Defätismus, der

Alternative SchreibungDefaitismus (nur im Schweizerischen)
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Defätismus · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungDe-fä-tis-mus ● De-fai-tis-mus (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Defätismus‹ als Grundform: ↗defaitistisch · ↗defätistisch  ·  formal verwandt mit: ↗Defaitist · ↗Defätist
eWDG, 1967

Bedeutung

durch Rückschläge erzeugte Stimmung der Mutlosigkeit und Resignation, in der die eigene Sache für aussichtslos angesehen wird
Beispiel:
durch Defätismus einer Sache schaden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Defätismus · Defätist · defätistisch
Defätismus m. ‘Überzeugung, militärisch geschlagen zu werden, Mutlosigkeit, Schwarzseherei’. Das im ersten Weltkrieg aufkommende frz. défaitisme ‘Überzeugung, im Kriege eine Niederlage zu erleiden, das Eintreten für die Beendigung aller Kampfhandlungen’ wird kurz darauf als Defaitismus, Defätismus ins Dt. entlehnt. Frz. défaitisme ist eine Schöpfung des sozialdemokratischen russischen Publizisten Aleksinskij (1915), die das ebenfalls von ihm stammende gleichbed. russ. poražéňcestvo (пораженчество), zu russ. poražénie (поражение) ‘Niederlage’, übersetzt. Sie ist gebildet zu mfrz. frz. défaite ‘Niederlage’, dem substantivierten Fem. des Part. Perf. von frz. défaire ‘aufmachen, lösen, zerstören, vernichtend schlagen’, afrz. desfaire ‘auflösen, rückgängig machen, vernichten, töten, verunstalten, entblößen’ (zu afrz. frz. faire, lat. facere ‘machen’). Russ. пораженчество wird noch im gleichen Jahre (1915) von Lenin (unter Hinweis auf Aleksinskij) aufgenommen und danach verwendet im Sinne von ‘auf eine Niederlage der eigenen imperialistischen Regierung in einem ungerechten Aggressionskrieg gerichtete Politik der revolutionären Partei der Arbeiterklasse’. Defätist m. auch Defaitist, ‘wer dem Defätismus verfallen ist’, im ersten Weltkrieg aus gleichbed. frz. défaitiste entlehnt (zu mfrz. frz. défaite, s. oben). defätistisch Adj. ‘den Defätismus vertretend, mutlos, schwarzseherisch’ (um 1930).

Thesaurus

Synonymgruppe
Defätismus · ↗Dekadenz · ↗Endzeitstimmung · ↗Lebensverneinung · ↗Miesmacherei · ↗Pessimismus · ↗Schwarzseherei · ↗Untergangsstimmung · ↗Weltuntergangsstimmung  ●  Defaitismus  schweiz.
Assoziationen
Synonymgruppe
Furchtsamkeit · ↗Kleinmut · Kleinmütigkeit · ↗Mutlosigkeit · ↗Verzagtheit · ↗Ängstlichkeit  ●  Angst vor der eigenen Courage  ugs. · Decouragiertheit  geh. · Defaitismus  geh., schweiz. · Defätismus  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Pessimismus Resignation Zeichen verfallen überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Defätismus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An dieser bitteren Erkenntnis entzündet sich der Defätismus eines Studenten.
Die Zeit, 08.11.2006, Nr. 46
Wie lange wollen wir unseren Defätismus beibehalten und auf die Entwicklungen nur mehr reagieren?
Archiv der Gegenwart, 2001 [1986]
Goebbels und Bormann erzwangen daher 1944 die Einschränkung der M. wegen »Defätismus«.
o. A.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus - M. In: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 22545
Bei der folgenden Kontroverse wirft Ribbentrop dem Italiener »Defätismus« vor.
o. A.: 1939. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1983], S. 4723
Unglücklicherweise aber stand über ihnen noch der Schatten des landesverräterischen Defätismus der extremen Oligarchen, und noch befand sich Athen in einem verfassungspolitischen Zwischenstadium.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3941
Zitationshilfe
„Defätismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Defätismus>, abgerufen am 13.12.2019.

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