Defätist, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungDe-fä-tist
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

bildungssprachlich, abwertend jmd., der mut- und hoffnungslos ist und die eigene Sache für aussichtslos hält
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Defätismus · Defätist · defätistisch
Defätismus m. ‘Überzeugung, militärisch geschlagen zu werden, Mutlosigkeit, Schwarzseherei’. Das im ersten Weltkrieg aufkommende frz. défaitisme ‘Überzeugung, im Kriege eine Niederlage zu erleiden, das Eintreten für die Beendigung aller Kampfhandlungen’ wird kurz darauf als Defaitismus, Defätismus ins Dt. entlehnt. Frz. défaitisme ist eine Schöpfung des sozialdemokratischen russischen Publizisten Aleksinskij (1915), die das ebenfalls von ihm stammende gleichbed. russ. poražéňcestvo (пораженчество), zu russ. poražénie (поражение) ‘Niederlage’, übersetzt. Sie ist gebildet zu mfrz. frz. défaite ‘Niederlage’, dem substantivierten Fem. des Part. Perf. von frz. défaire ‘aufmachen, lösen, zerstören, vernichtend schlagen’, afrz. desfaire ‘auflösen, rückgängig machen, vernichten, töten, verunstalten, entblößen’ (zu afrz. frz. faire, lat. facere ‘machen’). Russ. пораженчество wird noch im gleichen Jahre (1915) von Lenin (unter Hinweis auf Aleksinskij) aufgenommen und danach verwendet im Sinne von ‘auf eine Niederlage der eigenen imperialistischen Regierung in einem ungerechten Aggressionskrieg gerichtete Politik der revolutionären Partei der Arbeiterklasse’. Defätist m. auch Defaitist, ‘wer dem Defätismus verfallen ist’, im ersten Weltkrieg aus gleichbed. frz. défaitiste entlehnt (zu mfrz. frz. défaite, s. oben). defätistisch Adj. ‘den Defätismus vertretend, mutlos, schwarzseherisch’ (um 1930).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedenkenträger · Defätist · ↗Pessimist · ↗Schwarzmaler · ↗Schwarzseher · ↗Skeptiker · ↗Spielverderber · Unheilsprophet · Unkenrufer · ↗Zweifler  ●  Defaitist  schweiz. · ↗Bremser  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Verräter beschimpfen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Defätist‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bin kein Defätist, nur sehe ich einige Dinge anders als die anderen.
Süddeutsche Zeitung, 25.08.1999
Wer solche Fragen stellt, wird leider oft als Defätist geschmäht, doch ist die Diskussion unausweichlich.
Die Zeit, 10.09.2007, Nr. 37
Ja aber, sagt der Defätist in uns, muß das denn sein?
Die Zeit, 20.02.1989, Nr. 08
Manchmal komme ich mir wie ein schlimmer Defätist vor, weil ich den Bruch seit Wochen kommen sehe und alle Reparaturarbeiten für sinnlos halte.
Der Spiegel, 11.10.1982
Was der »konstruktive Defätist« (Müller über Müller) dort äußert, ist eine Kampfansage an das Publikum und an den »Polizeiapparat«, genannt Kulturbetrieb.
konkret, 1987
Zitationshilfe
„Defätist“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Defätist>, abgerufen am 16.02.2019.

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