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Despotismus, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Despotismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Des-po-tis-mus
Wortzerlegung Despot -ismus
eWDG

Bedeutung

historisch System der Despotie
Beispiele:
der französische Despotismus
es herrschte ein erdrückender Despotismus
während daß meine Rache fasten und sich unter das Joch des Despotismus krümmen muß [ SchillerRäuberIII 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Despot · despotisch · Despotismus · Despotie
Despot m. ‘Gewalt-, Willkürherrscher’. Griech. despótēs (δεσπότης) ‘Herr’ (im Gegensatz zum Sklaven), ‘unumschränkter Herrscher’ wird im byzantinischen Reich höfischer Titel. Er gilt ursprünglich nur für den Kaiser, geht später über auf Angehörige des Kaiserhauses und auf Herrscher, die ein Fürstentum an den Grenzen des Reiches ererben bzw. besitzen. In dieser Verwendung gelangt die Bezeichnung, vor allem als Titel bestimmter Balkanfürsten, in verschiedene Sprachen Südosteuropas und im 15. Jh. ins Deutsche. Griech. despótēs bedeutet ursprünglich ‘Hausherr’ wie das etymologisch übereinstimmende aind. dámpatiḥ. Das Vorderglied des-, ie. *dems- ist wahrscheinlich Genitiv eines Wortes für ‘Haus’, das mit Ablaut und jüngerer Stammbildung in griech. dómos (δόμος), lat. domus vorliegt; das Hinterglied ist umgebildet aus ie. *potis ‘Herr, Gemahl’, der Ausgangsform von gleichbed. aind. pátiḥ, griech. pósis (πόσις) ‘Gemahl’ sowie lat. potis Adj. ‘vermögend, mächtig’. Mitte des 18. Jhs. entwickelt sich die Bedeutung „Herrscher, der kein anderes Gesetz als das seiner Willkühr anerkennt“ (Campe), d. h. ‘Tyrann’, übertragen ‘herrischer Mensch’. – despotisch Adj. ‘gewalttätig, willkürlich’ (2. Hälfte 17. Jh.); Despotismus m. (Mitte 18. Jh.) und Despotie f. ‘Gewalt-, Willkürherrschaft’ (Ende 18. Jh.).

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Despotismus‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Despotismus‹.

Verwendungsbeispiele für ›Despotismus‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach den bitteren Erfahrungen von 45 Jahren Despotismus erleben wir trotz allem einen glücklichen Moment der europäischen Geschichte. [Die Zeit, 29.01.2007, Nr. 05]
Auch mit „asiatischem Despotismus“ habe das alles nichts zu tun. [Die Zeit, 15.10.1976, Nr. 43]
Mit so wenig Despotismus ist in der Geschichte selten mehr geschaffen worden. [Die Zeit, 03.06.1977, Nr. 23]
Aber sie war ebendeshalb, als eine der individuellen Freiheit, genau visiert gegen feudale Unterdrückung, auch gegen das patriarchalische System des aufgeklärten Despotismus. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 97]
Nur unter zwei Voraussetzungen könnte man einen Despotismus gelten lassen. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2880]
Zitationshilfe
„Despotismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Despotismus>.

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