Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Diener, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dieners · Nominativ Plural: Diener
Aussprache  [ˈdiːnɐ]
Worttrennung Die-ner
Wortzerlegung dienen -er
Wortbildung  mit ›Diener‹ als Erstglied: Dienerin · Dienerschaft · Dienerschar · Dienersitz · Dienertreppe
 ·  mit ›Diener‹ als Letztglied: Altardiener · Amtsdiener · Augendiener · Baaldiener · Besitzdiener · Bürodiener · Fürstendiener · Gemeindediener · Gerichtsdiener · Gottesdiener · Grundwehrdiener · Götzendiener · Hausdiener · Herrendiener · Hoteldiener · Kammerdiener · Kirchendiener · Leibdiener · Liebediener · Logendiener · Lohndiener · Messdiener · Museumsdiener · Parlamentsdiener · Präsenzdiener · Ratsdiener · Saaldiener · Schuldiener · Staatsdiener · Zivildiener
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Angestellter, der in einem Privathaushalt, an einem Hof (3), in einer Institution o. Ä. in abhängiger Stellung als Dienstbote häusliche Pflichten erfüllt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein livrierter Diener
als Akkusativobjekt: einen Diener rufen, schicken, beauftragen; einen Diener entlassen, belohnen
als Dativobjekt: einem Diener läuten, schellen, etw. befehlen
Beispiele:
An der Schloßtreppe waren sie von einer Schar livrierter Diener in Empfang genommen worden, die ihnen jedes Gepäckstück, selbst Roberts alten Campingbeutel, auf die Zimmer getragen hatten, Zimmer mit Terrasse und Blick aufs Meer. [Schulze, Ingo: Neue Leben. Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 598]
Fortnum & Mason wurde 1707 von William Fortnum in London gegründet. Er verdiente sich den Grundstock für seine berufliche Karriere mit dem Verkauf von abgebrannten Kerzenstummeln aus dem Haushalt von Queen Anne, in dem er als Diener angestellt war. [Royal Warrants: Königliche Köstlichkeiten, 10.12.2014, aufgerufen am 20.08.2020]
Aber was ist eigentlich ein Diener, im Unterschied zum Knecht? Seine Pflicht besteht darin »der Herrschaft aufzuwarten«; zudem beherrscht er die Kunst, gleichzeitig sichtbar und unsichtbar zu sein. [Die Zeit, 30.12.2010]
Tagsüber sah ich wenig Personal im Schloß, hier mal einen Diener und manchmal, zufällig, den Koch, wenn er auf der Auffahrt einen Zigarillo rauchte. [Krausser, Helmut: Eros. Köln: DuMont 2006, S. 139]
1949, bei der ersten Sitzung des Bundestages, trugen die Diener blaue Anzüge mit einer grünen Armschleife. [Berliner Zeitung, 08.11.2005]
Eigentlich gehören Diener in diesen Raum, dachte Jarven, ernst aussehende Herren mit schwarzem Frack, weißen Hemden und einer Serviette über dem Arm oder junge Frauen mit weißen Hauben auf dem Kopf und kleinen, dreieckigen Schürzen vor ihren schwarzen Kleidern. [Boie, Kirsten: Skogland. Ort: Hamburg 2005, S. 89]
Die Wohn‑ und Schlafräume des Kaiserpaares befanden sich an der östlichen Ecke des Hauses, die seinen im Erdgeschoß[…] Außer dem alten Paar wohnten nur Diener und Kammerfrauen im Hause; der Hofstaat war im Schloß und im Prinzessinnenpalais untergebracht. [Bruyn, Günter de: Unter den Linden. Berlin: Siedler 2002, S. 98]
allgemeiner jmd., der in abhängiger Stellung für einen Dienstherrn arbeitet und diesem zu Gehorsam verpflichtet ist
Kollokationen:
in Koordination: Diener und Sklaven, Knechte
Beispiele:
Das Evangelium nach Matthäus (Mt 25,14–30) handelte von einem Mann, der lange auf Reisen ging und für die Zeit seiner Abwesenheit dreien seiner Diener Talente (= antike Währungseinheit) anvertraute, die sie zu verwalten hatte. [Mittelbayerische, 16.11.2020]
Josef ist das Lieblingskind von Vater Jakob, was den zehn Geschwistern zunehmend missfällt. Als der Hass schier unerträglich wird, verkaufen die Geschwister ihren Bruder an Sklavenhändler nach Ägypten. Doch Gott ist bei ihm und Josef gewinnt schnell das Vertrauen des Oberaufsehers der Leibwache des Pharao und wird dessen oberster Diener. [Südkurier, 03.11.2017]
übertragen Und der Personalized Computer, der uns für die Zukunft versprochen wird, ist kein Rechenknecht, sondern ein Diener, der die Wünsche seines Herrn kennt. [Der Spiegel, 19.03.2001]
2.
übertragen, gehoben
a)
jmd., der in einem Gemeinwesen, einer Institution ein hohes (öffentliches) Amt bekleidet
Kollokationen:
mit Genitivattribut: ein Diener des Volkes, des Staates, der Kirche, des Evangeliums
Beispiele:
[Italiens Präsident] Mattarella sieht sich als Diener des Volkes und des von ihm gewählten Parlaments. [Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2022]
Ein Bürgermeister ist kein Autokrat, sondern der erste Diener seiner Stadt! [Südkurier, 12.02.2019]
Steigt nicht selbst der fromme Diener Gottes, / Der würd’ge Pfarrer, mit herab? [ SchillerTellII 2]WDG
b)
jmd., der sich als Förderer und Helfer uneigennützig in den Dienst einer Person, einer Sache stellt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein treuer, loyaler, demütiger, unterwürfiger Diener
Beispiele:
Ihr Ordensgründer Ignatius von Loyola war ja der treueste Diener seines Papstes und zugleich als Typus sein Widerpart. [Die Zeit, 04.01.2018]
Du hast Dumbledore getötet, Severus. Solange du lebst, kann der Elderstab nicht wirklich mir gehören. Du warst mir ein guter und treuer Diener, Severus. Aber du weißt, nur ich kann ewig leben. [Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2, 2011, aufgerufen am 31.10.2014]
[Filmszene, Thomas More zu Heinrich VIII.:] Seine Majestät hat mir befohlen, mich kurz zu fassen, und da ich ein gehorsamer Diener Seiner Majestät bin, mache ich es kurz. Ich sterbe als treuer Diener meines Königs, aber vor allem Gottes. Ich vergebe dir von ganzem Herzen. Scheue dich nicht, dein Amt zu verrichten. [A Man for All Seasons, 1966, aufgerufen am 31.10.2014]
Ich [der Arzt] bin ein Diener der leidenden Menschheit! [ Th. MannZauberb.2,593]WDG
Und mach ich dirs recht, / Bin ich dein Diener, bin dein Knecht! [ GoetheFaustI 1648]WDG
3.
in sozialer Interaktion
a)
VerbeugungWDG
Beispiele:
Auch ich ging mit ihr zum Tisch der Stars, obwohl ich keinen der beiden kannte, und reichte ihnen meine Hand mit einem Diener, einer tiefen Verbeugung, wie es mir die Tante einmal beigebracht hatte. [Mittelbayerische, 02.03.2016]
Der Diener war eine höfliche Verbeugung und beim Knicks wurden die Knie eingeknickt, es war ein angedeuteter Kniefall. [Schweriner Volkszeitung, 10.12.2007]
b)
veraltet devote Höflichkeitsbezeugung gegenüber Respektpersonen
Grammatik: als Bestandteil einer Ergebenheitsformel oder Höflichkeitsbezeugung
Beispiele:
Ihr ergebenster Diener!WDG
Auch Krasselt Karl machte eine tiefe Verbeugung und sagte: »Ganz gehorsamster Diener, Herr Grau, mit was kann ich ihnen dienen?« [Leipziger Volkszeitung, 30.11.2010]
Gehorsamster Diener, Herr Professor Niepeguck! [ RaabeSperlingsgasseI 1,5]WDG

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dienen · Diener · dienern · dienlich · Dienst · Dienstmann · verdienen · Verdienst · verdienstlich
dienen Vb. ‘für jmdn. etw. tun, ihm helfen, abhängig sein’, ahd. thionōn (8. Jh.), mhd. dienen, asächs. thionon, mnd. dēnen, mnl. nl. dienen, anord. (aus dem Mnd.?) þjōna, schwed. tjäna (germ. *þewanōn) ist eine mit -n- erweiterte Ableitung von germ. *þewa- ‘Sklave, Knecht’, das in got. þius ‘Knecht’, urnord. þewaʀ ‘Diener, Lehnsmann’, aengl. þēo(w) ‘Diener, Knecht, Unfreier’ bezeugt ist (s. auch Demut). Verbindet man germ. *þewa- mit aind. takti ‘eilt’, lit. tekė́ti ‘laufen, fließen, rinnen’, aslaw. tešti ‘laufen, rennen’, russ. teč’ (течь) ‘fließen’, so ist Anschluß an die Wurzel ie. *teku̯- ‘laufen, fließen’ möglich. Für das Subst. ergäbe sich eine Bedeutungsentwicklung von ‘Läufer’ zu ‘Knecht’ und für das abgeleitete Verb eine Ausgangsbedeutung ‘Knecht sein’, die schließlich den Sinn ‘behilflich sein’ und (bei Sachen) ‘nützlich, geeignet sein’ annimmt. Diener m. ‘Aufwärter, Hausangestellter’, auch ‘wer im Auftrage einer Institution, in der Bindung an eine Aufgabe seine Pflicht erfüllt’, ahd. thionāri (11. Jh.), mhd. dienære; danach (Ende 17. Jh.) ‘Verbeugung’ (nach der Art eines Bediensteten, eines Untertans), wozu dienern Vb. ‘sich (mehrmals) verbeugen’ (19. Jh.). dienlich Adj. ‘nützlich, förderlich’ (14. Jh.). Dienst m. ‘Arbeitsverhältnis im Haushalt’, allgemeiner ‘Berufs-, Amtspflicht’; das mit dem ie. Suffix -st- zum Verb gebildete Abstraktum (germ. *þewanōst-) bezeichnet die Tätigkeit des Dienens, ahd. thionōst (8. Jh.), mhd. dienest ‘Ergebenheit, Ausübung religiöser Pflichten, Aufwartung, Erfüllung standesrechtlicher Verpflichtungen innerhalb des Feudalsystems’, asächs. thionost und (erweitert zum fem. n-Stamm) anord. þjōnusta f. Dienstmann m. ‘Besorger von Botengängen’ (19. Jh.), ahd. thionōstman (8. Jh.), mhd. dienestman ‘Knecht, Helfer’, dann auch (in der Übersetzung von mlat. ministerialis) ‘niederer Lehnsmann’. verdienen Vb. ‘durch Arbeit erwerben’ (z. B. Lohn), ‘für seine Bemühungen wert sein’ (z. B. Lob, Tadel), ahd. firthionōn (um 1000), mhd. verdienen. Verdienst m. ‘Erwerb, Lohn, Gewinn’, n. ‘anerkennenswerte (oder auch schuldhafte) Tat’, frühnhd. verdienst, mnd. vordēnst. verdienstlich Adj. ‘anerkennungswürdig’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bediensteter · Bursche · Diener · Dienstbote · Hausangestellter · Hausbursche · Kammerdiener · Lakai  ●  Boy  engl. · Butler  engl. · Domestik  veraltet, abwertend · Ordonnanz  militärisch · Page  franz.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Büttel · Diener · Knappe · Knecht · Lakai · Subalterner
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Diener · Knicks · Verbeugung · Verneigung  ●  Kratzfuß  veraltet · Ehrenbezeigung  geh. · Reverenz  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(das) Gesinde · (das) Personal · (die) Diener · (die) Dienstboten · Dienerschaft · Hausangestellte

Typische Verbindungen zu ›Diener‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Diener‹.

Zitationshilfe
„Diener“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Diener>.

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