Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Dialektik, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dialektik · Nominativ Plural: Dialektiken · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [diaˈlɛktɪk]
Worttrennung Di-alek-tik · Dia-lek-tik
Wortzerlegung dialektisch1 -ik
Wortbildung  mit ›Dialektik‹ als Erstglied: Dialektiker
Herkunft zu dialektikḗ (téchnē)griech (διαλεκτική τέχνη) ‘Kunst der wissenschaftlichen Gesprächsführung, Disputierkunst’ < dialégesthaigriech (διαλέγεσθαι) ‘sich unterreden, besprechen’
eWDG

Bedeutung

Philosophie Methode der Erkenntnis, deren Wesen darin besteht, durch Aufdeckung der Widersprüche und deren Überwindung zur Auffindung der Wahrheit zu gelangen
a)
in der Philosophie der Antike und der Scholastik   Kunst, in Rede und Gegenrede den Gesprächspartner zu überzeugen
Beispiele:
die sophistische Dialektik
eine gewandte, scharfe Dialektik
die Dialektik des Gegners
b)
Marxismus Wissenschaft von den allgemeinen Gesetzen der Bewegung, Entwicklung und Struktur der Natur, der Gesellschaft und des menschlichen Denkens
Beispiele:
Hegel leitet die Gesetze der Dialektik aus der Entwicklung der absoluten Idee ab
Marx begründet die Dialektik materialistisch
die marxistische Dialektik geht von der Materie aus
Die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegels Händen erleidet, verhindert in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt hat [ MarxKapital1,18]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dialektik · Dialekt · dialektisch1 · dialektisch2
Dialektik f. ‘philosophische Methode des Denkens, durch Aufstellung und Aufdeckung von Widersprüchen zur Erkenntnis zu gelangen’. Griech. dialektikḗ (διαλεκτική) ist die ‘Kunst der wissenschaftlichen Gesprächsführung, Disputierkunst’, in der griechischen Philosophie die ‘Methode, durch Überwindung der Widersprüche im Gespräch zur Wahrheit vorzustoßen’, zu griech. dialégein (διαλέγειν) ‘auslesen’, medial dialégesthai (διαλέγεσθαι) ‘sich unterreden, besprechen’. Daraus stammt die Entlehnung lat. dialectica, die ins Dt. übernommen wird, zuerst mhd. dīalectike, danach (16. Jh.) meist in lat. Form (doch mit dem Plur. Dialektiken), Anfang 17. Jh. in eingedeutschtem endungslosem Sing. Dialektik. Der Begriff bleibt von der Antike an Bestandteil der philosophischen Terminologie, wenn auch in unterschiedlicher Interpretation. Die materialistische Dialektik sucht im Widerspruch die Quelle aller Bewegung und Entwicklung aufzudecken. Die objektive Dialektik in Natur und Gesellschaft wird in der subjektiven Dialektik des Denkens und Erkennens widergespiegelt. Daher wird Dialektik von Engels (1878) als ‘Wissenschaft von den allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Gesellschaft und des Denkens’ bestimmt. – Dialekt m. ‘Mundart’. Griech. diálektos (διάλεκτος) ‘Sprache der Unterhaltung, Umgangssprache, Sprachstil, Mundart’, lat. dialectos ‘Mundart’ wird im 17. Jh. als Terminus der Sprachwissenschaft (anfangs meist in lat. Form und Flexion) entlehnt; gleichzeitig wird der entsprechende dt. Ausdruck Mundart (s. d.) gebildet. dialektisch1 Adj. (Ableitung von Dialektik) ‘die Dialektik betreffend, dieser Methode folgend, gegensätzlich, widersprüchlich’ (16. Jh.), vgl. lat. dialecticus, griech. dialektikós (διαλεκτικός); dazu die Fügung dialektischer Materialismus. dialektisch2 Adj. (Ableitung von Dialekt) ‘mundartlich’ (19. Jh.).

Thesaurus

Geisteswissenschaften, Psychologie
Synonymgruppe
Analytik · Dialektik · Logik
Unterbegriffe
  • Bedingung · Fallunterscheidung
  • Wissenslogik · epistemische Logik
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Kunst der Gesprächsführung · Kunst der Unterredung  ●  Ars dialectica  lat. · Dialektik  Hauptform
Oberbegriffe
  • Dreiweg  ●  Trivium lat., Hauptform
Synonymgruppe
Dialektik · Dichotomie · Dualismus · Polarität · Zweiheit
Unterbegriffe
  • deutscher Dualismus · preußisch-österreichischer Dualismus
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›Dialektik‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dialektik‹.

Verwendungsbeispiele für ›Dialektik‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Eine Dialektik der Aufklärung aber gab es für Bloom nicht. [Lepenies, Wolf: Kultur und Politik, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 167]
Zugleich gebe ich eine Kritik des marxistischen Gebrauchs der Dialektik. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 455]
Das ist wirklich eine kühne Dialektik, fast schon ein nichtarischer Dreh! [Pariser Tageblatt, 08.02.1935]
Die Dialektik der Aufklärung hat eben auch ihren positiven Zug. [Die Zeit, 12.05.1999, Nr. 20]
Das Elend der Dialektik konzentriert sich in der vielbeschworenen Funktion der Synthese. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 1041]
Zitationshilfe
„Dialektik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dialektik>.

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