Diener, der
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dieners · Nominativ Plural: Diener
Aussprache
WorttrennungDie-ner
Wortzerlegungdienen-er
Wortbildung mit ›Diener‹ als Erstglied: Dienerin · Dienerschar · Dienersitz · Dienertreppe
 ·  mit ›Diener‹ als Letztglied: Amtsdiener · Augendiener · Baaldiener · Bürodiener · Fürstendiener · Gemeindediener · Gerichtsdiener · Gottesdiener · Götzendiener · Hausdiener · Herrendiener · Hoteldiener · Kammerdiener · Kirchendiener · Leibdiener · Lohndiener · Messdiener · Museumsdiener · Ratsdiener · Saaldiener · Schuldiener · Staatsdiener
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmd., der in abhängiger Stellung gegen Lohn, Gehalt Dienst tut
a)
veraltend bei einer Privatperson als Hausangestellter
Beispiele:
ein aufmerksamer, zuverlässiger, treuer Diener
ein betresster, livrierter, herrschaftlicher Diener (= Lakai)
einen Diener einstellen, halten, entlassen
Und mach ich dirs recht, / Bin ich dein Diener, bin dein Knecht! [GoetheFaustI 1648]
bildlich
Beispiel:
ein stummer Diener (= ein Serviertisch) umgangssprachlich
b)
veraltend, gehoben bei einem öffentlichen Gemeinwesen
Beispiele:
er ist ein Diener des Staates, der Kirche
ein Diener am Wort (= Seelsorger)
Steigt nicht selbst der fromme Diener Gottes, / Der würd'ge Pfarrer, mit herab? [SchillerTellII 2]
2.
gehoben Förderer, Helfer
Beispiele:
ein Diener des Fortschritts, Friedens
Ich [der Arzt] bin ein Diener der leidenden Menschheit! [Th. MannZauberb.2,593]
3.
Kindersprache Verbeugung
Beispiel:
der kleine Junge machte (vor) seinem Onkel einen Diener
4.
veraltet drückt eine besondere Höflichkeitsbezeugung gegenüber Respektspersonen aus
Beispiele:
Ihr ergebenster Diener!
Gehorsamster Diener, Herr Professor Niepeguck! [RaabeSperlingsgasseI 1,5]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dienen · Diener · dienern · dienlich · Dienst · Dienstmann · verdienen · Verdienst · verdienstlich
dienen Vb. ‘für jmdn. etw. tun, ihm helfen, abhängig sein’, ahd. thionōn (8. Jh.), mhd. dienen, asächs. thionon, mnd. dēnen, mnl. nl. dienen, anord. (aus dem Mnd.?) þjōna, schwed. tjäna ist eine mit -n- erweiterte Ableitung von germ. *þewa- ‘Sklave, Knecht’, das in got. þius ‘Knecht’, urnord. þewaR ‘Diener, Lehnsmann’, aengl. þēo(w) ‘Diener, Knecht, Unfreier’ bezeugt ist (s. auch ↗Demut). Verbindet man germ. *þewa- mit aind. takti ‘eilt’, lit. tekė́ti ‘laufen, fließen, rinnen’, aslaw. tešti ‘laufen, rennen’, russ. teč’ (течь) ‘fließen’, so ist Anschluß an die Wurzel ie. *teku̯- ‘laufen, fließen’ möglich. Für das Subst. ergäbe sich eine Bedeutungsentwicklung von ‘Läufer’ zu ‘Knecht’ und für das abgeleitete Verb eine Ausgangsbedeutung ‘Knecht sein’, die schließlich den Sinn ‘behilflich sein’ und (bei Sachen) ‘nützlich, geeignet sein’ annimmt. Diener m. ‘Aufwärter, Hausangestellter’, auch ‘wer im Auftrage einer Institution, in der Bindung an eine Aufgabe seine Pflicht erfüllt’, ahd. thionāri (11. Jh.), mhd. dienære; danach (Ende 17. Jh.) ‘Verbeugung’ (nach der Art eines Bediensteten, eines Untertans), wozu dienern Vb. ‘sich (mehrmals) verbeugen’ (19. Jh.). dienlich Adj. ‘nützlich, förderlich’ (14. Jh.). Dienst m. ‘Arbeitsverhältnis im Haushalt’, allgemeiner ‘Berufs-, Amtspflicht’; das mit dem ie. Suffix -st- zum Verb gebildete Abstraktum bezeichnet die Tätigkeit des Dienens, ahd. thionōst (8. Jh.), mhd. dienest ‘Ergebenheit, Ausübung religiöser Pflichten, Aufwartung, Erfüllung standesrechtlicher Verpflichtungen innerhalb des Feudalsystems’, asächs. thionost und (erweitert zum fem. n-Stamm) anord. þjōnusta f. Dienstmann m. ‘Besorger von Botengängen’ (19. Jh.), ahd. thionōstman (8. Jh.), mhd. dienestman ‘Knecht, Helfer’, dann auch (in der Übersetzung von mlat. ministerialis) ‘niederer Lehnsmann’. verdienen Vb. ‘durch Arbeit erwerben’ (z. B. Lohn), ‘für seine Bemühungen wert sein’ (z. B. Lob, Tadel), ahd. firthionōn (um 1000), mhd. verdienen. Verdienst m. ‘Erwerb, Lohn, Gewinn’, n. ‘anerkennenswerte (oder auch schuldhafte) Tat’, frühnhd. verdienst, mnd. vordēnst. verdienstlich Adj. ‘anerkennungswürdig’ (15. Jh.).
OpenThesaurus (09/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
Bediensteter · Boy · Bursche · Butler · Dienstbote · Hausangestellter · Hausbursche · Kammerdiener · Ordonnanz (mil.) · Page
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Büttel · Knappe · Knecht · Lakai · Subalterner
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Reisiger · reisiger Knecht
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Diener sind es gewohnt, ständig hinter ihm her zu räumen.
Die Welt, 08.08.2003
Ihr Tod zeichnete sie als ergebene Diener ihres Landes aus.
Der Tagesspiegel, 16.03.1998
Er wird sagen: Mein Diener Soundso hat dich um etwas zu trinken gebeten, und du hast ihm nicht zu trinken gegeben.
Khoury, Adel Theodor: Brüderlichkeit. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 250
Je wichtiger das Haus, um so mehr Diener sind vorhanden.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 206
Aber diese Beamten waren, wie bald zu erwähnen, zunächst persönliche Diener des Herren.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 123
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Chauffeur Diener Dienerinnen Gefolge Herren Knechte Knicks Kutscher Köchin Livree Majestät Mägde Sklaven Zofe artigen demütiger eifrige ergebener gehorsamer getreuer herrschaftlichen livrierte loyaler selbstlose stumme treuer untertänigster willfährigen willigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Diener‹.