Demokratie, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Demokratie · Nominativ Plural: Demokratien
Aussprache
WorttrennungDe-mo-kra-tie
Wortbildung mit ›Demokratie‹ als Erstglied: ↗Demokratiebewegung  ·  mit ›Demokratie‹ als Letztglied: ↗Basisdemokratie · ↗Christdemokratie · ↗Gefälligkeitsdemokratie · ↗Graswurzeldemokratie · ↗Honoratiorendemokratie · ↗Kanzlerdemokratie · ↗Konkordanzdemokratie · ↗Massendemokratie · ↗Mediendemokratie · ↗Parteiendemokratie · ↗Präsidialdemokratie · ↗Rätedemokratie · ↗Scheindemokratie · ↗Schönwetterdemokratie · ↗Sowjetdemokratie · ↗Sozialdemokratie · ↗Verhandlungsdemokratie · ↗Volksdemokratie · ↗Wirtschaftsdemokratie
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
Plural ungebräuchlich
(politisches) Prinzip, das freie Willensbildung und die gleichberechtigte Mitbestimmung jedes Einzelnen einer Gemeinschaft an deren Gestaltung vorsieht
Beispiele:
Nur Erziehung zu Demokratie, Mäßigung, Solidarität und Zivilität bereitet den Bürger auf seine Verantwortung vor – und erhält so die Bedingungen, ohne die kein Staat auf die Verantwortlichkeit seiner Bürger bauen kann. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2006]
Man muß die Demokratie als den Lebensodem der deutschen Politik, als das alles beherrschende politische, gesellschaftliche und kulturelle Prinzip begriffen haben, um Deutschland aufbauen zu können. [Die Zeit, 04.04.1946, Nr. 07]
Der Umbau des streng hierarchischen Präsidialsystems in ein semipräsidentielles Regierungssystem soll dem Land mehr Demokratie […] bescheren. [Der Standard, 25.08.2014]
An Bord [des Segelbootes] herrscht Demokratie, die [sportliche] Taktik wird in allen Einzelheiten gemeinsam besprochen. [Die Zeit, 16.09.1988, Nr. 38]
Ich bin kein König wie Sie, sondern ein gewählter Präsident, und in unserer Organisation herrscht Demokratie. [Der Spiegel, 18.07.1983, Nr. 29]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: innerparteiliche, lebendige Demokratie
in Koordination: Demokratie und Freiheit, Toleranz
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Einsatz für Demokratie, die Förderung von Demokratie
als Genitivattribut: die Prinzipien, Grundsätze, Spielregeln, Werte der Demokratie
2.
Plural ungebräuchlich
Regierungsform, in der (nominell bzw. im Idealfall) die Herrschaftsausübung (direkt durch Volksabstimmungen o. Ä. oder indirekt durch Wahlen) bei den formal gleichberechtigten Staatsbürgern liegt
Beispiele:
Österreich habe die Regierungsform einer repräsentativen Demokratie gewählt, daher hätten die gewählten Politiker nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht, die Wähler zu vertreten. [Der Standard, 18.07.2012]
Die Taliban halten den Druck aufrecht: Sie wollen die Regierung stürzen, die Demokratie abschaffen und ihre frömmlerische Diktatur wieder errichten. [Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2015]
Nach einer zwanzigjährigen Diktatur dürfte der Weg zur Demokratie in Gambia in jedem Fall steinig werden. [Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2015]
Abdullah hatte sich im Wahlkampf für eine Umwandlung des Präsidialsystems in eine parlamentarische Demokratie und eine Änderung der Verfassung zur Stärkung des Parlaments ausgesprochen. [Die Zeit, 26.04.2014, Nr. 17]
Und daher gelangte man zur repräsentativen Demokratie, bei der zwei grundlegende demokratische Prinzipien gewahrt bleiben: Die politische Meinungsbildung »von unten nach oben« und die Verantwortlichkeit der Exekutive gegenüber dem Souverän oder seiner Vertretung, dem Parlament. [Die Zeit, 04.05.1962, Nr. 18]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die parlamentarische, repräsentative, direkte, plebiszitäre, unmittelbare, bürgerliche, soziale Demokratie; die funktionierende, stabile, gefestigte, fragile, gelenkte Demokratie
in Koordination: Freiheit, Menschenrechte, Bürgerrechte, Marktwirtschaft, Rechtsstaat, Toleranz, Gerechtigkeit, Wohlstand, Stabilität, Fortschritt, Pressefreiheit und Demokratie; Diktatur und Demokratie
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Übergang, der Weg, die Rückkehr zur Demokratie, eine Gefahr für die Demokratie, das Bekenntnis zur Demokratie, das Vertrauen in die Demokratie, die Forderung, der Ruf nach Demokratie
als Akkusativobjekt: die Demokratie gefährden, aushöhlen, untergraben, abschaffen, einführen, wiederherstellen, festigen, stärken, stabilisieren, verteidigen
als Genitivattribut: der Aufbau, der Sieg, die Wiederherstellung, Gefährdung, die Feinde, die Verteidigung, Stärkung der Demokratie
als Aktivsubjekt: Demokratie bedeutet etw., beruht auf etw., braucht etw., entwickelt sich, siegt, herrscht, verkommt
3.
metonymisch Staat mit Demokratie (Lesart 2) als Regierungsform
Beispiele:
Die Schweiz ist eine Demokratie – und das Volk hat auch tatsächlich die Macht. [Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2014]
In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Demokratien stetig zugenommen. [Die Welt, 03.04.2003]
Die Folgen [einer Sparpolitik] sind ein dramatischer Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit, eine rasante Verarmung bis in die Mittelschichten hinein und die Erosion gefestigter Demokratien. [Die Zeit, 17.09.2012, Nr. 37]
Aron jedenfalls bezweifelte, daß in einer nur aus liberalen Demokratien bestehenden Welt gleichsam von selbst Frieden herrschen müsse. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2002]
Der Landeskongreß in Oslo ermächtigte die Regierung Gerhardsen, »das Sicherheitsproblem Norwegens in bindender Zusammenarbeit mit den westlichen Demokratien zu lösen«. [Der Spiegel, 26.02.1949, Nr. 9]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: eine parlamentarische, funktionierende, stabile, gefestigte, fragile Demokratie
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Demokratie · Volksdemokratie · Sozialdemokratie · demokratisch · demokratisieren · Demokratisierung · Demokratismus · Demokrat
Demokratie f. ‘Herrschaft der Mehrheit eines Volkes, Staat mit demokratischer Regierungsform’, meist ungenau oder vereinfachend mit ‘Volksherrschaft’ wiedergegeben. Ins Dt. Ende des 16. Jhs. über lat. dēmocratia aus griech. dēmokratía (δεμοκρατία) entlehnt, entstanden aus griech. dḗmos (δῆμος) ‘Volk’ und kraté͞in (κρατεῖν) ‘herrschen’ als Gegenbegriff zu oligarchía (ὀλιγαρχία) ‘Herrschaft der wenigen’, zu griech. árchein (ἄρχειν) ‘herrschen’ (s. ↗Oligarchie), der Bezeichnung der durch die Demokratie verdrängten Staatsform (s. Debrunner in: Festschr. Tièche (1947) 15). Als Muster der Demokratie gilt der Antike die von Kleisthenes nach dem Sturz des Tyrannen Hippias 510 v. u. Z. geschaffene Verfassung. Im Dt. wird Demokratie bis in die 2. Hälfte des 18. Jhs. vorwiegend in Übersetzungen antiker Autoren (Thukydides, Polybios) verwendet, jedoch seit dem 17. Jh. in theoretisierenden Schriften auf deutsche Verhältnisse bezogen (Micraelius 1639, Dielhelm 1740). Erst Ende des 18. Jhs. setzt sich das Wort unter dem Einfluß der französischen Revolution in unterschiedlichen Bedeutungsvarianten durch. Die bis in jüngste Zeit fortbestehenden Sach- und Begriffsunterschiede finden ihren sprachlichen Ausdruck in zahlreichen Attribuierungen wie direkte, repräsentative, soziale, parlamentarische Demokratie oder bürgerliche bzw. sozialistische Demokratie und in Zusammensetzungen wie Volksdemokratie f. (1947), der Entsprechung von russ. naródnaja demokrátija (народная демократия), sowie Sozialdemokratie f. (seit etwa 1850, nach frz. démocratie sociale) zunächst im Sinne von ‘soziale Demokratie’, dann für die Gesamtheit der Anhänger der sozialdemokratischen Bewegung. Dazu die Ableitungen demokratisch Adj. ‘den Grundsätzen der Demokratie entsprechend, freiheitlich, nichtautoritär’ (Ende 16. Jh.), im wesentlichen dem Gebrauch des Substantivs folgend, demokratisieren Vb. ‘demokratisch gestalten oder umgestalten’ (Ende 18. Jh.), aus frz. démocratiser entlehnt, Demokratisierung f. (um 1850) sowie Demokratismus m. frz. démocratisme, engl. democratism entsprechend, seit den 90er Jahren des 18. Jhs. bezeugt und weithin gleichbed. mit Demokratie. Demokrat m. ‘Anhänger der Demokratie, Mitglied einer demokratischen Partei’; aus frz. démocrate um 1760 entlehnt. Neben Demokratie, ↗Aristokratie (s. d.) und ↗Bürokratie (s. d.) spielen in der Literatursprache einige Wortschöpfungen dieses Typs eine gewisse Rolle, darunter solche, die auf das Griech. zurückgehen wie Autokratie, Plutokratie, Theokratie (alle 19. Jh.); weitere sind aus anderen Sprachen entlehnt: Physiokratie (18. Jh.) aus dem Frz., Technokratie (1932) aus dem Amerik.-Engl. Das zweite Kompositionsglied ist, wie zahlreiche Gelegenheitsbildungen und Modeausdrücke zeigen, zur Kennzeichnung vermeintlicher Herrschaftsformen reihenbildend geworden: Bankokratie (M. Heß 1850), Logokratie (Hiller 1920), Expertokratie (1970), Telekratie (1976), Filzokratie (1977).

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Demokratie · ↗Parlamentarismus · ↗Volksherrschaft · ↗Volksstaat
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Westminster-Demokratie · Westminster-System
  • direkte Demokratie · sachunmittelbare Demokratie · unmittelbare Demokratie
  • indirekte Demokratie · mittelbare Demokratie · repräsentative Demokratie
  • partizipative Demokratie · partizipatorische Demokratie
  • Radikaldemokratie · radikale Demokratie
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Diktatur Freiheit Friede Frieden Gerechtigkeit Marktwirtschaft Menschenrecht Menschenrechte Prinzip Rechtsstaat Rechtsstaatlichkeit Sozialismus Toleranz Wiederherstellung Wohlstand bürgerlich direkt freiheitlich funktionierend innerparteilich liberal modern parlamentarisch pluralistisch repräsentativ sozialistisch stabil wehrhaft westlich Übergang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Demokratie‹.

Zitationshilfe
„Demokratie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Demokratie>, abgerufen am 16.11.2018.

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