Dirndl, das

Die hyperkorrekte Form Dirndel ist selten und wird vor allem in Deutschland außerhalb Bayerns verwendet.
Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Dirndls · Nominativ Plural: Dirndl/Dirndln
Nebenformen mundartlich Deandl · Substantiv · Genitiv Singular: Deandls · Nominativ Plural: Deandl/Deandln
Nebenformen Dirndel · Substantiv · Genitiv Singular: Dirndels · Nominativ Plural: Dirndeln
Aussprache  [ˈdɪʁndl̩]
Worttrennung Dirndl ● De-andl ● Dirn-del
Wortbildung  mit ›Dirndl‹ als Erstglied: Dirndelkleid · Dirndlbluse · Dirndlkleid · Dirndlrock · Dirndlschürze
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Dirndl und Lederhose (Miesbacher Tracht)
Dirndl und Lederhose (Miesbacher Tracht)
(Aquajazz, CC BY-SA 2.0 DE)
Verschiedene Dirndl
Verschiedene Dirndl
(Florian Schott, GNU FDL)
zu den traditionellen Trachten vor allem in Österreich und Bayern gehörendes Kleid mit engem Oberteil und weitem Rock, das mit einer Halbschürze getragen wird; dem Trachtenkleid nachempfundenes Kleid (für festliche Anlässe)
Schreibung: Dirndl
Schreibung: Dirndel
Auch in angrenzenden Ländern und Regionen wie der Schweiz und dem Schwarzwald gibt es Trachtenkleider, die dem Dirndl ähneln, aber selten so genannt werden.
Synonym zu Dirndlkleid
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein bayrisches, knappes, zünftiges Dirndl
als Akkusativobjekt: ein Dirndl tragen
in Präpositionalgruppe/-objekt: Bedienungen, Damen, Kellnerinnen in Dirndln
in Koordination: Dirndln und Lederhosen
Beispiele:
Das von den Darstellerinnen getragene Dirndl, früher Dirndlkleid genannt, war ursprünglich ein Trachtengewand für Frauen niederen Standes im Alpenraum: weiter Rock, weiße Bluse und Halbschürze; es gab Sommer‑, Winter‑ und sogar Hochzeitsdirndl. [Süddeutsche Zeitung, 22.09.2008]
Das Dirndl ist wieder modern und nicht mehr nur am Oktoberfest salonfähig. Als modisches Statement mit traditionellem Touch getragen, gibt das Dirndl auch Aufschluss über das Privatleben seiner Trägerin. Dirndl‑Schleife rechts: […] Die Dirndl‑Trägerin […] ist vergeben oder verheiratet und flirten ist nicht willkommen. Dirndl‑Schleife links: Auf der linken Seite getragen, bedeutet die Masche, dass die Frau ledig ist. Sie ist noch auf Partnersuche und anbandeln ist erlaubt. [Dirndl-Schleife und Beziehungsstatus, 26.03.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Die Invasion kommt aus dem Osten. Der Eindringling ist aus Blusenstoff, mit Schleifen, Blumen‑Stickereien und Ausschnitt – das Dirndl, [ursprünglich] ein Trachtenkleid aus Österreich und Bayern, erlebt hierzulande einen Siegeszug. [St. Galler Tagblatt, 08.12.2017]
Die größte Auswahl an Dirndln bietet W[…], einer langen Tradition getreu. Die Herkunft der Dirndl umfaßt eine ganze Landkarte: vom Tegernsee bis nach Tirol und Salzburg. [Die Zeit, 13.03.1964]
Die zahlreichen Gäste, standesgemäss in Dirndel und Lederhose gewandet, dürfen sich bei bayrischem Bier, Brezn & Co auf einen unterhaltsamen Abend freuen. [Neue Westfälische, 16.09.2016] ungewöhnl. Schreibung
2.
D-Südost (Altbayern) , A Mädchen, junge Frau
Synonym zu Dirn (1 a)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein dralles, fesches, zünftiges Dirndl
Beispiele:
2019 war die Welt noch in Ordnung: Prächtige Rösser sowie schneidige Buam und Deandl waren beim Dorfener Wiesneinzug mit dabei. [Münchner Merkur, 25.09.2020]
Donnerstag, 10. Oktober: 14 Uhr, Freyung, Volksmusikakademie, Volksmusik für Buam und Deandln im Kindergartenalter. [Landshuter Zeitung, 05.10.2019]
Zur Kunst war Grita Insam zufällig gekommen – »als vollkommen unerfahrenes Dirndl«[…]. [Der Standard, 04.06.2012]
Mit dem »Auftanz« um 20.30 Uhr geht es so richtig los. Für Stimmung sorgen zünftige Buam und fesche Dirndln. Tradition verpflichtet! [Kronen Zeitung, 29.01.2009]
An den Wänden Alpenrosengerank und ein Stampftanz von Burschen und Dirndln. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders.: Gesammelte Werke in Einzelbänden. Bd. 6. Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 724]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Dirne · Dirndl · Dirndlkleid
Dirne f. ‘Prostituierte’, landschaftlich ‘junges Mädchen’, ahd. thiorna ‘Mädchen, Jungfrau, Dienerin’ (8. Jh.), mhd. dierne, dirne ‘Dienerin, (Bauern)magd, Mädchen’, asächs. thiorna ‘Jungfrau, Mädchen’, mnd. dērne ‘Unfreie, Dienerin, Magd, Mädchen, Jungfrau’, mnl. dierne, deerne, nl. deern, anord. (aus dem Mnd.) þerna ‘Dienstmädchen’. Die Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Karg-Gasterstädt in: PBB 66 (1942) 308 ff. führt die Formen zurück auf germ. *þewernō, die fem. Gegenbildung zu germ. *þegnaz, woraus ahd. asächs. thegan ‘Krieger, Gefolgsmann, Anhänger’, ursprünglich wohl ‘männliches Kind’ (s. Degen1). Das würde für das Germ. eine Wurzelvariante ie. *teku̯- neben ie. *tek- ‘gebären, zeugen’ voraussetzen. Nowicki in: ZfdA 106 (1977) 85 ff. schlägt vor, Dirne mit mhd. diehter, tiehter ‘Enkelkind’ zur sonst allerdings nur im Indoiran. bezeugten Wurzel ie. *teuk- ‘Keim, Same, Nachkommenschaft’ zu stellen. Die germ. Ausgangsform für Dirne wäre dann germ. *þeuχranō. Die Bedeutung ‘Prostituierte’ aus ‘Magd, Mädchen aus niederen sozialen Verhältnissen’ ist seit der Mitte des 15. Jhs. nachzuweisen. Dazu das Deminutivum Dirndl n. ‘junges Mädchen’, vgl. bair. dyerndl (15. Jh.), ‘die jüngste (und letzte) Dienstmagd auf einem Bauernhof’ (18. Jh.), südd. auch ‘Trachtenkleid’, verkürzt aus Dirndlkleid n. (1. Hälfte 20. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›Dirndl‹, ›Deandl‹, ›Dirndel‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dirndl‹.

Zitationshilfe
„Dirndl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dirndl#1>, abgerufen am 17.01.2022.

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Dirndl, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dirndl · Nominativ Plural: Dirndln
Aussprache [ˈdɪʁndl̩]
Wortbildung  mit ›Dirndl‹ als Erstglied: Dirndlschnaps
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

meist A Frucht der Kornelkirsche
Beispiele:
Die Frucht der Kornelkirsche wird Dirndl genannt. [Fränkischer Tag, 01.09.2020]
Die Kornelkirsche blüht – ein Farbtupfer im Garten, der im Spätsommer auch Früchte trägt: Dirndln im Garten. [Kornelkirsche (Cornus mas) blüht, 08.03.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Neben Hibiskus und Holunderblüte finden sich darin [in dem Erfrischungsgetränk] auch Dirndln (Kornelkirschen) und die Essenz von Grünem Kaffee, den Renz bei einem Auslandsauftenhalt in Bahrain kennengelernt hat. [Der Standard, 20.02.2016]
[…] allerhand köstliche Säfte aus Dirndln und anderen Früchtchen gibt es ebenso wie die herrlichen Sughi, Chutneys und Marmeladen von W[…] selbst. [Der Standard, 27.03.2010]
Aus Quitten, Äpfeln, Birnen, Waldbeeren entstehen die edelsten Tropfen – doch eine Spezialität[…] fehlt doch noch im Sortiment: der Dirndlschnaps. Der ist tatsächlich fast nicht mehr aufzutreiben und scheint aus der Mode gekommen. Aber das ändert sich gerade wieder, denn die Dirndl, zu Deutsch Kornelkirsche genannt, erlebt eine Art kleine Renaissance. [Der Standard, 07.03.2008]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Dirndl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dirndl#2>, abgerufen am 17.01.2022.

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