Dichtung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dichtung · Nominativ Plural: Dichtungen
Aussprache
WorttrennungDich-tung
Wortbildung mit ›Dichtung‹ als Erstglied: ↗Dichtungsarbeit · ↗Dichtungsmittel · ↗Dichtungsring · ↗Dichtungsscheibe
 ·  mit ›Dichtung‹ als Letztglied: ↗Asbestdichtung · ↗Fensterdichtung · ↗Filzdichtung · ↗Gummidichtung · ↗Kolbendichtung · ↗Rohrdichtung · ↗Schlauchdichtung · ↗Zylinderkopfdichtung
eWDG, 1967

Bedeutung

Vorrichtung, um etw. dicht, undurchlässig zu machen
Beispiele:
eine neue Dichtung in den Wasserhahn einlegen
eine Dichtung gegen Zugluft, Schall
sie sperrten den Keller gegen den Zutritt des Grundwassers durch eine Dichtung ab
ob er nicht die Dichtungen in die Fenster einnageln wollte [SeghersSiebtes Kreuz4,316]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dicht · dichthalten · Dichte · dichten1 · Dichtung1
dicht Adj. ‘undurchlässig, nahe beieinander’, mhd. dīhte, mnd. dicht(e) ‘undurchlässig, stark, tüchtig, häufig, wahrhaftig’, aengl. -þiht, engl. tight, mnl. dicht(e), nl. dicht, anord. þēttr, schwed. tät (germ. *þīhta-, aus *þenhta-) führen mit mir. tēcht ‘geronnen’ und lit. tánkus ‘dicht, häufig’ auf die Wurzel ie. *tenk- ‘(sich) zusammenziehen, fest, dicht werden’ (s. auch ↗gedeihen). Im Germ. tritt Ersatzdehnung nach n-Ausfall vor -h- ein (vgl. mhd. dīhte, frühnhd. deicht). Im Mnd. wird die Länge wieder beseitigt; die Form mit kurzem i, mnd. dicht, dringt im 16. Jh. ins Md. und wird danach allgemein schriftsprachlich. dichthalten Vb. ‘verschwiegen sein’ (18. Jh.). Dichte f. ‘enges Beieinander, enge Aufeinanderfolge, Konzentration eines Stoffes oder einer Vorstellung’ (16. Jh.). dichten1 Vb. ‘undurchlässig machen, schließen’, mnd. dichten (15. Jh.). Dichtung1 f. ‘Verbindungsstück, Ring zum Abdichten technischer Geräte und Leitungen’ (19. Jh.).

dichten2 · Dichter · Dichtung2 · Gedicht
dichten2 Vb. ‘literarische Werke, Verse verfassen, erfinden’. Ahd. tihtōn ‘sprachlich gestalten, abfassen’ (9. Jh.; daneben auch Formen mit inlautendem -ct-, dem lat. Lautstand entsprechend), mhd. tihten ‘schreiben, schriftlich abfassen, erfinden, schaffen, erlügen’, mnd. mnl. nl. dichten, aengl. dihtan ‘einrichten, verfügen, anordnen, befehlen, verfassen, schreiben, veranlassen’, anord. schwed. dikta gelten allgemein als Entlehnungen von lat. dictāre ‘vorsagen, verfassen’ (s. ↗diktieren). Der nhd. d-Anlaut beruht auf der binnendeutschen Konsonantenschwächung. Fraglich ist, ob die westgerm. Verben möglicherweise erst sekundär unter den Einfluß von lat. dictāre geraten, in Wirklichkeit aber germ. Ursprungs sind. Unter Berufung auf die Bedeutungsbreite der genannten Verben erwägt man Zusammenhang mit stark flektierendem mhd. tīchen ‘schaffen, treiben, ins Werk setzen’ (auch von Gesang und Tanz), ‘die Stimme erschallen lassen’ und will dieses (sehr unsicher) auf eine Variante ie. *dheig̑- der unter ↗Teig (s. d.) genannten Wurzel ie. *dheig̑h- ‘kneten’ zurückführen. Dichter m. ‘Verfasser von Versen, literarischen Werken’, mhd. tihtære ‘Verfasser, Erdichter’. Im Nhd. bleibt Dichter selten und setzt sich erst seit dem 18. Jh. gegen das im 15. bis 17. Jh. üblichere ↗Poet (s. d.) durch, das im 18. Jh. einen abschätzigen Sinn erhält. Dichter bezeichnet heute vorwiegend den Verfasser von Lyrik gegenüber dem allgemeineren ↗Schriftsteller (s. d.). Dichtung2 f. ‘literarisches Kunstwerk’ (15. Jh.). Gedicht f. ‘lyrische Dichtung (in Versen)’, mhd. getiht(e) ‘schriftliche Aufzeichnung, Erdichtung, Kunstwerk’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dichtung · ↗Erdichtung
Assoziationen
Technik
Synonymgruppe
Abdichtung · Dichtung
Unterbegriffe
  • Flachs · ↗Werg
  • www.k-wanne.de · www.k-wanne.info
Synonymgruppe
Dichtung · Gedichte · ↗Lyrik · ↗Poesie · liedhafte Dichtung
Oberbegriffe
Assoziationen
  • durch Reim(e) verbunden · gereimt · in Versen · in Versform · in gereimter Form (verfasst)
  • Reim
Synonymgruppe
Dichtung · ↗Literatur · Schriften · ↗Schriftgut · ↗Schrifttum
Unterbegriffe
  • Apokryphen · apokryphe Schriften
  • Belletristik · ↗Unterhaltungsliteratur · schöne Literatur · schöngeistige Literatur
  • Faktuales · Nichtfiktion · Nichtfiktionales · ↗Non-Fiction
  • Hochliteratur  ●  Höhenkammliteratur  geh.
  • Massenliteratur · Popularliteratur  ●  ↗Trivialliteratur  Hauptform · Schemaliteratur  fachspr.
  • Buntschriftstellerei  ●  Poikilographie  griechisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) literarisches Kunstwerk · (eine) Dichtung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akademie Anthologie Malerei Mittelalter Musik Philosophie Prosa Sage Sprache Vertonung Wahrheit antik defekt dramatisch episch erzählend geistlich homerisch höfisch klassisch lateinisch lyrisch mittelalterlich mittelhochdeutsch naiv romantisch sentimentalisch sinfonisch symphonisch zeitgenössisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dichtung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es steht uns nicht an, über diese Dichtung zu richten, aber hinterher versteht man die seltsame Wendung "Verse schmieden" viel besser.
Der Tagesspiegel, 30.09.1998
Sie ist nicht zuletzt auch darum in der deutschen Dichtung selten geworden.
Die Zeit, 23.10.1981, Nr. 44
In ihm steckt ebenso der »Gehalt« wie die »Form«; die Welt der Dichtung offenbart sich darin, die mehr ist als die einzelnen Ereignisse.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 17831
Auch an die neue Sprache der Dichtung ist hier zum zweiten Male zu denken.
Freyer, Hans: Gesellschaft und Kultur. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 15634
Die Musik - nun, die will ich euch preisgeben, an der ist nicht allzuviel - aber die Dichtung!
Mayer, Anton: Der Spielmann Gottes, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1932, S. 71
Zitationshilfe
„Dichtung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dichtung#1>, abgerufen am 15.10.2019.

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Dichtung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dichtung · Nominativ Plural: Dichtungen
Aussprache
WorttrennungDich-tung
Wortbildung mit ›Dichtung‹ als Erstglied: ↗Dichtungsform · ↗Dichtungsgattung  ·  mit ›Dichtung‹ als Letztglied: ↗Altersdichtung · ↗Arbeiterdichtung · ↗Balladendichtung · ↗Barockdichtung · ↗Bauerndichtung · ↗Bühnendichtung · ↗Dialektdichtung · ↗Dramendichtung · ↗Funkdichtung · ↗Gelegenheitsdichtung · ↗Heimatdichtung · ↗Heldendichtung · ↗Jugenddichtung · ↗Kampfdichtung · ↗Kreuzzugsdichtung · ↗Liebesdichtung · ↗Mundartdichtung · ↗Märchendichtung · ↗Naturdichtung · ↗Romandichtung · ↗Spielmannsdichtung · ↗Spruchdichtung · ↗Tendenzdichtung · ↗Tondichtung · ↗Traumdichtung · ↗Volksdichtung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit starker Empfindungsfähigkeit, Erlebnisfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit geschaffenes sprachliches Kunstwerk
Beispiele:
eine lyrische, epische, dramatische, romantische, realistische, revolutionäre, politische, moderne, ernste, lehrhafte, unterhaltende, heitere Dichtung
eine echte, unvergängliche Dichtung
das Wesen, die Gestalten einer Dichtung
eine Dichtung erfüllt, begeistert jmdn.
eine Dichtung verstehen, erleben, nachempfinden
in die Schönheiten einer Dichtung eindringen
umgangssprachlich was er sagt, ist bloße Dichtung (= stimmt nicht mit der Wirklichkeit überein)
Dichtung und Wahrheit [GoetheDicht. u. Wahrh.Titel]
2.
nur im Singular
die Gesamtheit, das gesamte Gebiet des dichterischen Schaffens
Beispiele:
die Dichtung der europäischen Völker
im Reich der Dichtung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dicht · dichthalten · Dichte · dichten1 · Dichtung1
dicht Adj. ‘undurchlässig, nahe beieinander’, mhd. dīhte, mnd. dicht(e) ‘undurchlässig, stark, tüchtig, häufig, wahrhaftig’, aengl. -þiht, engl. tight, mnl. dicht(e), nl. dicht, anord. þēttr, schwed. tät (germ. *þīhta-, aus *þenhta-) führen mit mir. tēcht ‘geronnen’ und lit. tánkus ‘dicht, häufig’ auf die Wurzel ie. *tenk- ‘(sich) zusammenziehen, fest, dicht werden’ (s. auch ↗gedeihen). Im Germ. tritt Ersatzdehnung nach n-Ausfall vor -h- ein (vgl. mhd. dīhte, frühnhd. deicht). Im Mnd. wird die Länge wieder beseitigt; die Form mit kurzem i, mnd. dicht, dringt im 16. Jh. ins Md. und wird danach allgemein schriftsprachlich. dichthalten Vb. ‘verschwiegen sein’ (18. Jh.). Dichte f. ‘enges Beieinander, enge Aufeinanderfolge, Konzentration eines Stoffes oder einer Vorstellung’ (16. Jh.). dichten1 Vb. ‘undurchlässig machen, schließen’, mnd. dichten (15. Jh.). Dichtung1 f. ‘Verbindungsstück, Ring zum Abdichten technischer Geräte und Leitungen’ (19. Jh.).

dichten2 · Dichter · Dichtung2 · Gedicht
dichten2 Vb. ‘literarische Werke, Verse verfassen, erfinden’. Ahd. tihtōn ‘sprachlich gestalten, abfassen’ (9. Jh.; daneben auch Formen mit inlautendem -ct-, dem lat. Lautstand entsprechend), mhd. tihten ‘schreiben, schriftlich abfassen, erfinden, schaffen, erlügen’, mnd. mnl. nl. dichten, aengl. dihtan ‘einrichten, verfügen, anordnen, befehlen, verfassen, schreiben, veranlassen’, anord. schwed. dikta gelten allgemein als Entlehnungen von lat. dictāre ‘vorsagen, verfassen’ (s. ↗diktieren). Der nhd. d-Anlaut beruht auf der binnendeutschen Konsonantenschwächung. Fraglich ist, ob die westgerm. Verben möglicherweise erst sekundär unter den Einfluß von lat. dictāre geraten, in Wirklichkeit aber germ. Ursprungs sind. Unter Berufung auf die Bedeutungsbreite der genannten Verben erwägt man Zusammenhang mit stark flektierendem mhd. tīchen ‘schaffen, treiben, ins Werk setzen’ (auch von Gesang und Tanz), ‘die Stimme erschallen lassen’ und will dieses (sehr unsicher) auf eine Variante ie. *dheig̑- der unter ↗Teig (s. d.) genannten Wurzel ie. *dheig̑h- ‘kneten’ zurückführen. Dichter m. ‘Verfasser von Versen, literarischen Werken’, mhd. tihtære ‘Verfasser, Erdichter’. Im Nhd. bleibt Dichter selten und setzt sich erst seit dem 18. Jh. gegen das im 15. bis 17. Jh. üblichere ↗Poet (s. d.) durch, das im 18. Jh. einen abschätzigen Sinn erhält. Dichter bezeichnet heute vorwiegend den Verfasser von Lyrik gegenüber dem allgemeineren ↗Schriftsteller (s. d.). Dichtung2 f. ‘literarisches Kunstwerk’ (15. Jh.). Gedicht f. ‘lyrische Dichtung (in Versen)’, mhd. getiht(e) ‘schriftliche Aufzeichnung, Erdichtung, Kunstwerk’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dichtung · ↗Erdichtung
Assoziationen
Technik
Synonymgruppe
Abdichtung · Dichtung
Unterbegriffe
  • Flachs · ↗Werg
  • www.k-wanne.de · www.k-wanne.info
Synonymgruppe
Dichtung · Gedichte · ↗Lyrik · ↗Poesie · liedhafte Dichtung
Oberbegriffe
Assoziationen
  • durch Reim(e) verbunden · gereimt · in Versen · in Versform · in gereimter Form (verfasst)
  • Reim
Synonymgruppe
Dichtung · ↗Literatur · Schriften · ↗Schriftgut · ↗Schrifttum
Unterbegriffe
  • Apokryphen · apokryphe Schriften
  • Belletristik · ↗Unterhaltungsliteratur · schöne Literatur · schöngeistige Literatur
  • Faktuales · Nichtfiktion · Nichtfiktionales · ↗Non-Fiction
  • Hochliteratur  ●  Höhenkammliteratur  geh.
  • Massenliteratur · Popularliteratur  ●  ↗Trivialliteratur  Hauptform · Schemaliteratur  fachspr.
  • Buntschriftstellerei  ●  Poikilographie  griechisch
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) literarisches Kunstwerk · (eine) Dichtung

Typische Verbindungen
computergeneriert

Akademie Anthologie Malerei Mittelalter Musik Philosophie Prosa Sage Sprache Vertonung Wahrheit antik defekt dramatisch episch erzählend geistlich homerisch höfisch klassisch lateinisch lyrisch mittelalterlich mittelhochdeutsch naiv romantisch sentimentalisch sinfonisch symphonisch zeitgenössisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dichtung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es steht uns nicht an, über diese Dichtung zu richten, aber hinterher versteht man die seltsame Wendung "Verse schmieden" viel besser.
Der Tagesspiegel, 30.09.1998
Sie ist nicht zuletzt auch darum in der deutschen Dichtung selten geworden.
Die Zeit, 23.10.1981, Nr. 44
In ihm steckt ebenso der »Gehalt« wie die »Form«; die Welt der Dichtung offenbart sich darin, die mehr ist als die einzelnen Ereignisse.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 17831
Auch an die neue Sprache der Dichtung ist hier zum zweiten Male zu denken.
Freyer, Hans: Gesellschaft und Kultur. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 15634
Die Musik - nun, die will ich euch preisgeben, an der ist nicht allzuviel - aber die Dichtung!
Mayer, Anton: Der Spielmann Gottes, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1932, S. 71
Zitationshilfe
„Dichtung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dichtung#2>, abgerufen am 15.10.2019.

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