Ding, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ding(e)s · Nominativ Plural: Dinge/Dinger
Aussprache 
eWDG

Bedeutungen

I.
ungenau, nicht namentlich bezeichneter Gegenstand, ungenau, nicht namentlich bezeichnete Sache oder Person
1.
der einzelne Gegenstand, die einzelne Sache
Grammatik: Plural ‘-e’
Beispiele:
gute, schöne, nützliche, wissenswerte Dinge
ausgefallene, nichtige, fremde, verbotene Dinge
allerlei andere, tausenderlei Dinge
die tausend kleinen Dinge des täglichen Bedarfs
es gab gute Dinge zum Mittagessen
preiswerte Dinge kaufen
der Mensch ist das Maß aller Dinge
ReligionGott, der Schöpfer aller Dinge
die Vergänglichkeit der irdischen Dinge
die Dinge (deutlich) beim, mit dem rechten Namen nennen
jmdn. nach tausend Dingen fragen
veraltenddas ist ein ander Ding
veraltenddamit, darum ist es ein eigen Ding (= eine besondere Sache)
das ist ein Ding der Unmöglichkeit
PhilosophieKant hielt das Ding an sich (= den wirklichen Hintergrund der Erscheinungen) für unerkennbar
lustig und guter Dinge (= gut gelaunt) sein
sprichwörtlichjedes Ding hat zwei Seiten
sprichwörtlichgut Ding will Weile haben
sprichwörtlich, umgangssprachlichaller guten Dinge sind drei
[der Schrank] war nur ein Möbel, ein totes Ding aus leblosem Eisen [ ViebigErde186]
Er konnte in die winzigen Kramläden gehn ... und unbrauchbare Dinge einhandeln [ J. RothRadetzkymarsch198]
2.
bezeichnet eine Gesamtheit
Grammatik: Plural ‘-e’, nur im Plural
a)
Tatsachen, Gegebenheiten
Beispiele:
die Natur, Erkenntnis der Dinge
bei, nach Lage der Dinge
hinter den Kern der Dinge kommen
sich vom Stand der Dinge unterrichten
so sind die Dinge nun einmal
wie die Dinge liegen, stehen
die Dinge scheinen oft anders als sie in Wirklichkeit sind
geschehene Dinge sind nicht zu ändern
die Dinge richtig, schief, falsch ansehen
man muss die Dinge nehmen, wie sie sind
alle Dinge klar, im Zusammenhang sehen
die Dinge an ihren rechten Platz rücken, auf das rechte Maß zurückführen, auf den Kopf stellen
den Dingen auf den Grund gehen, nüchtern ins Auge sehen
umgangssprachlichdas geht nicht mit rechten Dingen zu (= das entspricht nicht den wirklichen Gegebenheiten)
Wie Sie die Dinge auch drehen und wenden mögen [ GoetzHokuspokusII]
b)
Ereignisse, Angelegenheiten
Beispiele:
alltägliche, atemberaubende, bedeutsame, befremdliche, persönliche, private, öffentliche, schulische Dinge
Religiondie letzten Dinge (= das Weltende)
die Entwicklung, der (Ver)lauf der Dinge
in ängstlicher Erwartung der kommenden Dinge
wir können nichts am Gang der Dinge ändern
die Dinge sind noch im Fluss
seltsame Dinge spielen sich ab
diese Dinge erledigen sich von selbst
die Dinge nehmen ihren natürlichen Lauf
große Dinge bereiten sich vor
viele Dinge gehen ihm im Kopf herum
er hat immer viele Dinge (gleichzeitig) im Kopf
er wartete gespannt der Dinge, die da kommen sollten
den Dingen ihren freien Lauf lassen
die alten Dinge aufrühren
vergangene Dinge begraben
wichtige Dinge betreiben
verfahrene Dinge wieder ins Gleis bringen
spöttischda hast du mir ja schöne Dinge erzählt
unangenehme Dinge an jmdn. herantragen
unerfreuliche Dinge über jmdn. hören
man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen
gleichgültige, interessante Dinge reden, erzählen
er ließ alle Dinge an sich herankommen
sie lassen die Dinge treiben
man soll die Dinge nicht überstürzen, überspitzen
große Dinge vorhaben
Grammatik: in Verbindung mit »an«
Beispiel:
an vergangene Dinge rühren
Grammatik: in Verbindung mit »aus«
Beispiel:
sich aus fremden Dingen heraushalten
Grammatik: in Verbindung mit »in«
Beispiele:
er mischte sich immer in Dinge ein, die ihn gar nichts angingen
in technischen Dingen weiß er Bescheid
man muss in allen Dingen Maß halten
Grammatik: in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
sich mit komplizierten Dingen befassen
Grammatik: in Verbindung mit »nach«
Beispiel:
nach hohen Dingen streben
Grammatik: in Verbindung mit »über«
Beispiele:
über unliebsame Dinge hinwegkommen
sich über belanglose Dinge unterhalten
über den Dingen stehen (= über alles erhaben sein)
wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verlieret, der hat keinen zu verlieren [ LessingGalottiIV 7]
Grammatik: in Verbindung mit »um«
Beispiel:
sich um viele Dinge kümmern
Grammatik: in Verbindung mit »von«
Beispiel:
er versteht viel von fachlichen Dingen
Grammatik: in Verbindung mit »zu«
Beispiel:
er war zu großen Dingen ausersehen, bestimmt
Grammatik: in Verbindung mit »vor«
Beispiel:
vor allen Dingen (= an erster Stelle, besonders)
3.
umgangssprachlich Kind, junges Mädchen
Grammatik: Plural ‘-er’
Beispiele:
ein kleines, gutes, liebes, junges, frisches, hübsches, fixes, lebhaftes Ding
ein albernes, schnippisches, freches, naseweises Ding
sie ist noch ein recht dummes Ding
Ihr armen, armen Dinger! [ GoetheFaustI 3693]
Was machen wir nun mit dem Ding? (= dem kleinen Knaben?) [ ApitzNackt26]
II.
salopp irgendetwas
Grammatik: Plural ‘-er’
1.
was nicht näher bezeichnet werden kann oder soll
Beispiele:
ein winziges, rotes, glänzendes Ding
was ist das für ein Ding?
was kostet das Ding?
das Ding gefällt mir
das Ding will ich haben
abwertendwas soll ich mit den Dingern anfangen?
ein paar alte Dinger ... die du von deiner Mutter geerbt hast [ BrechtDreigroschenroman104]
Wie heißt das Ding, das wen'ge schätzen [ SchillerTurandotII 4]
2.
was besonders (gut oder schlecht) auffällt, eine besonders bemerkenswerte (gute oder schlechte) Sache
Beispiele:
ein großes, tolles, verfluchtes Ding
so ein Ding!
ein Ding mit ('nem) Pfiff (= eine tolle Sache)
das Ding ist gut
ein Ding steigt
ein Ding aufsteigen lassen, loslassen (= etwas Tolles anstellen)
ein Ding (= Missetat, Verbrechen) (mit jmdm.) drehen, schieben
krumme Dinger (= unerlaubte Sachen) machen
spöttischdu machst ja schöne Dinger (= dumme Geschichten)
sie haben ihm ein Ding verpasst (= eins ausgewischt)
Das ist ein Ding, Kinder! Das ist ein Ding! [ UhsePatrioten1,449]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ding · Unding · dinglich · Dings · Dingsda · dingfest · Dingwort · dingen · abdingen
Ding n. ‘germanische Volks- und Gerichtsversammlung, Sache, Gegenstand, Angelegenheit’, ahd. thing (8. Jh.), mhd. dinc, asächs. thing, mnd. mnl. dinc, nl. ding, aengl. þing, engl. thing, anord. þing, schwed. ting und (im grammatischen Wechsel) got. þeihs ‘Zeit’ gehen zurück auf die zur Wurzel ie. *ten- ‘dehnen, ziehen, spannen’ gehörende Gutturalerweiterung ie. *tenk- ‘ziehen, dehnen, spannen, Zeitspanne’. Zur gleichen Wurzel stellen sich lat. tempus ‘Zeitabschnitt, Zeit’ und air. tan ‘Zeit’. Westgerm. und nordgerm. *þenga- bezeichnet die ‘Volksversammlung aller Freien’, die über Krieg und Frieden beschließt, den Heerführer oder König wählt und in der Recht gesprochen wird. Got. þeihs als Übersetzung für griech. kairós (καιρός) meint ‘eine für einen bestimmten Zweck festgelegte Zeit’. So bedeutet auch germ. *þenga- in vorliterarischer Zeit (wie noch ahd. thing in seinen ältesten Belegen) ‘Zeitpunkt’, dann die zu einem bestimmten Zeitpunkt angesetzte allgemeine Volksversammlung. Die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Völkerwanderungszeit, wie sie sich deutlich in der Errichtung des fränkischen Feudalstaates zeigen und zum Zerfall der alten Volksversammlung führen, lassen sich an der Bedeutung von ahd. thing nachweisen: thing ist vor allem die ‘Gerichtsversammlung’, an der ein bestimmter Personenkreis teilnimmt; daraus abgeleitet bezeichnet es den ‘Versammlungs- oder Gerichtstermin und -platz’, die ‘Gerichtsverhandlung’ und deren Ergebnis ‘Urteil, Vertrag’, dann auch (unter dem Einfluß von lat. causa, rēs, negōtium) die zu verhandelnde ‘Rechtssache’, den ‘Fall’, ‘Ursache’, ‘Grund’. Damit hat sich thing von der alten Bedeutung ‘Volksversammlung’ gelöst, und der Weg zu (nhd. herrschendem) ‘Sache, Gegenstand, Angelegenheit, Geschehen’ ist beschritten; als Terminus der mittelalterlichen Logik kann es für ‘Wesen, Begriff’ u. dgl. stehen; vgl. Karg-Gasterstädt Ahd. Thing – Nhd. Ding (1958). Eine ähnliche Entwicklung erlebt das Wort in allen germ. Sprachen (vgl. aengl. þing ‘Beratung, Versammlung, Gerichtshof, Prozeß, Tat, Ursache, Gegenstand’, engl. thing ‘Ding, Sache, Wesen, Angelegenheit’). Jünger ist die Verwendung für Personen oder Sachen, die nicht benannt werden können oder sollen (14. Jh.) und der (umgangssprachlich und mundartlich übliche) herabsetzende Gebrauch, vgl. kleines, armes, grünes Ding ‘Mädchen’ (17. Jh.), Plural Dinger. Ding als philosophischer Erkenntnisgegenstand (18. Jh.); Ding an sich (Reimarus 1760); mit rechten Dingen zugehen ‘auf natürliche Weise geschehen’ (18. Jh.). Unding n. ‘etw. Widersinniges, Torheit’, mhd. undinc ‘Böses, Schlechtes, Übel, Unrecht’, zusammengesetzt mit verneinendem un- (s. d.). dinglich Adj. ‘gegenständlich’, mhd. dinclich; vgl. ahd. thinglīh (10. Jh.), mhd. dingelich ‘gerichtlich’. Dings n. m. f. distanzierende oder abschätzige Bezeichnung für Personen und Sachen (16. Jh.), Ersatzwort für Eigennamen (18. Jh.), vgl. auch Dingsda n. m. f. (19. Jh.). dingfest Adj. vorwiegend dingfest machen ‘festnehmen, in seine Gewalt bekommen’ (19. Jh.); vgl. dazu das Gegenwort mhd. dincvlühtec ‘sich dem Gericht entziehend’. Dingwort n. ‘Substantiv’ (um 1900). dingen Vb. ‘in Dienst nehmen’, ahd. thingōn ‘Gericht halten, Urteil sprechen, streben’ (8./9. Jh.) und thingen ‘streben, hoffen, Gericht halten, eine Entscheidung herbeiführen’ (9. Jh.), mhd. dingen, auch ‘durch Verhandlung ausbedingen, mieten’, woraus sich die heute noch geläufige Bedeutung entwickelt. abdingen Vb. ‘abmieten, abhandeln, vom Preis herunterhandeln’, mhd. abedingen ‘ein Übereinkommen treffen, abhandeln’.

Typische Verbindungen zu ›Ding‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ding‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ding‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich bin für einige Dinge bereit, meine Posten zu verlieren.
Die Zeit, 11.02.1999, Nr. 7
Im westlichen Teil des Frankenreichs entwickelten sich die Dinge wesentlich anders.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 27985
Es ist sicherlich falsch, über solche Dinge viel zu reden.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 203
Ich werde jetzt gleich komplizierte Dinge bügeln, das hilft vielleicht.
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 215
Es wäre vernünftiger gewesen, das bunte runde Ding ruhig in der geschlossenen Hand zu halten.
Grass, Günter: Die Blechtrommel, Darmstadt: Luchterhand 1959, S. 608
Zitationshilfe
„Ding“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ding#1>, abgerufen am 22.01.2022.

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Ding, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ding(e)s · Nominativ Plural: Dinge
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Ding‹ als Erstglied: Dingplatz · Dingstätte · dingfest
 ·  mit ›Ding‹ als Letztglied: Dorfding · Landding · Scheißding · Volksding
eWDG

Bedeutung

historisch germanische Gerichtsversammlung
Synonym zu Thing
Beispiele:
ein Ding (ab)halten
ein Ding, zum Ding einberufen
sich zum Ding versammeln
Zitationshilfe
„Ding“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ding#2>, abgerufen am 22.01.2022.

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