Dissens, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dissenses/Dissens · Nominativ Plural: Dissense · wird meist im Singular verwendet
Aussprache[diˈsɛns]
WorttrennungDis-sens
HerkunftLatein
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2019

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich Meinungsverschiedenheit in Bezug auf bestimmte Fragen o. Ä.
Gegenwort zu Konsens (1)
Beispiele:
Das Beste an dieser Berlinale war wohl ihr hoher Gehalt an Filmen, die Dissens und Diskussionen auslösten, und am stärksten gingen die Meinungen auseinander über Peter Greenaways grellen, hochkomischen und inszenatorisch einfallsreichen Film »Eisenstein in Guanajuato«. [Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2015]
Dabei gibt es über die zentralen Probleme keinen Dissens: Arbeitslosigkeit, niedriges Leistungsniveau der Schüler, Wegzüge aus ländlichen Regionen, Überschuldung. [Berliner Zeitung, 17.01.2005]
Übereinstimmen müssen die Bürger nur darin, daß sie nicht übereinstimmen; daß sie einander also das Recht auf Differenz und Dissens zuerkennen. [Frankfurter Rundschau, 15.10.1997]
Zwar besteht über die Notwendigkeit einer Bodenrechtsreform zwischen den Parteien des deutschen Bundestages kein Dissens; damit aber ist die Liste der »Gemeinsamkeiten« schon abgehakt. [Die Zeit, 06.10.1972, Nr. 40]
Unter dem Druck[…] einen gesellschaftlichen Konsens herzustellen, werden immer mehr Dissense freigesetzt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2001] ungewöhnl. Pl.
2.
Widerspruch gegen eine bestimmte Meinung, Parteilinie o. Ä.Quelle: DWDS, 2018
Beispiele:
In der anschliessenden Aussprache gab es durchaus kritische und skeptische Delegierte, die der Partei zu viel Harmonie und zu wenig offenen Dissens vorwarfen. [Neue Zürcher Zeitung, 06.12.2016]
Tatsächlich ist die große Harmonie auf der Regierungsseite genauso trügerisch wie der lautstarke Dissens der Opposition. [Frankfurter Rundschau, 19.12.2000]
Der Mensch liebt Anpassung statt Widerspruch, mag Harmonie statt Dissens, liebt Sicherheit und Klarheit über die Lebensperspektive. [Berliner Zeitung, 04.05.1995]
Die Diskussion unserer Partei zeigt große Zustimmung für die Linie des Zentralkomitees. Es gibt allerdings auch Stimmen, die Dissens, Zweifel und Vorbehalt äußern. [Der Spiegel, 01.03.1982, Nr. 9]
übertragen »Es ist ein Stück über Intensitäten. Über den Dissens zwischen unserem geistigen und unserem körperlichen Leben, zwischen Sex und Spiritualität«, erläutert Jones. [Süddeutsche Zeitung, 25.02.1998]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Konsens · Dissens
Konsens m. ‘Einwilligung, Zustimmung’. Das seit dem 15. Jh. (vgl. consensbrief ‘Einwilligungsurkunde’, Frankfurt 1411, sowie mnd. consens, consent) bezeugte Substantiv gehört anfangs der Kanzleisprache an, gilt dann besonders für die bei der Obrigkeit einzuholende ‘Erlaubnis zur Eheschließung’. Es ist aus lat. cōnsēnsus ‘Übereinstimmung, Einstimmigkeit’ entlehnt, einer Bildung zu lat. cōnsentīre (cōnsēnsum) ‘übereinstimmen, übereinkommen, einwilligen’ (spätlat. cōnsēnsum esse ‘einverstanden sein’); vgl. lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, Einsicht haben, meinen, denken’. Heutiger Gebrauch im Sinne von ‘Übereinstimmung der Meinungen, Einigkeit’ knüpft erneut an das lat. Vorbild an. Dissens m. ‘Meinungsverschiedenheit, Streit’, entlehnt (17. Jh.) aus gleichbed. lat. dissēnsus m., zu lat. dissentīre ‘verschiedener Meinung sein, im Widerspruch stehen’, lat. sentīre (s. oben) und ↗dis-.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hader · ↗Nichtübereinstimmung · ↗Uneinigkeit · ↗Zwietracht  ●  Dissens  geh. · ↗Missstimmung  geh.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
Kontroverse  ●  ↗Meinungsverschiedenheit  Hauptform · Dissens  geh.
Synonymgruppe
Differenzen · Meinungsverschiedenheiten · Unstimmigkeiten  ●  Dissens  geh.
Assoziationen
Zitationshilfe
„Dissens“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dissens>, abgerufen am 22.11.2019.

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