Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Diplomat, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Diplomaten · Nominativ Plural: Diplomaten
Aussprache 
Worttrennung Di-plo-mat · Dip-lo-mat
Herkunft zu diplomaticusnlat ‘die Urkunden betreffend’, vgl. gleichbedeutend diplomatefrz
eWDG

Bedeutung

beglaubigter, zu Verhandlungen mit auswärtigen Mächten befugter Vertreter eines Staates im Ausland
Beispiele:
ein gewandter, geschickter Diplomat
er ist ein Diplomat alter Schule
der Diplomat geht in besonderer Mission nach Prag, ist als Botschafter im auswärtigen Dienst tätig
übertragen gewandter, klug berechnender Mensch
Beispiele:
ein guter, schlauer, listiger, schlechter Diplomat sein
er ist kein Diplomat (= er ist nicht geschickt, wendig im Umgang mit anderen Menschen)
der Fleischhauer zeigte sich als durchtriebener Diplomat [ BredelHeerstraßen53]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Diplom · Diplomarbeit · Diplomand · Diplomatik · diplomatisch1 · Diplomat · Diplomatie · diplomatisch2
Diplom n. ‘Ernennungsurkunde, Prüfungsnachweis, Abschlußzeugnis, Urkunde’, entlehnt (17. Jh.) aus lat. diplōma (Genitiv diplōmatis), griech. díplōma (δίπλωμα) ‘Geleitbrief, Empfehlungsschreiben, Urkunde’, eigentlich ‘das Verdoppelte, zusammengefaltetes Schreiben’ (zum ersten Kompositionsglied s. di-). Neben dem bereits im 17. Jh. bezeugten endungslosen Singular Diplom steht bis ins 18. Jh. ein auf der lat. Stammform beruhender Plural Diplomaten, bis sich in der 2. Hälfte des 18. Jhs. die dt. Deklination Diplome durchsetzt. Seit dem 18. Jh. bezeichnet im wissenschaftlichen Bereich Diplom das ‘Bestätigungsdokument für eine erbrachte Leistung, Abschlußzeugnis’, wird Bestimmungswort in Zusammensetzungen wie Diplomarbeit f. ‘Abschlußarbeit’ an Hoch- und Fachschulen (Ende 19. Jh.) und daran anschließend eine den akademischen Grad ausdrückende Berufsbezeichnung: Diplomingenieur (Dipl.-Ing.), -kaufmann, -landwirt, -physiotherapeut, -volkswirt usw. (20. Jh.). Diplomand m. ‘Student, der an seiner Diplomarbeit schreibt, sein Diplom macht’ (20. Jh.), wohl nach dem Vorbild Doktorand (s. d.). Diplomatik f. ‘Urkundenlehre’ (18. Jh.), aus gleichbed. frz. diplomatique oder unmittelbar aus dem Nlat. (vgl. Mabillon De re diplomatica, 1681). Dem frz. Substantiv liegt das Adjektiv frz. diplomatique, nlat. diplomaticus ‘die Urkunden betreffend’ (zu lat. diplōma, s. oben) zugrunde; dazu diplomatisch1 Adj. ‘die Urkunden betreffend, urkundlich, buchstabengetreu’ (18. Jh.). Diplomat m. ‘Bevollmächtigter, geschickt verhandelnder Mensch’, speziell ‘mit einem bestimmten völkerrechtlichen Status ausgestatteter Vertreter eines souveränen Staates’, entlehnt (Anfang 19. Jh.) aus substantiviertem nlat. diplomaticus (s. oben), unter Einfluß von gleichbed. frz. diplomate, ebenfalls einer Substantivbildung zum Adjektiv frz. diplomatique. Diplomatie f. ‘Regelung zwischenstaatlicher Beziehungen’, Übernahme (18. Jh.) von frz. diplomatie, später (19. Jh.) im Dt. auch ‘Gesamtheit der Diplomaten’. Davon abgeleitet diplomatisch2 Adj. ‘die Diplomatie, die Diplomaten betreffend’, speziell ‘die den internationalen Verkehr regelnden Urkunden und Verträge’, dann ‘den internationalen Verkehr selbst betreffend, geschickt verhandelnd’ (18. Jh.), frz. diplomatique (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Auslandsvertreter · Botschafter · Diplomat · Geschäftsträger · Konsul · Missionschef · Repräsentant · diplomatischer Vertreter

Typische Verbindungen zu ›Diplomat‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Diplomat‹.

Verwendungsbeispiele für ›Diplomat‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir sind Diplomaten, das heißt, wenn wir sagen, was wir denken, dann haben wir uns versprochen. [Tange, Ernst Günter: Zitatenschatz zur Politik, Frankfurt a. M.: Eichborn 2000, S. 72]
Überhaupt war es für mich merkwürdig, wie offen eigentlich die Diplomaten sind. [Diederichs, Eugen: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 23392]
Ihr Mann, ein dreißig Jahre älterer Diplomat, starb bereits 1841. [Ardenne, Manfred v.: Ein glückliches Leben für Technik und Forschung: Berlin: Verlag der Nation 1976, S. 255]
In fünf Jahren, so der erregte Diplomat, stehe die Gemeinschaft wieder vor neuen Problemen. [Die Zeit, 13.04.2000, Nr. 16]
Doch die Diplomaten lehnten das Memorandum nicht etwa ab; sie weigerten sich, es überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. [Die Zeit, 01.07.1999, Nr. 27]
Zitationshilfe
„Diplomat“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Diplomat>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Diplomarbeit
Diplomand
Diplom-Ingenieurin
Diplom-Ingenieur
Diplom-Bibliothekar
Diplomatenaktentasche
Diplomatenausweis
Diplomatenauto
Diplomatenempfang
Diplomatenfahrzeug