Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Dichter, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dichters · Nominativ Plural: Dichter
Aussprache  [ˈdɪçtɐ]
Worttrennung Dich-ter
Wortzerlegung dichten2 -er
Mehrwortausdrücke  Volk der Dichter und Denker
eWDG

Bedeutung

mit starker Empfindungsfähigkeit, Erlebnisfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit begabter Schöpfer eines sprachlichen Kunstwerkes
Beispiele:
Goethe ist der Dichter des ›Faust‹, von ›Hermann und Dorothea‹
die Dichter des Naturalismus
Shakespeare gehört zu den größten Dichtern der Weltliteratur
das Genie des Dichters
ein lyrischer, epischer, dramatischer, realistischer, zeitgenössischer, moderner, bekannter, volkstümlicher, erfolgreicher, echter, revolutionärer, genialer, unsterblicher Dichter
der Dichter reimt, besingt die Natur, enthüllt uns die Tiefen der menschlichen Seele
ein Dichter werden
zum Dichter bestimmt sein
einen Dichter verstehen, nachempfinden, zitieren
sprichwörtlichwer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen
So fühl ich denn … was den Dichter macht: ein volles, ganz von einer Empfindung volles Herz! [ GoetheGötzII 5]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dichten2 · Dichter · Dichtung2 · Gedicht
dichten2 Vb. ‘literarische Werke, Verse verfassen, erfinden’. Ahd. tihtōn ‘sprachlich gestalten, abfassen’ (9. Jh.; daneben auch Formen mit inlautendem -ct-, dem lat. Lautstand entsprechend), mhd. tihten ‘schreiben, schriftlich abfassen, erfinden, schaffen, erlügen’, mnd. mnl. nl. dichten, aengl. dihtan ‘einrichten, verfügen, anordnen, befehlen, verfassen, schreiben, veranlassen’, anord. schwed. dikta gelten allgemein als Entlehnungen von lat. dictāre ‘vorsagen, verfassen’ (s. diktieren). Der nhd. d-Anlaut beruht auf der binnendeutschen Konsonantenschwächung. Fraglich ist, ob die westgerm. Verben möglicherweise erst sekundär unter den Einfluß von lat. dictāre geraten, in Wirklichkeit aber germ. Ursprungs sind. Unter Berufung auf die Bedeutungsbreite der genannten Verben erwägt man Zusammenhang mit stark flektierendem mhd. tīchen ‘schaffen, treiben, ins Werk setzen’ (auch von Gesang und Tanz), ‘die Stimme erschallen lassen’ und will dieses (sehr unsicher) auf eine Variante ie. *dheig̑- der unter Teig (s. d.) genannten Wurzel ie. *dheig̑h- ‘kneten’ zurückführen. Dichter m. ‘Verfasser von Versen, literarischen Werken’, mhd. tihtære ‘Verfasser, Erdichter’. Im Nhd. bleibt Dichter selten und setzt sich erst seit dem 18. Jh. gegen das im 15. bis 17. Jh. üblichere Poet (s. d.) durch, das im 18. Jh. einen abschätzigen Sinn erhält. Dichter bezeichnet heute vorwiegend den Verfasser von Lyrik gegenüber dem allgemeineren Schriftsteller (s. d.). Dichtung2 f. ‘literarisches Kunstwerk’ (15. Jh.). Gedicht f. ‘lyrische Dichtung (in Versen)’, mhd. getiht(e) ‘schriftliche Aufzeichnung, Erdichtung, Kunstwerk’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gedichteschreiber · Lyriker · Musensohn · Poet · Reimeschmied (leicht iron.) · Spielmann · Versemacher · Versschreiber  ●  Barde  fig. · Dichter  Hauptform · Dichterling  abwertend · Minnesänger  fig. · Verseschmied  ironisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
Autor · Dichter · Literat · Schreiber · Schriftsteller · Verfasser  ●  Mann der Feder  männl. · ...schreiber  ugs. · Konzipient  geh., veraltet, lat. · Schmock  derb, veraltet, selten · Skribent  geh., selten, abwertend, lat.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Dichter‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dichter‹.

Verwendungsbeispiele für ›Dichter‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es kam ihnen nicht darauf an, den Film durch den Dichter zu fördern. [Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 102]
Für ihn als Dichter hatte sie nicht allzu viel Verständnis. [Die Landfrau, 10.10.1925]
In diesem einsamen Winter, abgeschnitten von der übrigen Welt, ist er entschlossen nur Dichter zu sein. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 154]
Für den Schriftsteller, für den wirklichen Dichter ist die Entscheidung klar. [Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 939]
Der erliegt unser alter Dichter gern, mal fröhlich, mal traurig. [Die Zeit, 13.04.2000, Nr. 16]
Zitationshilfe
„Dichter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dichter>.

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