Dissemination, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dissemination · Nominativ Plural: Disseminationen · Verwendung im Plural ungebräuchlich
Aussprache [dɪseːminaˈʦi̯oːn]
Worttrennung Dis-se-mi-na-ti-on
Herkunft zu dissēminātiōlat ‘Aussat, Streuung, Verbreitung’, Verbalsubstantiv zu dis‑sēminārelat ‘ausäen’ (sēmen ‘Same’), übertragen ‘ausstreuen, verbreiten’
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Wissenschaft Verbreitung, vor allem von Informationen in der Öffentlichkeit
Beispiele:
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit steuert 465.000 Franken bei. Das Geld aus Bern dient einerseits einzelnen Teilprojekten, anderseits der sogenannten Dissemination: Die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Zürich sollen auch in anderen Städten […] verwendet werden. [Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2002]
Ein zentrales Anliegen ist Prof. Jörg M. Fegert die Bildung von Strukturen zum Wissenstransfer, zur Dissemination von Forschungsergebnissen und zur Verstetigung von Projekten. [Versorgungsforschung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, 16.09.2020, aufgerufen am 18.09.2020]
Der Einblick in die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen legt […] den Grundstein für eine überinstitutionelle Zusammenarbeit, für ein Miteinander […], das »die Generierung neuen Wissens […] sowie die Dissemination dieses Wissens […]« […] umfasst. [GMW 2016, 18.08.2016, aufgerufen am 14.09.2018]
Gegenstand der Bewertung waren unter anderem der Zielerreichungsgrad, die Zusammenarbeit im Projekt‑Konsortium, aber auch die Dissemination der Projektergebnisse. [Das Projekt ProInterNet, 08.10.2015, aufgerufen am 15.09.2018]
[Das internationle Forschungsprojekt] Nopoor ist zwar ein dezidiert wissenschaftliches Projekt – kein Cent fließt in Entwicklungsprojekte –, doch was es von anderen Forschungsprojekten unterscheidet, ist das starke Bemühen, wissenschaftliche Ergebnisse nach außen zu tragen und auch in die Politik einzubringen. Im EU‑Fachjargon wird das als »Dissemination« bezeichnet. [Der Standard, 03.09.2013]
Pädagogik Dissemination (lat. disseminare verbreiten; engl. dissemination). Der Begriff aus der Curriculumforschung und ‑entwicklung bezeichnet bestimmte Vorgänge und Probleme bei der Verbreitung eines fertigen Curriculums. [Schaub, Horst / Zenke, Karl G.: Dissemination. In: dtv-Wörterbuch Pädagogik. Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1995], S. 621]
Die ersten vier Arbeitspakete [eines internationalen EU-Forschungsprogramms] sind mit den Disseminationen, Evaluationen und Integrationen in nationale Politik beschäftigt. [Welche Perspektiven bietet Europa für die Onkologie?, 24.06.2020, aufgerufen am 18.09.2020] ungewöhnl. Pl.
2.
Medizin von einem Krankheitsherd ausgehende Streuung (1) von Krankheitserregern, Tumorzellen in einem Organ oder im gesamten Organismus
Beispiele:
Wenn die Diagnose einer MS (= Multiple Sklerose) bei der ersten klinischen Manifestation (noch) nicht möglich ist, weil beim Patienten in der Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) bisher keine räumliche und zeitliche Dissemination […] nachweisbar ist, spricht man vom klinisch isolierten Syndrom (KIS) (5). [Multiple Sklerose: Was ist neu in der Therapie?, 28.11.2021, aufgerufen am 29.11.2021]
Dissemination[:] […] herdförmige Ausstreuung eines krankhaften Prozesses (z. B. von Krebszellen bei Metastasierung). [Spektrum.de – Lexikon der Biologie, aufgerufen am 18.10.2018]
Die mittlere Tumordicke lag bei 8,4 (5–12) mm. […] Es gab keinen Fall von Endophthalmitis, orbitaler Dissemination, Lokalrezidiv oder rhegmatogener Netzhautablösung. [TUMOR Paris, 04.05.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Die Absiedelung der Erreger ins Mediastinum erfolgt meist über den Blutstrom (hämatogene Dissemination). [Aktuelles aus Wissenschaft und Gesellschaft, 01.05.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Eine einzelne Zelle enthält nur sechs Billionstel Gramm – viel zu wenig für aufwändige Analysen. Tumorzellen sind genetisch sehr instabil. Mit dem Vergleich der kleinen Veränderungen im Erbgut lässt sich analysieren, zu welchem Grad Tumore und Mikrometastasen verwandt sind. Und es lässt sich untersuchen, welche genetischen Abweichungen mit der Dissemination und mit dem Fortschreiten der Krebserkrankung einhergehen. [Süddeutsche Zeitung, 31.05.2001]
3.
Philosophie Zerstreuung, Fragmentierung
Beispiele:
Es ist zu befürchten, dass die Marginalisierung der Psychoanalyse im intellektuellen Feld heute ein Hinderungsgrund für eine anspruchsvolle Lektüre des Essays ist. Das Polymorphe und Polyzentrische als geistige Gestalt haben andere Theoretiker damals in den Denkfiguren der Dissemination (Derrida), des Polylogischen (Kristeva) oder des Rhizoms (Deleuze/Guattari) entfaltet. [Der Gebrauch der Lüste in der Literatur und darüber hinaus, 09.02.2021, aufgerufen am 26.02.2022]
Er [der Komponist] verfremdet, so war zu verstehen, zitiert Passagen, collagiert sie und betont die Bruchstellen, ignoriert dabei aber die Tatsache, dass Musik nur mittelbar semantisch zu befrachten, Dissemination im Sinne der Dekonstruktion also gar nicht möglich ist. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2000]
Levinas […] will eine potentielle Unendlichkeit der Interpretation oder avantgardistische »Dissemination« ebenso vermeiden wie eine sklavische Buchstabentreue: Ziel ist die Wiedergewinnung einer lebendigen Lehre und daran anschließend die Aktualisierung durch Umsetzung in eine moderne Sprache und durch Hervorhebung der »universalen Gesichtspunkte«. [Süddeutsche Zeitung, 05.12.1998]
Es ist eine Illusion, zu glauben, daß mit dem Fall der Mauer die Teilung eliminiert sei. Als Negation schreibt sie sich vielmehr um so unheimlicher, differenter fort. Fragmente: Das, was die »Mauerspechte« erbeuteten, […] weist auf die Dissemination der Differenz, ihre Explosion, Zerstückelung. [die tageszeitung, 03.08.1990]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Ausbreitung · Streuung · Verbreitung · Verteilung  ●  Dissemination  fachspr.
Zitationshilfe
„Dissemination“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dissemination>.

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