Demokrat, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Demokraten · Nominativ Plural: Demokraten
Aussprache  [demoˌkʀaːt]
Worttrennung De-mo-krat
Wortbildung  mit ›Demokrat‹ als Erstglied: ↗Demokratin  ·  mit ›Demokrat‹ als Letztglied: ↗Christdemokrat · ↗Erzdemokrat · ↗Freidemokrat · ↗Jungdemokrat · ↗Liberaldemokrat · ↗Nationaldemokrat · ↗Sozialdemokrat
Herkunft aus gleichbedeutend démocratefrz < dḗmosgriech (δῆμος) ‘Volk’ + kraté͞ingriech (κρατεῖν) ‘herrschen’
Dieses Stichwort finden Sie im DWDS-Themenglossar zur US-Präsidentschaftswahl.
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Anhänger der Demokratie (1, 2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein aufrechter, eingefleischter, lupenreiner, streitbarer, überzeugter Demokrat
Beispiele:
ein echter, eifriger DemokratWDG
ein bürgerlicher DemokratWDG
als Demokrat auftreten, sprechenWDG
Wie wir wissen, ist die Weimarer Republik nicht in erster Linie an den sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zeit gescheitert, sondern daran, dass es zu wenige Demokraten gab, die mit Herz und Verstand die aufblühende Demokratie verteidigt hätten. [Süddeutsche Zeitung, 21.11.2016]
Die osteuropäischen Verteidiger der Demokratie stoßen bei westeuropäischen Demokraten […] weniger auf Solidarität als vielmehr auf Missachtung und Desinteresse. [Die Zeit, 21.09.2017 (online)]
Die im freiheitlichen Geist der Solidarność aufgewachsenen polnischen Demokraten verfolgen mit Entsetzen, wie die Pis‑Regierung ihr Land aus der Gemeinschaft der demokratischen Nationen führt und das in 27 Jahren der Transformation Erreichte zugrunde richtet. [Süddeutsche Zeitung, 23.03.2017]
Tomas Masaryk war sicher ein grosser Demokrat, aber sein Versprechen 1918, aus der neu gegründeten Tschechoslowakei eine zweite Schweiz zu machen, hielt er nicht. [Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2000]
2.
Politik Mitglied oder Anhänger einer sich selbst als Demokraten oder demokratisch bezeichnenden Partei
siehe auch Republikaner (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein gemäßigter, konservativer, liberaler, oppositioneller, radikaler Demokrat
als Genitivattribut: der Nominierungsparteitag, der Parteikonvent, der Parteitag, der Vorwahlkampf, der Wahlparteitag, der Wahlsieg der Demokraten; der Fraktionschef, die Kandidatin, die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten
Beispiele:
Der FDP‑Stadtverband Konstanz begrüßt ausdrücklich den Rücktritt von Thomas Kemmerich (FDP) in Erfurt. Er war am Tag zuvor mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt worden. […] Es sei unbegreiflich, wie man sich als Demokrat von Rechtspopulisten zum Wahlsieg verhelfen lassen könne, äußert sich Giuliana Ioannidis als Juso‑Kreisvorsitzende in einer Pressemitteilung. [Südkurier, 08.02.2020]
Ausgerechnet die Partei, deren Mitglieder sich im Grundsatzprogramm als »überzeugte Demokraten« bezeichnen, spricht sich also für die Abschaffung des demokratisch gewählten europäischen Parlaments aus. [Die Welt, 14.01.2019]
Wenn man sich mit anderen Demokraten auf gemeinsame Inhalte verständigen kann, dann ist es immer sinnvoller, zu regieren, als Opposition zu machen. Nur in der Regierung können Sie wirklich gestalten[…]. [Die Welt, 05.01.2019]
»Wenn wir das Mindestmaß an Selbstbehauptungswillen nicht aufbringen, habe ich den Saal als Freier Demokrat betreten und werde ihn als freier Demokrat verlassen – dann aber mit kleinem F«, hat Möllemann im Bundesvorstand der FDP gesagt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2002]
spezieller Mitglied oder Anhänger der Demokratischen Partei in den USA
siehe auch Republikaner (2 a)
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Demokraten im Repräsentantenhaus, US-Kongress, US-Senat
Beispiele:
Mit zwei Billionen Dollar schweren Maßnahmen wollen Republikaner und Demokraten im US‑Senat der Corona‑Krise entgegentreten. [US-Senat beschließt größtes Rettungspaket, 08.06.2020, aufgerufen am 17.07.2020]
Die letzte Chance, diesem Präsidenten etwas entgegenzusetzen, ist ein Sieg der Demokraten. [Süddeutsche Zeitung, 29.06.2018]
Der Typus Demokrat aus den Südstaaten mit moderaten und gesellschaftlich konservativen Positionen, wie ihn Bill Clinton einst verkörperte, ist eine aussterbende Spezies. [Die Welt, 27.01.2018]
Nach dem spektakulären Sieg gegen die Demokraten von US‑Präsident Barack Obama bei den Kongresswahlen nehmen die Republikaner Kurs auf das Weiße Haus. [Die Zeit, 05.11.2014 (online)]
Im linksgerichteten New York haben Demokraten in der Regel bessere Wahlchancen als Republikaner, auch wenn im Geflecht ethnischer und religiöser Gemeinschaften nicht nur die Parteizugehörigkeit eines Kandidaten eine Rolle spielt. [Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2013]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Demokratie · Volksdemokratie · Sozialdemokratie · demokratisch · demokratisieren · Demokratisierung · Demokratismus · Demokrat
Demokratie f. ‘Herrschaft der Mehrheit eines Volkes, Staat mit demokratischer Regierungsform’, meist ungenau oder vereinfachend mit ‘Volksherrschaft’ wiedergegeben. Ins Dt. Ende des 16. Jhs. über lat. dēmocratia aus griech. dēmokratía (δεμοκρατία) entlehnt, entstanden aus griech. dḗmos (δῆμος) ‘Volk’ und kraté͞in (κρατεῖν) ‘herrschen’ als Gegenbegriff zu oligarchía (ὀλιγαρχία) ‘Herrschaft der wenigen’, zu griech. árchein (ἄρχειν) ‘herrschen’ (s. ↗Oligarchie), der Bezeichnung der durch die Demokratie verdrängten Staatsform (s. Debrunner in: Festschr. Tièche (1947) 15). Als Muster der Demokratie gilt der Antike die von Kleisthenes nach dem Sturz des Tyrannen Hippias 510 v. u. Z. geschaffene Verfassung. Im Dt. wird Demokratie bis in die 2. Hälfte des 18. Jhs. vorwiegend in Übersetzungen antiker Autoren (Thukydides, Polybios) verwendet, jedoch seit dem 17. Jh. in theoretisierenden Schriften auf deutsche Verhältnisse bezogen (Micraelius 1639, Dielhelm 1740). Erst Ende des 18. Jhs. setzt sich das Wort unter dem Einfluß der französischen Revolution in unterschiedlichen Bedeutungsvarianten durch. Die bis in jüngste Zeit fortbestehenden Sach- und Begriffsunterschiede finden ihren sprachlichen Ausdruck in zahlreichen Attribuierungen wie direkte, repräsentative, soziale, parlamentarische Demokratie oder bürgerliche bzw. sozialistische Demokratie und in Zusammensetzungen wie Volksdemokratie f. (1947), der Entsprechung von russ. naródnaja demokrátija (народная демократия), sowie Sozialdemokratie f. (seit etwa 1850, nach frz. démocratie sociale) zunächst im Sinne von ‘soziale Demokratie’, dann für die Gesamtheit der Anhänger der sozialdemokratischen Bewegung. Dazu die Ableitungen demokratisch Adj. ‘den Grundsätzen der Demokratie entsprechend, freiheitlich, nichtautoritär’ (Ende 16. Jh.), im wesentlichen dem Gebrauch des Substantivs folgend, demokratisieren Vb. ‘demokratisch gestalten oder umgestalten’ (Ende 18. Jh.), aus frz. démocratiser entlehnt, Demokratisierung f. (um 1850) sowie Demokratismus m. frz. démocratisme, engl. democratism entsprechend, seit den 90er Jahren des 18. Jhs. bezeugt und weithin gleichbed. mit Demokratie. Demokrat m. ‘Anhänger der Demokratie, Mitglied einer demokratischen Partei’; aus frz. démocrate um 1760 entlehnt. Neben Demokratie, ↗Aristokratie (s. d.) und ↗Bürokratie (s. d.) spielen in der Literatursprache einige Wortschöpfungen dieses Typs eine gewisse Rolle, darunter solche, die auf das Griech. zurückgehen wie Autokratie, Plutokratie, Theokratie (alle 19. Jh.); weitere sind aus anderen Sprachen entlehnt: Physiokratie (18. Jh.) aus dem Frz., Technokratie (1932) aus dem Amerik.-Engl. Das zweite Kompositionsglied ist, wie zahlreiche Gelegenheitsbildungen und Modeausdrücke zeigen, zur Kennzeichnung vermeintlicher Herrschaftsformen reihenbildend geworden: Bankokratie (M. Heß 1850), Logokratie (Hiller 1920), Expertokratie (1970), Telekratie (1976), Filzokratie (1977).

Typische Verbindungen zu ›Demokrat‹

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Zitationshilfe
„Demokrat“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Demokrat>, abgerufen am 21.06.2021.

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