Dingsda, der, die oder das

GrammatikSubstantiv (Maskulinum, Femininum, Neutrum)
Aussprache
WorttrennungDings-da
WortzerlegungDingsda1
eWDG, 1967

Bedeutung

salopp, abwertend
1.
irgendetwas nicht näher Bezeichnetes, auf das man ausdrücklich hinweist
Schreibung ‘Dingsda’; Grammatik: Genus Neutrum
Beispiel:
lass das Dingsda liegen
2.
nicht näher bezeichnete Person, auf die man ausdrücklich hinweist
Schreibung ‘Dingsda’; Grammatik: Genus Maskulinum
Schreibung ‘Dingsda’; Grammatik: Genus Femininum
Beispiele:
dieser freche Dingsda
da kam Herr Dingsda
kennst du die Dingsda?
Wir müssen uns den Höfel schnappen und den Polen dazu, den Dingsda [ApitzNackt173]
3.
bezeichnet einen Ort, dessen genauen Namen man (im Moment) nicht weiß
Grammatik: ohne Artikel
Beispiele:
Der Vetter aus Dingsda [KünnekeVetterTitel]
einmal den violetten Samt eines Rektors der Alma mater zu Dingsda schleppen zu können [SchleichVergangenheit246]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ding · Unding · dinglich · Dings · Dingsda · dingfest · Dingwort · dingen · abdingen
Ding n. ‘germanische Volks- und Gerichtsversammlung, Sache, Gegenstand, Angelegenheit’, ahd. thing (8. Jh.), mhd. dinc, asächs. thing, mnd. mnl. dinc, nl. ding, aengl. þing, engl. thing, anord. þing, schwed. ting und (im grammatischen Wechsel) got. þeihs ‘Zeit’ gehen zurück auf die zur Wurzel ie. *ten- ‘dehnen, ziehen, spannen’ gehörende Gutturalerweiterung ie. *tenk- ‘ziehen, dehnen, spannen, Zeitspanne’. Zur gleichen Wurzel stellen sich lat. tempus ‘Zeitabschnitt, Zeit’ und air. tan ‘Zeit’. Westgerm. und nordgerm. *þenga- bezeichnet die ‘Volksversammlung aller Freien’, die über Krieg und Frieden beschließt, den Heerführer oder König wählt und in der Recht gesprochen wird. Got. þeihs als Übersetzung für griech. kairós (καιρός) meint ‘eine für einen bestimmten Zweck festgelegte Zeit’. So bedeutet auch germ. *þenga- in vorliterarischer Zeit (wie noch ahd. thing in seinen ältesten Belegen) ‘Zeitpunkt’, dann die zu einem bestimmten Zeitpunkt angesetzte allgemeine Volksversammlung. Die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Völkerwanderungszeit, wie sie sich deutlich in der Errichtung des fränkischen Feudalstaates zeigen und zum Zerfall der alten Volksversammlung führen, lassen sich an der Bedeutung von ahd. thing nachweisen: thing ist vor allem die ‘Gerichtsversammlung’, an der ein bestimmter Personenkreis teilnimmt; daraus abgeleitet bezeichnet es den ‘Versammlungs- oder Gerichtstermin und -platz’, die ‘Gerichtsverhandlung’ und deren Ergebnis ‘Urteil, Vertrag’, dann auch (unter dem Einfluß von lat. causa, rēs, negōtium) die zu verhandelnde ‘Rechtssache’, den ‘Fall’, ‘Ursache’, ‘Grund’. Damit hat sich thing von der alten Bedeutung ‘Volksversammlung’ gelöst, und der Weg zu (nhd. herrschendem) ‘Sache, Gegenstand, Angelegenheit, Geschehen’ ist beschritten; als Terminus der mittelalterlichen Logik kann es für ‘Wesen, Begriff’ u. dgl. stehen; vgl. Karg-Gasterstädt Ahd. Thing – Nhd. Ding (1958). Eine ähnliche Entwicklung erlebt das Wort in allen germ. Sprachen (vgl. aengl. þing ‘Beratung, Versammlung, Gerichtshof, Prozeß, Tat, Ursache, Gegenstand’, engl. thing ‘Ding, Sache, Wesen, Angelegenheit’). Jünger ist die Verwendung für Personen oder Sachen, die nicht benannt werden können oder sollen (14. Jh.) und der (umgangssprachlich und mundartlich übliche) herabsetzende Gebrauch, vgl. kleines, armes, grünes Ding ‘Mädchen’ (17. Jh.), Plural Dinger. Ding als philosophischer Erkenntnisgegenstand (18. Jh.); Ding an sich (Reimarus 1760); mit rechten Dingen zugehen ‘auf natürliche Weise geschehen’ (18. Jh.). Unding n. ‘etw. Widersinniges, Torheit’, mhd. undinc ‘Böses, Schlechtes, Übel, Unrecht’, zusammengesetzt mit verneinendem ↗un- (s. d.). dinglich Adj. ‘gegenständlich’, mhd. dinclich; vgl. ahd. thinglīh (10. Jh.), mhd. dingelich ‘gerichtlich’. Dings n. m. f. distanzierende oder abschätzige Bezeichnung für Personen und Sachen (16. Jh.), Ersatzwort für Eigennamen (18. Jh.), vgl. auch Dingsda n. m. f. (19. Jh.). dingfest Adj. vorwiegend dingfest machen ‘festnehmen, in seine Gewalt bekommen’ (19. Jh.); vgl. dazu das Gegenwort mhd. dincvlühtec ‘sich dem Gericht entziehend’. Dingwort n. ‘Substantiv’ (um 1900). dingen Vb. ‘in Dienst nehmen’, ahd. thingōn ‘Gericht halten, Urteil sprechen, streben’ (8./9. Jh.) und thingen ‘streben, hoffen, Gericht halten, eine Entscheidung herbeiführen’ (9. Jh.), mhd. dingen, auch ‘durch Verhandlung ausbedingen, mieten’, woraus sich die heute noch geläufige Bedeutung entwickelt. abdingen Vb. ‘abmieten, abhandeln, vom Preis herunterhandeln’, mhd. abedingen ‘ein Übereinkommen treffen, abhandeln’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dingens  ugs. · ↗Dingenskirchen  ugs. · Dings  ugs. · ↗Dingsbums  ugs. · Dingsda  ugs. · ↗Dingskirchen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Vetter Wald

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dingsda‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In diesem kleinen Dingsda steckt große Kraft, das ist doch rätselhaft.
Die Zeit, 12.09.2011, Nr. 37
Mal redet er über eine Umgehungsstraße in Dingsda, dann wieder über Weltpolitik.
Der Tagesspiegel, 07.08.2001
Die Künneke gibt sich als "Fette aus Dingsda" - und die Mira bekennt sich zu ihrem Knautschgesicht.
Die Welt, 14.03.2005
Der Schauplatz von „Dingsda“ ist ein in Plastik gegossener Korridor mit Kinderzeichnungen an den Wänden.
Die Zeit, 01.04.1988, Nr. 14
Der Höfel und der Dingsda müssen für das Lager gestorben sein.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 132
Zitationshilfe
„Dingsda“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dingsda>, abgerufen am 17.11.2019.

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