Dünkel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dünkels · wird nur im Singular verwendet
Worttrennung Dün-kel
Wortbildung  mit ›Dünkel‹ als Erstglied: dünkelhaft  ·  mit ›Dünkel‹ als Letztglied: Eigendünkel · Gelehrtendünkel · Klassendünkel · Machtdünkel · Rassendünkel · Unfehlbarkeitsdünkel · Vornehmheitsdünkel · Wissensdünkel
 ·  mit ›Dünkel‹ als Grundform: dünkeln
eWDG

Bedeutung

abwertend übertrieben hohe Meinung von sich selbst, Hochmut
Beispiele:
jmd. hat einen adligen, akademischen, nationalistischen, eitlen Dünkel
sein Dünkel stößt alle Mitarbeiter ab
jmdm. seinen Dünkel austreiben
[die Aristokraten] sind ungebildet und voller Dünkel [ Wasserm.Wahnschaffe1,104]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dunkel · Dunkelheit · dunkeln · verdunkeln · Dunkelmann
dunkel Adj. ‘finster, gedämpft, unklar’, ahd. tunkal ‘finster, gedämpft, schwer verständlich’ (8. Jh.), mhd. tunkel, dunkel und mit anderem Suffix asächs. dunkar, mnd. dunker ‘dunkel, blind’, mnl. donker und donkel, nl. donker führen über die schwundstufige Form der Gutturalerweiterung ie. *dheng- auf die Wurzel ie. *dhem(ə)- ‘blasen, dampfen, rauchen, dunkel’ (wozu auch Dampf, s. d.). Zur hochstufigen Form der Gutturalerweiterung gehören anord. døkkr, afries. diunk. Außergerm. verwandt ist kymr. dew m. ‘Nebel, Rauch, Schwüle’. Der dem Nd. entstammende d-Anlaut setzt sich im 18. Jh. endgültig durch. Dunkelheit f. ‘Finsternis, Unverständlichkeit’, mhd. dunkelheit, mnd. dunkerhēt ‘Finsternis, Blindheit’. dunkeln Vb. ‘dunkel werden’, ahd. tunkalēn (9. Jh.), mhd. tunkeln, dunkeln ‘dunkel sein oder werden’. verdunkeln Vb. ‘dunkel, lichtundurchlässig machen’, mhd. vertunkeln. Dunkelmann m. ‘Feind der Aufklärung und des Fortschritts, Finsterling’, meist im Plur. Dunkelmänner, eine Übersetzung von lat. viri obscuri ‘unberühmte, unbekannte Männer’. Der Ausdruck findet sich in der humanistischen satirischen Streitschrift Epistolae obscurorum virorum ‘Briefe unberühmter Männer’ (1516), in dt. Übersetzung dann dunkle Männer und Dunkelmänner (1795). In der Schrift wird die Unwissenheit und Rückschrittlichkeit der noch immer der Scholastik verbundenen Wissenschaftsvertreter verspottet.

dünken · Dünkel · dünkelhaft
dünken Vb. ‘scheinen, den Anschein haben’ (mir, mich dünkt), (reflexiv) ‘sich halten für, sich vorkommen als’, ahd. thunken (8. Jh.), mhd. dunken ‘scheinen’, asächs. thunkian, mnd. dünken, mnl. nl. dunken, afries. thinza, aengl. þyncan, anord. þykkja ‘dünken, scheinen, gefallen’, schwed. tycka, got. þugkjan ‘dünken, meinen’ steht als schwundstufige Bildung (germ. *þunkjan) neben dem unter denken (s. d.) genannten Verb. Wie bei denken zeigt das Präteritum in alter Zeit n-Ausfall und Ersatzdehnung des Vokals, vgl. ahd. thūhta, mhd. dūhte, im Nhd. dagegen, ausgeglichen nach dem Präsens und Infinitiv, dünkte, bereits mhd. dunkte, dünkte neben dūhte (um 1300). Dünkel m. ‘eingebildeter Stolz, vermeintliche Überlegenheit’ (1. Hälfte 16. Jh., geläufig seit Mitte 18. Jh.), anfangs auch ‘subjektive Meinung, Vorstellung’. Das wahrscheinlich von Luther gebildete Substantiv ersetzt mhd. dunc ‘das Bedünken’. dünkelhaft Adj. ‘überheblich, eingebildet’ (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Antonyme
Psychologie
Synonymgruppe
Anmaßung · Arroganz · Blasiertheit · Einbildung · Eingebildetsein · Eingenommenheit von sich selbst · Hochmut · Narzissmus · Selbstgefälligkeit · Selbstverliebtheit · Stolz · Überheblichkeit · übersteigertes Selbstbewusstsein  ●  Hoffart  veraltet · Dünkel  geh., veraltend · Hybris  geh. · Prätension  geh., veraltet, bildungssprachlich · Prätention  geh. · Selbstüberhebung  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›Dünkel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dünkel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Dünkel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So scheitert denn auch mal eine Adoption am nationalen Dünkel. [Die Zeit, 11.09.1992, Nr. 38]
Zutrauen tut man es uns offenbar in hauptstädtischem Dünkel schon. [Süddeutsche Zeitung, 11.07.2003]
Klar, er wolle Schulden abbauen und Politik ohne Dünkel machen. [Die Zeit, 03.05.2010, Nr. 18]
Weil es sich um einen amerikanischen Wissenschaftler handelt, ist das Buch auch sprachlich und dramaturgisch wohltuend komponiert und verzichtet auf allen akademischen Dünkel. [Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003]
Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich unter dem Dünkel der deutschen Professoren leide, den ich nicht teilen kann. [Die Zeit, 27.09.2006, Nr. 44]
Zitationshilfe
„Dünkel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/D%C3%BCnkel>.

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