Dialektik, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dialektik · wird nur im Singular verwendet
WorttrennungDi-alek-tik · Dia-lek-tik (computergeneriert)
HerkunftGriechisch
Wortzerlegungdialektisch1-ik
Wortbildung mit ›Dialektik‹ als Erstglied: ↗Dialektiker
eWDG, 1967

Bedeutung

Philosophie Methode der Erkenntnis, deren Wesen darin besteht, durch Aufdeckung der Widersprüche und deren Überwindung zur Auffindung der Wahrheit zu gelangen
a)
in der Philosophie der Antike und der Scholastik   Kunst, in Rede und Gegenrede den Gesprächspartner zu überzeugen
Beispiele:
die sophistische Dialektik
eine gewandte, scharfe Dialektik
die Dialektik des Gegners
b)
Marxismus Wissenschaft von den allgemeinen Gesetzen der Bewegung, Entwicklung und Struktur der Natur, der Gesellschaft und des menschlichen Denkens
Beispiele:
Hegel leitet die Gesetze der Dialektik aus der Entwicklung der absoluten Idee ab
Marx begründet die Dialektik materialistisch
die marxistische Dialektik geht von der Materie aus
Die Mystifikation, welche die Dialektik in Hegels Händen erleidet, verhindert in keiner Weise, daß er ihre allgemeinen Bewegungsformen zuerst in umfassender und bewußter Weise dargestellt hat [MarxKapital1,18]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dialektik · Dialekt · dialektisch1 · dialektisch2
Dialektik f. ‘philosophische Methode des Denkens, durch Aufstellung und Aufdeckung von Widersprüchen zur Erkenntnis zu gelangen’. Griech. dialektikḗ (διαλεκτική) ist die ‘Kunst der wissenschaftlichen Gesprächsführung, Disputierkunst’, in der griechischen Philosophie die ‘Methode, durch Überwindung der Widersprüche im Gespräch zur Wahrheit vorzustoßen’, zu griech. dialégein (διαλέγειν) ‘auslesen’, medial dialégesthai (διαλέγεσθαι) ‘sich unterreden, besprechen’. Daraus stammt die Entlehnung lat. dialectica, die ins Dt. übernommen wird, zuerst mhd. dīalectike, danach (16. Jh.) meist in lat. Form (doch mit dem Plur. Dialektiken), Anfang 17. Jh. in eingedeutschtem endungslosem Sing. Dialektik. Der Begriff bleibt von der Antike an Bestandteil der philosophischen Terminologie, wenn auch in unterschiedlicher Interpretation. Die materialistische Dialektik sucht im Widerspruch die Quelle aller Bewegung und Entwicklung aufzudecken. Die objektive Dialektik in Natur und Gesellschaft wird in der subjektiven Dialektik des Denkens und Erkennens widergespiegelt. Daher wird Dialektik von Engels (1878) als ‘Wissenschaft von den allgemeinen Bewegungs- und Entwicklungsgesetzen der Natur, der Gesellschaft und des Denkens’ bestimmt. Dialekt m. ‘Mundart’. Griech. diálektos (διάλεκτος) ‘Sprache der Unterhaltung, Umgangssprache, Sprachstil, Mundart’, lat. dialectos ‘Mundart’ wird im 17. Jh. als Terminus der Sprachwissenschaft (anfangs meist in lat. Form und Flexion) entlehnt; gleichzeitig wird der entsprechende dt. Ausdruck ↗Mundart (s. d.) gebildet. dialektisch1 Adj. (Ableitung von Dialektik) ‘die Dialektik betreffend, dieser Methode folgend, gegensätzlich, widersprüchlich’ (16. Jh.), vgl. lat. dialecticus, griech. dialektikós (διαλεκτικός); dazu die Fügung dialektischer Materialismus. dialektisch2 Adj. (Ableitung von Dialekt) ‘mundartlich’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Analytik · Dialektik · ↗Logik
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Dialektik · Kunst der Gesprächsführung · Kunst der Unterredung
Synonymgruppe
Dialektik · ↗Dichotomie · ↗Dualismus · ↗Polarität · ↗Zweiheit
Unterbegriffe
  • deutscher Dualismus · preußisch-österreichischer Dualismus
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufklärung Dialekt Dialektik Dogma Grammatik Grundzug Hegeischen Jargon Knecht Negative Ontologie Produktionsverhältnis Rhetorik Sein brechtsch eigentümlich hegelianisch hegelsch idealistisch immanent marxistisch marxsch materialistisch negativ platonisch transzendental unabgeschlossen unfair verquer vertrackt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dialektik‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aus dieser Dialektik - mit Stärke zum Frieden - ist nichts geworden, ebensowenig aus dem Versprechen "mehr Sicherheit".
Der Tagesspiegel, 07.03.2002
Vielleicht hätten sie dann das Buch »Dialektik der Aufklärung« nie geschrieben.
Mann, Golo: Schlußbetrachtung aus der Sicht des Jahres 1986. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1986], S. 25201
Aber was er nun erfährt, ist die Dialektik der jüdischen Situation in der Welt, er erfährt sie zwiefach.
Die Zeit, 24.03.1967, Nr. 12
Das Philosophieren der Idealisten vollzieht sich vornehmlich, wenn auch nicht ausschließlich, in der Form der Dialektik.
Wieland, W.: Idealismus. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 18989
Also ist die Dialektik auch hier vielmehr stillschweigend vorausgesetzt als beiseite geschoben.
Natorp, Paul: Platons Ideenlehre. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1903], S. 6067
Zitationshilfe
„Dialektik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dialektik>, abgerufen am 20.02.2019.

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