Deutung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Deutung · Nominativ Plural: Deutungen
Aussprache
WorttrennungDeu-tung
Wortbildung mit ›Deutung‹ als Erstglied: ↗Deutungsmöglichkeit · ↗Deutungsprozess · ↗Deutungsschema · ↗Deutungsversuch
 ·  mit ›Deutung‹ als Letztglied: ↗Doppeldeutung · ↗Fehldeutung · ↗Geschichtsdeutung · ↗Handschriftendeutung · ↗Neudeutung · ↗Schriftdeutung · ↗Sinndeutung · ↗Situationsdeutung · ↗Traumdeutung · ↗Weltdeutung · ↗Wesensdeutung
eWDG, 1967

Bedeutung

Auslegung
Beispiele:
die Deutung eines Traumes, Textes, Gedichts, einer Weissagung
die Schriftzeichen lassen keine andere Deutung zu
eine richtige, falsche Deutung
eine verständliche, philosophische, zeitgenössische Deutung eines Kunstwerkes
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

deuten · Deutung · deutlich · deuteln · zweideutig · bedeuten · bedeutend · bedeutsam · Bedeutung
deuten Vb. ‘zu erklären versuchen, auslegen, (mit dem Finger) auf etw. zeigen, hinweisen’. Ahd. thiuten (um 1000), mhd. diuten ‘verständlich machen, erklären, zeigen, übersetzen, bedeuten’, mnd. dǖden, mnl. dūden, dieden, nl. duiden, aengl. geþīedan ‘übersetzen’, anord. þȳða ‘deuten, erklären’, schwed. tyda, dän. tyde sind wie ↗deutsch (s. d.) Denominativa zu germ. *þeuðō ‘Volk’, ie. *teutā ‘(Menge) Volk, Land’, das seinerseits t-Ableitung zur Wurzel ie. *tē̌u-, *teu̯ə- ‘schwellen’ (s. ↗Daumen) ist. Die Bedeutung des Verbs kann danach etwa ‘vor dem versammelten Volk erklären, für das Volk verständlich machen’ lauten. Daraus entwickelt sich früh ‘(Vorgänge, Erscheinungen und Äußerungen) erklären, auslegen’ und ‘(aus einer fremden Sprache in die eigene) übersetzen’, auch ‘einen bestimmten Sinn haben, bedeuten’; in mhd. Zeit kommt ‘auf etw. zeigen, hinweisen’ dazu. Deutung f. ‘Auslegung, Erklärung, Bedeutung’, mhd. diutunge, mnd. dǖdinge, nl. duiding. deutlich Adj. ‘klar erkennbar, verständlich, eindeutig’, spätmhd. diutlich, mnd. dǖdel(i)k, nl. duidelijk; vereinzelt mhd. frühnhd. diutelich, deutelich (mit Fugen-e), im 16./17. Jh. in adverbialer Verwendung gelegentlich diutelichen, deutelichen. deuteln Vb. ‘kleinlich, spitzfindig auslegen, (herum)deuten’ (1. Hälfte 16. Jh.), Iterativbildung zu deuten. zweideutig Adj. ‘zwei Deutungen zulassend, anzüglich’, seit der Mitte des 17. Jhs. als Verdeutschung von spätlat. aequivocus ‘doppelsinnig, mehrdeutig’ bezeugt, bald danach auch im Sinne von ‘unverständlich, rätselhaft, unklar’. Im 18. Jh. entwickelt zweideutig die Bedeutung ‘anzüglich, schlüpfrig’, die mehr und mehr an Gebrauchshäufigkeit zunimmt. bedeuten Vb. ‘einen bestimmten Sinn haben, von bestimmtem Wert, von Wichtigkeit sein’, ahd. bithiuten ‘meinen, bedeuten’ (11. Jh.), mhd. bediuten ‘andeuten, verständlich machen, mitteilen, urteilen’, auch reflexiv sich bediuten ‘bedeuten, zu verstehen sein’; dazu bedeutend Part.adj. ‘beachtlich, bemerkenswert, wertvoll, bedeutungsvoll’ (18. Jh.), ursprünglich ‘auf etw. hindeutend, etw. ausdrückend’; bedeutsam Adj. ‘wichtig, vielsagend, bedeutungsvoll’ (Ende 18. Jh.); Bedeutung f. ‘Sinn, Wort-, Begriffsinhalt, Wichtigkeit’, mhd. bediutunge ‘Auslegung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausdeutung · ↗Auslegung · Deutung · ↗Exegese · ↗Interpretation · ↗Lesart · ↗Perspektive · ↗Sichtweise · ↗Version  ●  ↗Bedeutung  geh.
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beschreibung Deutung Geschehen Phänomen Quantenmechanik Wertung allegorisch eigenwillig geschichtsphilosophisch inhaltlich kausal kühn metaphysisch nahelegen naheliegend originell philosophisch plausibel psychoanalytisch psychologisch rational schlüssig spekulativ subjektiv symbolisch szenisch theologisch tiefenpsychologisch umstreiten zulassen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Deutung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Oder aber er sehnte sich nach einer radikal konventionellen Deutung.
Süddeutsche Zeitung, 28.05.2001
Mit den Jahren hat ihre bezwingende Deutung der starken Frau ungeheure Tiefe gewonnen.
Der Tagesspiegel, 13.06.1999
Jedenfalls legen verschiedene Ereignisse der letzten Jahre diese Deutung nahe.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 92
Die von mir vorgenommene Deutung gründet folglich in einem V.
Løgstrup, K. E.: Vertrauen. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 37633
Den Alten war übrigens auch die symbolische Deutung der unverhüllten Ödipusträume nicht fremd.
Freud, Sigmund: Die Traumdeutung, Leipzig u. a.: Deuticke 1914 [1900], S. 279
Zitationshilfe
„Deutung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Deutung>, abgerufen am 20.10.2019.

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