Chaot, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Chaoten · Nominativ Plural: Chaoten
Aussprache  [kaˈoːt]
Worttrennung Cha-ot
Grundform chaotisch
Wortbildung  mit ›Chaot‹ als Erstglied: ↗Chaotin
Duden GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
jmd., der nicht willens oder nicht fähig ist, Ordnung zu halten
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein liebenswerter, kleiner, fröhlicher Chaot
als Prädikativ: wir sind Chaoten; ich bin ein Chaot; jmdn. als Chaoten bezeichnen; als Chaot gelten
Beispiele:
Der »offene Unterricht«[…] erlaubt es den souveränen Schülerinnen und Schülern, sich zu profilieren; den Chaoten, chaotisch zu sein; den Schüchternen, die vielleicht einiges beizutragen hätten, erlaubt er, mit der Tapete zu verschmelzen. [Die Welt, 19.09.2018]
Tom Barnaby ist sehr ordentlich, putzt sich vor jeder Tür die Schuhe ab. […] Ich bin dagegen völlig unorganisiert, ein Chaot. [Bild, 30.11.2013]
Wenn jemand ein geborener Chaot ist, kann er zwar den fünften Kurs in Zeitmanagement belegen, aber mit seinem Ordnungstalent wird er dennoch keinen Blumentopf gewinnen. [Die Zeit, 24.01.2013, Nr. 05]
Es gibt den Sammler, der alles durcheinander in Schuhkartons füllt und diese dann mit Jahreszahlen beschriftet. Dem geht zwar nichts verloren, die Frist für die automatische Vertragsverlängerung seines Handys aber verstreicht garantiert ungeprüft in der Kiste. Ein noch hoffnungsloserer Fall ist der Chaot, der einen Bankauszug auf dem Boden liegen sieht, aber einfach nicht in der Lage ist, ihn aufzuheben und abzuheften. [Berliner Zeitung, 10.12.2002]
Die einen finden die Sozialversicherungskarte binnen Sekunden, die anderen suchen stundenlang und verzehren sich vor Wut über die verlorene Lebenszeit. Zwangscharakter oder Chaot – in der Wiege festgelegt. Weil aber Chaoten unter dem Chaos leiden und irgendwann vielleicht wirklich einmal ihren Impfpaß brauchen, nimmt es Wunder, daß Bremen so lange darauf warten mußte: auf die erste professionelle Aufräumerin. [die tageszeitung, 05.02.1999]
familiär, vertraulich DWDS
Phrasem:
kleiner Chaot (= Unordnung bzw. Unruhe stiftendes Kind)
Beispiele:
Zwei Jahre war er alt, als er kurz nach einem Eingriff auf den Spielplatz des Krankenhauses rannte, stürzte – und sich die frisch operierte Hand brach. »Ich hatte so Angst«, sagt K. und schaut Leon an. »Kleiner Chaot.« Der kleine Chaot ist dann leider erst mal ruhiger geworden, in der Grundschule haben sie ihn ausgegrenzt, es ging ihm gar nicht gut, die Noten verschlechterten sich. [Süddeutsche Zeitung, 30.11.2013]
[Schuldirektorin] Pick […] weiß aus langjähriger Erfahrung, dass »Lernen lernen« für die kleinen Chaoten häufig bereits mit dem Schultasche‑Einpacken beginnt. [Der Standard, 15.04.2012]
Morris Buttermaker […] übernimmt widerwillig den Trainer‑Job für die schlechteste Kinder‑Baseballmannschaft der Stadt. Bald schließt er die Rabaukentruppe jedoch so sehr ins Herz, daß er sie nicht mehr nur aus Geldnot coacht. Morris will aus den kleinen Chaoten ein schlagkräftiges Team machen … [Bild, 20.04.2006]
Die Kinder verstreuen ihre Sachen in allen Zimmern? Die Autorinnen raten dazu, wie in einem Fundbüro alles, was herrenlos herumliegt, in eine grosse Kiste zu packen und diese nur einmal pro Woche zu leeren. So sieht die Wohnung mit wenig Zeitaufwand ordentlich aus, und kleine Chaoten lernen, dass sie ihre Sachen so schnell nicht wiedersehen. [Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2005]
Und während wir im Kinderzimmer gen Abend die Ärmel hochkrempeln, um Ordnung in die Wüste zu bringen, die durch hartnäckiges Spielen entsteht, schweift das innere Auge über den Haufen kleiner Chaoten, Erfinder und Weltverbesserer, die dieses Tohuwabohu erzeugt haben. [Die Zeit, 02.03.2000, Nr. 10]
2.
abwertend jmd., der seine (politischen) Überzeugungen mit Gewaltaktionen und gezielten Zerstörungsmaßnahmen durchzusetzen versucht
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: gewaltbereite, vermummte, gewalttätige, randalierende Chaoten; linke, rechte Chaoten
in Präpositionalgruppe/-objekt: gegen Chaoten vorgehen; Angst vor Chaoten
als Aktiv-/Passivsubjekt: die Chaoten werfen [Feuerwerkskörper], stürmen [den Platz], zünden [Autos] an, greifen [Polizisten] an, ziehen [durch die Straßen], kündigen [Randale] an, randalieren
als Prädikativ: wir sind Chaoten; ich bin ein Chaot; jmdn. als Chaoten bezeichnen; als Chaot gelten
Beispiele:
Sie zogen randalierend durch Hamburg, warfen Steine und Flaschen auf Polizisten: die Chaoten des Schwarzen Blocks beim G20‑Gipfel im Juli 2017. [Bild, 03.07.2019]
Der Chaot, der am Freitag eine Rauchpetarde gezündet und damit den Abbruch der Meisterschaftspartie zwischen dem EV Zug und den ZSC Lions verursacht hatte, hat sich am Dienstag gestellt. [Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2009]
Gegner der Gesundheitsreform haben das Institut des Rürup‑Kommissionsmitgliedes Prof. Karl Lauterbach gestürmt. Die Chaoten warfen Farbbeutel, beschmierten Wände, zerstörten Geräte und verteilten Flugblätter. [Bild, 30.08.2003]
Chaoten nannte man damals die Jugendlichen, die fest gefügte Ordnungen und Wertsysteme kräftig durcheinander wirbeln wollten. [Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2000]
Straßenschlachten, Steine, Militanz. Bilder, die mit den Autonomen in Verbindung gebracht werden. »Schwarzer Block«, »Haßkappen«, »Chaoten« und »Randalierer«, Bezeichnungen, mit denen sie häufig betitelt werden. Aber wer sind sie nun, diese Straßenkämpfer, die in regelmäßigen Abständen die Staatsmacht herausfordern, die Gemüter erhitzen und prickelnde Randalebilder für die 20 Uhr‑Nachrichten liefern? [Berliner Zeitung, 17.01.1991]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Chaos · chaotisch · Chaot
Chaos n. ‘ungeordneter Urzustand der Welt, völliges Durcheinander’; griech. cháos (χάος) ‘leerer Raum, Luftraum, Kluft’. Chaos ist in dt. Texten (nach einem Einzelbeleg mhd. kaos, 13. Jh.) seit dem Anfang des 16. Jhs. belegt. Es erscheint zuerst als unveränderte Wiedergabe von lat. chaos (Luk. 16, 26), wofür griech. chásma (χάσμα), bei Keisersberg (ca. 1510) im Sinne von ‘Kluft, Spalt’, von Luther mit Kluft übersetzt. Die heute übliche Bedeutung (s. oben) geht zurück auf Vorstellungen der griechischen Kosmogonie, die Chaos im Sinne einer ‘vor allen Dingen vorhandenen klaffenden Leere des Weltraumes’ versteht (Hesiod) oder als ‘ungeordnete Urmasse der Welt’ interpretiert (Platon). Letztere Vorstellung liegt seit der 1. Hälfte des 16. Jhs. der dt. Verwendung von Chaos zugrunde; aus ihr entwickelt sich bereits zu Anfang des 17. Jhs. die allgemeine Bedeutung ‘Durcheinander’. Daneben wird es im 16./17. Jh., ebenfalls nach griech. Vorbild, auch im Sinne von ‘Luft, Äther’ gebraucht. Dazu chaotisch Adj. ‘ungeordnet, wirr’ (1676 Francisci chaotische Massen), das vielleicht eine Bildung nlat. caoticus voraussetzt. Aus dem Adjektiv rückgebildet Chaot m. ‘wer Unruhe, Verwirrung stiftet, radikaler Anarchist’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Chaot · ↗Chaotiker
Assoziationen
Synonymgruppe
Phantast  abwertend · ↗Wirrkopf  Hauptform, abwertend · Chaot  ugs., abwertend · Konfusling  ugs., selten · ↗Krauskopf  geh., fig. · ↗Spinner  ugs., abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Chaot‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Chaot‹.

Zitationshilfe
„Chaot“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Chaot>, abgerufen am 14.04.2021.

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