Chancengleichheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Chancengleichheit · Nominativ Plural: Chancengleichheiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ˈʃɔ̃sn̩ˌglaɪ̯çhaɪ̯t] · [ˈʃaŋsn̩ˌglaɪ̯çhaɪ̯t]
Worttrennung Chan-cen-gleich-heit
Wortzerlegung ChanceGleichheit
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
gleiche Perspektive (1) auf Ausbildung, Karriere und gesellschaftlich-soziale Entwicklung unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht o. Ä.
siehe auch Chancengerechtigkeit (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: größere Chancengleichheit; wirkliche, echte, absolute Chancengleichheit; fehlende, mangelnde Chancengleichheit; garantierte, faire Chancengleichheit; berufliche Chancengleichheit
als Akkusativobjekt: Chancengleichheit ermöglichen, herstellen, schaffen, gewährleisten, erreichen, wahren, sichern; Chancengleichheit fordern, wollen; die Chancengleichheit verletzen, gefährden, erhöhen, verbessern
in Präpositionalgruppe/-objekt: für Chancengleichheit sorgen; sich für Chancengleichheit einsetzen; von Chancengleichheit sprechen; Recht auf, Forderung nach, Anspruch auf, Herstellung von Chancengleichheit; ein Verstoß gegen die Chancengleichheit; für Chancengleichheit kämpfen, stehen; von Chancengleichheit [noch weit] entfernt sein; sich um Chancengleichheit bemühen; die Frage nach der Chancengleichheit; ein Beitrag zur Chancengleichheit
mit Genitivattribut: Chancengleichheit der Geschlechter, Frauen, Kinder, Menschen, Bürger
in Koordination: Chancengleichheit, Gerechtigkeit, Fairness, Freiheit und Gleichberechtigung; Chancengleichheit, Bildung und Integration
als Aktiv-/Passivsubjekt: Chancengleichheit herrscht, besteht, gilt; die Chancengleichheit bleibt [auf der Strecke]; Chancengleichheit ist (nicht) gegeben; Chancengleichheit gehört [dazu]; Chancengleichheit steht [im Mittelpunkt]
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Chancengleichheit von, für, zwischen Frauen und Männern; Chancengleichheit im Bildungssystem, Bildungswesen, in der Bildung, in der Schule; Chancengleichheit in der Gesellschaft; Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt, im Beruf
als Genitivattribut: der Grundsatz, das Prinzip, das Gebot der Chancengleichheit; die Förderung, Verbesserung der Chancengleichheit; im Sinne, Interesse der Chancengleichheit; aus Gründen der Chancengleichheit; die Wahrung der Chancengleichheit; eine Verletzung der Chancengleichheit; das Ziel, Ideal der Chancengleichheit
Beispiele:
Wichtig und richtig ist […], daß mit dem bisherigen System der Hochschulfinanzierung der Staat die Chancengleichheit beim Hochschulzugang formal zwar gewährleistet, tatsächlich aber das Ziel der Chancengleichheit nicht erfüllt ist. Nur 14 % der Studierenden stammten 1997 aus Familien mit niedrigem Einkommen […], während 66 % aus einem Elternhaus mit hohem oder gehobenem Verdienst kamen. [Frankfurter Rundschau, 10.12.1998]
Voraussetzung für Chancengleichheit wären einerseits gleiche äußere Umstände und andererseits gleiche Eigenschaften der Menschen. Da aber verschiedene Individuen verschiedene Begabungen, Interessen und Charaktereigenschaften haben, können mehrere Menschen in keiner Hinsicht gleiche Chancen haben. [Die Zeit, 11.10.1974, Nr. 42]
In keinem anderen Industrieland sei das Einkommen der Kinder derart stark vom Wohlstand der Eltern abhängig wie in Deutschland. Was fehlt, ist die Chancengleichheit. Die Lösung wäre daher, mehr Geld in Bildung zu investieren, vor allem in frühkindliche Ausbildung. [Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2017]
Mehrere tausend Zürcher Schulkinder mit ausländischen Wurzeln besuchen Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur. […] Die Kurse sind beliebt und leisten nach Ansicht von Fachleuten einen wichtigen Beitrag zur Integration und zur Chancengleichheit [Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2012]
Der zweite Bildungsweg gilt nicht nur als wesentlicher Grundpfeiler des deutschen Bildungssystems, er ist auch ein Essential der Chancengleichheit. Vor allem Kinder aus finanzschwachen und sogenannten bildungsfernen Familien haben damit die Möglichkeit, den Zugang zu Hochschulen zu erlangen. [Süddeutsche Zeitung, 13.02.2007]
[…] scheinbar wollen einige Unternehmen gar nicht mehr so viel über ihre Bewerber wissen und machen freiwillig bei der »anonymen Bewerbung« mit. Damit sollen Chancengleichheiten zwischen Frauen und Männer und Migranten sichergestellt werden. [Ben Wiegelmann, 26.04.2012, aufgerufen am 15.09.2018] ungewöhnl. Pl.
2.
gleiche Rahmenbedingungen, Erfolgsaussichten für alle Beteiligten in einem Wettbewerb
siehe auch Chancengerechtigkeit (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: faire Chancengleichheit
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Chancengleichheit im Wettbewerb; Chancengleichheit für Parteien; Chancengleichheit bei Wahlen
Beispiele:
Von 2021 an sollen die Teams nur noch 180 Millionen Dollar im Jahr ausgeben dürfen, ein Jahr später 165 Millionen Dollar und 2023 nur noch 130 Millionen Dollar. Damit soll die Dominanz der Big Player, Ferrari, Mercedes, Red Bull, gebrochen und der Wettbewerb wieder spannender werden. […] »Im Prinzip bin ich dafür, die Formel 1 besser, spannender und attraktiver zu machen – auch durch Chancengleichheit. […]«, sagte Toto W[…], Motorsport‑Chef beim Mercedes‑Team. [Die Welt, 09.02.2019]
Mit der Einführung des sogenannten »Financial Fair Play« durch den europäischen Fußball‑Verband Uefa soll endlich für Chancengleichheit gesorgt werden. Diese neue Regel schreibt vor, dass die Vereine mittelfristig nicht mehr Geld ausgeben dürfen als sie einnehmen. [Bild, 07.05.2011]
Einen Erfolg kann EU‑Binnenmarktkommissar […] für sein Lieblingsprojekt immerhin verbuchen: Sein zweiter Vorschlag für eine europaweit einheitliche Regelung feindlicher Firmenübernahmen stieß auf weniger Widerstand als der erste. »Der Entwurf ist insgesamt brauchbar[…]Er verspricht mehr Chancengleichheit für Unternehmen in Europa als der ursprüngliche Entwurf, muss aber noch nachgebessert werden«. [Die Welt, 04.10.2002]
In der Schachgemeinde werden zur Zeit heftige Debatten darüber geführt, ob Computer an herkömmlichen Schachwettbewerben teilnehmen sollen oder nicht. […] Ungeklärt bleibt vorerst die Frage, ob der Mensch aus Gründen der Chancengleichheit während der Partie mit dem Computer nicht wie dieser den Zugriff auf Eröffnungs‑ und Endspieldatenbanken erhalten sollte. [Die Welt, 17.05.2000]
Beim Risikostrukturausgleich handelt es sich um die Umverteilung von Kassenbeiträgen, um zwischen unterschiedlich leistungsfähigen Kassen für Chancengleichheit [im Wettbewerb um Mitglieder] zu sorgen. Aus bayerischer Sicht gefährdet dieses Steuerungselement ganze Kassenarten, da es zu »Verwerfungen« im Wettbewerb komme. [Süddeutsche Zeitung, 01.12.1998]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Chancengleichheit · ↗Gleichberechtigung · ↗Gleichheit · Gleichheit vor dem Gesetz · ↗Gleichordnung (z.B. im Privatrecht) · ↗Gleichsetzung · ↗Gleichstellung · rechtliche Gleichstellung
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Chancengleichheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Chancengleichheit‹.

Zitationshilfe
„Chancengleichheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Chancengleichheit>, abgerufen am 12.05.2021.

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