Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Dichtung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dichtung · Nominativ Plural: Dichtungen
Aussprache  [ˈdɪçtʊŋ]
Worttrennung Dich-tung
Wortzerlegung dichten1 -ung
Wortbildung  mit ›Dichtung‹ als Erstglied: Dichtungsarbeit · Dichtungsmasse · Dichtungsmaterial · Dichtungsmittel · Dichtungsring · Dichtungsscheibe
 ·  mit ›Dichtung‹ als Letztglied: Asbestdichtung · Fensterdichtung · Filzdichtung · Gummidichtung · Kolbendichtung · Rohrdichtung · Schlauchdichtung · Zylinderkopfdichtung
eWDG

Bedeutung

Vorrichtung, um etw. dicht, undurchlässig zu machen
Beispiele:
eine neue Dichtung in den Wasserhahn einlegen
eine Dichtung gegen Zugluft, Schall
sie sperrten den Keller gegen den Zutritt des Grundwassers durch eine Dichtung ab
ob er nicht die Dichtungen in die Fenster einnageln wollte [ SeghersSiebtes Kreuz4,316]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dicht · dichthalten · Dichte · dichten1 · Dichtung1
dicht Adj. ‘undurchlässig, nahe beieinander’, mhd. dīhte, mnd. dicht(e) ‘undurchlässig, stark, tüchtig, häufig, wahrhaftig’, aengl. -þiht, engl. tight, mnl. dicht(e), nl. dicht, anord. þēttr, schwed. tät (germ. *þīhta-, aus *þenhta-) führen mit mir. tēcht ‘geronnen’ und lit. tánkus ‘dicht, häufig’ auf die Wurzel ie. *tenk- ‘(sich) zusammenziehen, fest, dicht werden’ (s. auch gedeihen). Im Germ. tritt Ersatzdehnung nach n-Ausfall vor -h- ein (vgl. mhd. dīhte, frühnhd. deicht). Im Mnd. wird die Länge wieder beseitigt; die Form mit kurzem i, mnd. dicht, dringt im 16. Jh. ins Md. und wird danach allgemein schriftsprachlich. dichthalten Vb. ‘verschwiegen sein’ (18. Jh.). Dichte f. ‘enges Beieinander, enge Aufeinanderfolge, Konzentration eines Stoffes oder einer Vorstellung’ (16. Jh.). dichten1 Vb. ‘undurchlässig machen, schließen’, mnd. dichten (15. Jh.). Dichtung1 f. ‘Verbindungsstück, Ring zum Abdichten technischer Geräte und Leitungen’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Dichtung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dichtung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Dichtung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Musik – nun, die will ich euch preisgeben, an der ist nicht allzuviel – aber die Dichtung! [Mayer, Anton: Der Spielmann Gottes, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1932, S. 71]
Meine ganze Idee sei weniger ärztliches Problem als vielmehr eine Dichtung. [Keller, Paul: Ferien vom Ich, München: Bergstadtverl. Korn 1963 [1915], S. 50]
So wie Sie es aussprechen, ist fast schon der Weg der Dichtung beschritten. [Lepenies, Wolf: Kultur und Politik, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 262]
So erscheint er als eine Dichtung, als eine Art Kunst. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 243]
Für die Förderung der Dichtung braucht er sich nicht einzusetzen. [Tucholsky, Kurt: Eine Akademie. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1926]]
Zitationshilfe
„Dichtung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dichtung#1>.

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Dichtung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dichtung · Nominativ Plural: Dichtungen
Aussprache  [ˈdɪçtʊŋ]
Worttrennung Dich-tung
Wortzerlegung dichten2 -ung
eWDG

Bedeutungen

1.
mit starker Empfindungsfähigkeit, Erlebnisfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit geschaffenes sprachliches Kunstwerk
Beispiele:
eine lyrische, epische, dramatische, romantische, realistische, revolutionäre, politische, moderne, ernste, lehrhafte, unterhaltende, heitere Dichtung
eine echte, unvergängliche Dichtung
das Wesen, die Gestalten einer Dichtung
eine Dichtung erfüllt, begeistert jmdn.
eine Dichtung verstehen, erleben, nachempfinden
in die Schönheiten einer Dichtung eindringen
umgangssprachlichwas er sagt, ist bloße Dichtung (= stimmt nicht mit der Wirklichkeit überein)
Dichtung und Wahrheit [ GoetheDicht. u. Wahrh.Titel]
2.
die Gesamtheit, das gesamte Gebiet des dichterischen Schaffens
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
die Dichtung der europäischen Völker
im Reich der Dichtung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dichten2 · Dichter · Dichtung2 · Gedicht
dichten2 Vb. ‘literarische Werke, Verse verfassen, erfinden’. Ahd. tihtōn ‘sprachlich gestalten, abfassen’ (9. Jh.; daneben auch Formen mit inlautendem -ct-, dem lat. Lautstand entsprechend), mhd. tihten ‘schreiben, schriftlich abfassen, erfinden, schaffen, erlügen’, mnd. mnl. nl. dichten, aengl. dihtan ‘einrichten, verfügen, anordnen, befehlen, verfassen, schreiben, veranlassen’, anord. schwed. dikta gelten allgemein als Entlehnungen von lat. dictāre ‘vorsagen, verfassen’ (s. diktieren). Der nhd. d-Anlaut beruht auf der binnendeutschen Konsonantenschwächung. Fraglich ist, ob die westgerm. Verben möglicherweise erst sekundär unter den Einfluß von lat. dictāre geraten, in Wirklichkeit aber germ. Ursprungs sind. Unter Berufung auf die Bedeutungsbreite der genannten Verben erwägt man Zusammenhang mit stark flektierendem mhd. tīchen ‘schaffen, treiben, ins Werk setzen’ (auch von Gesang und Tanz), ‘die Stimme erschallen lassen’ und will dieses (sehr unsicher) auf eine Variante ie. *dheig̑- der unter Teig (s. d.) genannten Wurzel ie. *dheig̑h- ‘kneten’ zurückführen. Dichter m. ‘Verfasser von Versen, literarischen Werken’, mhd. tihtære ‘Verfasser, Erdichter’. Im Nhd. bleibt Dichter selten und setzt sich erst seit dem 18. Jh. gegen das im 15. bis 17. Jh. üblichere Poet (s. d.) durch, das im 18. Jh. einen abschätzigen Sinn erhält. Dichter bezeichnet heute vorwiegend den Verfasser von Lyrik gegenüber dem allgemeineren Schriftsteller (s. d.). Dichtung2 f. ‘literarisches Kunstwerk’ (15. Jh.). Gedicht f. ‘lyrische Dichtung (in Versen)’, mhd. getiht(e) ‘schriftliche Aufzeichnung, Erdichtung, Kunstwerk’.

Typische Verbindungen zu ›Dichtung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dichtung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Dichtung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Musik – nun, die will ich euch preisgeben, an der ist nicht allzuviel – aber die Dichtung! [Mayer, Anton: Der Spielmann Gottes, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1932, S. 71]
Meine ganze Idee sei weniger ärztliches Problem als vielmehr eine Dichtung. [Keller, Paul: Ferien vom Ich, München: Bergstadtverl. Korn 1963 [1915], S. 50]
So wie Sie es aussprechen, ist fast schon der Weg der Dichtung beschritten. [Lepenies, Wolf: Kultur und Politik, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 262]
So erscheint er als eine Dichtung, als eine Art Kunst. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 243]
Für die Förderung der Dichtung braucht er sich nicht einzusetzen. [Tucholsky, Kurt: Eine Akademie. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1926]]
Zitationshilfe
„Dichtung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dichtung#2>.

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