Dünkel, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dünkels · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungDün-kel
Wortbildung mit ›Dünkel‹ als Erstglied: ↗dünkelhaft  ·  mit ›Dünkel‹ als Letztglied: ↗Eigendünkel · ↗Gelehrtendünkel · ↗Klassendünkel · ↗Machtdünkel · ↗Rassendünkel · ↗Unfehlbarkeitsdünkel · ↗Vornehmheitsdünkel · ↗Wissensdünkel
 ·  mit ›Dünkel‹ als Grundform: ↗dünkeln
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend übertrieben hohe Meinung von sich selbst, Hochmut
Beispiele:
jmd. hat einen adligen, akademischen, nationalistischen, eitlen Dünkel
sein Dünkel stößt alle Mitarbeiter ab
jmdm. seinen Dünkel austreiben
[die Aristokraten] sind ungebildet und voller Dünkel [Wasserm.Wahnschaffe1,104]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dünken · Dünkel · dünkelhaft
dünken Vb. ‘scheinen, den Anschein haben’ (mir, mich dünkt), (reflexiv) ‘sich halten für, sich vorkommen als’, ahd. thunken (8. Jh.), mhd. dunken ‘scheinen’, asächs. thunkian, mnd. dünken, mnl. nl. dunken, afries. thinza, aengl. þyncan, anord. þykkja ‘dünken, scheinen, gefallen’, schwed. tycka, got. þugkjan ‘dünken, meinen’ steht als schwundstufige Bildung (germ. *þunkjan) neben dem unter ↗denken (s. d.) genannten Verb. Wie bei denken zeigt das Präteritum in alter Zeit n-Ausfall und Ersatzdehnung des Vokals, vgl. ahd. thūhta, mhd. dūhte, im Nhd. dagegen, ausgeglichen nach dem Präsens und Infinitiv, dünkte, bereits mhd. dunkte, dünkte neben dūhte (um 1300). Dünkel m. ‘eingebildeter Stolz, vermeintliche Überlegenheit’ (1. Hälfte 16. Jh., geläufig seit Mitte 18. Jh.), anfangs auch ‘subjektive Meinung, Vorstellung’. Das wahrscheinlich von Luther gebildete Substantiv ersetzt mhd. dunc ‘das Bedünken’. dünkelhaft Adj. ‘überheblich, eingebildet’ (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Arroganz · ↗Blasiertheit · ↗Egozentrik · ↗Einbildung · Eingebildetsein · Eingenommenheit von sich selbst · ↗Hochmut · ↗Narzissmus · ↗Selbstgefälligkeit · Selbstverliebtheit · ↗Stolz · ↗Überheblichkeit · übersteigertes Selbstbewusstsein  ●  ↗Hoffart  veraltend · Dünkel  geh., veraltend · ↗Prätention  geh. · ↗Selbstüberhebung  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Selbstvergötterung  ●  ↗Idiolatrie  fachspr., griechisch
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
Anmaßung  ●  Dünkel  geh. · ↗Hoffart  geh. · ↗Stolz (herablassend, verletzend)  ugs. · ↗Überheblichkeit  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arroganz Hochmut Ignoranz Mischung Neid Rassismus Vorurteil ablegen akademisch aristokratisch begegnen bildungsbürgerlich eingefroren elitär gewiss intellektuell kolonial kulturell männlich national pflegen rassistisch Überheblichkeit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dünkel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zutrauen tut man es uns offenbar in hauptstädtischem Dünkel schon.
Süddeutsche Zeitung, 11.07.2003
Der anfangs so wagemutige junge Regent folgte zunehmend dem Dünkel der höfischen Gesellschaft.
Der Tagesspiegel, 09.09.1999
Der von den Amtsstuben ausstrahlende Dünkel pflanzte sich auf die Offiziösen fort.
Schultze-Pfaelzer, Gerhard: Propaganda, Agitation, Reklame, Berlin: Stilke 1923, S. 179
Mit solchem Dünkel verbindet sich leicht eine gewisse Bosheit, welche den fehlenden Geist ersetzen soll.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4747
Den ganzen Tag lang kennen sie ernst wie die Tiere nur ihre furchtbar wichtigen Geschäftsangelegenheiten, ihre Sorgen und Pläne, ihren Stolz, ihren Dünkel.
Riemkasten, Felix: Yoga für Sie, Gelnhausen: Schwab 1966 [1953], S. 81
Zitationshilfe
„Dünkel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dünkel>, abgerufen am 25.04.2019.

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