsburg · Hochburg · Hofburg · Hotelburg · Hüpfburg · Kirchenburg · Kleckerburg · Ordensburg · Raubritterburg · Ringburg · Ritterburg · Sandburg · Stammburg · Strandburg · Trutzburg · Vorburg · Wagenburg · Wasserburg · Zwingburg
eWDG

Bedeutungen

1.
befestigter Bau auf Bergen, Felsen oder in der Ebene mit Wassergraben umgeben
Beispiele:
eine feste, trotzige Burg
die Burg wurde belagert
Feinde umzingelten die Burg
die Burg wurde verteidigt, erstürmt, zerstört
die Zinnen, Ruinen einer alten Burg
die Zugbrücke der Burg
An manchem … dörflichen Weinnest war ich schon vorüber, an zerfallenen Burgen und Schlössern [ BindingMoselfahrt16]
bildlich
Beispiel:
sprichwörtlichmein Haus ist meine Burg
übertragen Zuflucht
Beispiele:
Ein feste Burg ist unser Gott [Kirchenlied »Ein feste Burg«]
durch die Niederlage des Tages in die innerste Burg seines Stolzes und Bekennermutes gedrängt [ E. StraußNackter Mann128]
2.
ringförmiger Wall aus Sand am Badestrand
Beispiele:
sie bauten sich [Dativ] am Strand, um den Strandkorb eine Burg
in der Burg liegen
die Burg schmücken, wieder einreißen
3.
Jägersprache Bau des Bibers
Beispiel:
der Biber benutzt als Wohnung seine im Wasser selbstgebauten Burgen
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Burg f. ‘(hochgelegener) befestigter Wohn- und Verteidigungsbau’, ahd. burg ‘Burg, Stadt’ (8. Jh.), mhd. burc ‘Burg, Schloß, Stadt’, asächs. burg, mnd. borch, mnl. borch, burch, (selten) borcht, nl. burcht, burg, afries. burg, aengl. burg, burh, engl. borough, anord. borg (auch ‘Anhöhe, Wall’), schwed. borg, got. baúrgs ‘Stadt’, vereinzelt auch ‘Turm, Burg’ (germ. *burg-). Burg steht wohl im Ablautverhältnis zu Berg (s. d.), wäre also ursprünglich die (als Fluchtburg dienende) ‘befestigte Höhe’. Die schwundstufige Bildung germ. *burg- entspräche dem kelt. *brig- in mir. brī ‘Hügel’ (Akkusativ brig). Umstritten ist das Verhältnis des gemeingerm. Wortes zu spätlat. burgus m. ‘Festungs-, Wachtturm, kleine Grenzfestung’, später f. ‘befestigte Wohnstätten (längs der Grenze), kleine Stadt’ und dem schon in der Ilias belegten griech. pýrgos (πύργος) ‘Turm, Mauerturm’, später auch ‘Belagerungsturm’ und ‘Wirtschaftsgebäude’. Die griech. Bezeichnung gilt allgemein als Lehnwort (entweder kleinasiat. Herkunft oder aus einer anderen ie. Sprache, aber wohl kaum über nordbalkan., eventuell makedon. Vermittlung aus dem Germ.). In spätlat. burgus sind offenbar zwei Entlehnungen zusammengeflossen; zunächst Wiedergabe von griech. pýrgos ‘Turm’, gerät spätlat. burgus an den Grenzen des Römischen Reichs formal (Genuswechsel) und semantisch (im Zusammenhang mit dem Ausbau alter Volksburgen zu befestigten Wohnstätten, die die alten römischen Wachttürme des Limes ersetzen) unter Einfluß des germ. Femininums. Ein frühes Zeugnis für das Vorhandensein des Wortes wie der Sache auf deutschem Boden ist der bei Tacitus in latinisierter Form überlieferte Name des Teutoburger Waldes Teutoburgiēnsis Saltus, der ein latinisiertes *Teutoburgium voraussetzt, eine ‘Volksburg’ (zum Bestimmungswort mit der Bedeutung ‘Volk’ s. deutsch). Reiche Bezeugung von -burg in Ortsnamen setzt auf hd. wie nd. Sprachgebiet im 8. Jh. ein. Das Grundwort bezeichnet Ortschaften, die im Schutz einer alten Volks- oder Fluchtburg (Würzburg), eines alten Römerkastells (Augsburg, Regensburg) oder eines befestigten Feudalsitzes (Naumburg) entstanden. Bis ins 12. Jh. bleibt in Deutschland die Bezeichnung -burg für stadtähnliche Siedlungen charakteristisch, spätere, unter anderen Bedingungen entstandene Ansiedlungen zeigen andere Namensbildungen, z. B. auf -stat (s. Stadt). Dafür steigt seit dem 10. und besonders seit dem 12. Jh. die Zahl der Burgenbauten zum Schutz gegen kriegerische Einfälle und zum Ausbau der Feudalherrschaft. Das Appellativum Burg wird allmählich auf die Ritterburg eingeschränkt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Burg · Festung · Kastell
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Burg‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Burg‹.

Fuß Gott Hof Innenhof Kemenatensaal Mauer Ruine Terracottasaal Turm bauen dreieichenhainer eppsteiner erbaut fest friedberger hainer hayner holter imposant kronberger kurfürstlich königsteiner mittelalterlich prager thronen trutzig verfallen vilbeler wehrhaft wiener

Verwendungsbeispiele für ›Burg‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie lange fährt man von Köln zu den Burgen am Rhein? [Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 124]
Wie immer am ersten Tag gingen wir hinauf zur Burg. [Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 174]
In den Burgen hat das Leben Stil, nicht der Bau. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 243]
Vor allem aber konnte man jetzt daran denken, die Tempel der Burg wieder aufzubauen. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 29418]
Dort, im unteren Teil der Burg, sollen die Kids dann ein seetüchtiges Boot zusammenbauen. [C't, 1999, Nr. 10]
Zitationshilfe
„Burg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Burg>.

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