Chronist, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Chronisten · Nominativ Plural: Chronisten
Aussprache  [kʀoˈnɪst]
Worttrennung Chro-nist
Wortbildung  mit ›Chronist‹ als Erstglied: Chronistin  ·  mit ›Chronist‹ als Grundform: chronistisch
Herkunft aus gleichbedeutend chronistanlat
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Person, die historische oder z. B. für eine Firma oder einen Verein bedeutsame Ereignisse in ihrer zeitlichen Abfolge schriftlich festhält, beschreibt (und interpretiert), eine oder mehrere Chroniken verfasst
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein getreuer, gewissenhafter, unbestechlicher, zeitgenössischer Chronist
mit Genitivattribut: ein Chronist des Alltags, der Ereignisse, der Geschichte, der Gesellschaft, des [20.] Jahrhunderts, des Lebens, der Stadt
als Aktivsubjekt: ein Chronist berichtet, beschreibt, erwähnt, notiert, schildert, vermerkt etw.
Beispiele:
Der Italiener [Antonio Pigafetta] wurde mit seinem Buch »Magellans Weltumsegelung« zum Chronisten der ersten Reise um die Welt. [Welt am Sonntag, 20.12.2020]
Die meisten Leningrader führen während der Blockade Tagebücher und werden so zu Chronisten des Lebens und Sterbens in der eingekesselten Stadt Leningrad (heute St. Petersburg), deren Bevölkerung nach dem nationalsozialistischen Plan verhungern sollte. [Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2020]
Was uns als Chronisten von Firmengeschichten auszeichnet, ist, dass wir für jede Firma und jedes Budget eine Lösung finden können, wenn sich Kunden darauf einlassen. [Firmenchroniken schreiben lassen, 17.09.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
Unser Chronist hat immer sehr viel zu berichten, da sich über das ganze Jahr sehr viel in unserem Verein tut. [Jahreshauptversammlung, 26.03.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
Die Chronisten der alten stabilen Kulturen erzählen, in Wellen, die höchstens dreihundert Jahre dauern, von guten Herrschern, langlebigen Dynastien, schlechten Herrschern, Hungersnot, Revolutionen oder fremden Eroberern, Jahrhunderten der Wirren und einem Neubeginn. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel. München: Hanser 1988, S. 9]
Die ersten Städte waren konzentrierte, überschaubare politische Einheiten und leichter zu regieren als dünn besiedelte Flächenstaaten. Hier konzentrierten sich Macht, Geld, Glanz und Pracht. Diese Attribute werden von allen Chronisten erwähnt, die berühmte Städte wie Ur, Babylon, Memphis, Assur, Ninive, Athen oder Rom beschreiben. [Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit. Genf [u. a.]: Ariston 1995 [1983], S. 11]
Die […] Personalchronik der Geistlichen des Amtes Reckenberg von dem Wiedenbrücker Stiftsdechanten Harsewinkel gibt einen Einblick in den anders gearteten ständischen Aufbau einer ländlichen Stiftskirche[…]. Die Nachrichten des Chronisten geben weiterhin manchen Aufschluß über die Stiftsverfassung und in geschichtlicher Hinsicht über das zeitweilige Eindringen reformatorischer Einflüsse im Stift und in den Pfarreien des Amtes. [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1936, S. 873]
übertragen»Das Moor ist ein ausgezeichneter Chronist«, sagt S[…], der überrascht ist, wie präzise sich vor allem die Daten zur Klimageschichte lesen ließen. [Die Zeit, 17.09.1998]
allgemeiner Person, die bestimmte, meist gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet und beschreibt
Kollokationen:
mit Prädikativ: sich als Chronist bezeichnen, erweisen, verstehen
Beispiele:
Gataullin, ein Spätberufener in Sachen Fotografie, ist ein poetischer Chronist der einfachen Menschen. Er erzählt Geschichten. Nie laut, nie indiskret, nie schamlos. [Der Standard, 17.11.2016]
I[…] ist der Chefredakteur des Immobilien‑Informationsdienstes Suumo. Er ist sozusagen ein Chronist des japanischen Wohnungsmarktes, und natürlich verfolgt er mit besonderem Interesse die Bewegungen in und um Tokio. [Süddeutsche Zeitung, 12.09.2020]
Klar haben sich die harten Hauptstadt‑Jungs US‑amerikanische Gangster‑Rapper zum Vorbild genommen, zugleich aber schildern sie mit nicht immer schönen, aber sehr verständlichen Worten das reale Leben vieler in Deutschland lebender Menschen in Zeiten von Hartz IV und Jugendarbeitslosigkeit. Sido […] versteht sich als Chronist: »Ich erzähle einfach, was hier los ist.« [Der Spiegel, 04.04.2005]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Chronik · Chronist · Chronologie · chronologisch
Chronik f. ‘in zeitlicher Abfolge aufgezeichneter Geschichtsablauf’, ahd. krōnih (8. Jh.), mhd. krōnik(e). Entlehnt aus lat. chronica Plur., nach griech. chroniká (biblía) (κρονικὰ βιβλία) ‘Geschichtsbücher’. Das Adjektiv griech. chronikós (κρονικός) ‘die Zeit betreffend’ ist eine Ableitung von chrónos (κρόνος) m. ‘Zeit, Zeitdauer, Zeitverlauf’. Dt. Texte bewahren die lat. Form verschiedentlich bis ins 18. Jh. Chronist m. ‘Berichterstatter des Zeitgeschehens’ (15. Jh.), aus nlat. chronista m. Chronologie f. ‘Zeitfolge, Zeitrechnung’, Neubildung aus griech. chrónos (s. oben) und -logie (s. d.); dazu chronologisch Adj. ‘in zeitlicher Reihenfolge’ (beide 16. Jh., im 18. Jh. bereits sehr geläufig).

Thesaurus

Synonymgruppe
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Chronist‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Chronist‹.

Zitationshilfe
„Chronist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Chronist>, abgerufen am 17.01.2022.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
chronisch
Chronique scandaleuse
Chronikschreiber
Chronikform
Chronikenschreiber
Chronistenpflicht
Chronistik
Chronistin
chronistisch
Chronizität