Distanzierung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Distanzierung · Nominativ Plural: Distanzierungen
Aussprache  [dɪstanˈʦiːʀʊŋ]
Worttrennung Di-stan-zie-rung · Dis-tan-zie-rung
Wortzerlegung distanzieren-ung
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
das Herstellen eines räumlichen Abstands, vor allem zu anderen Personen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: räumliche, soziale Distanzierung
Beispiele:
Wer seinen Nächsten liebt, der bleibt ihm jetzt fern. Jedenfalls körperlich. Das meinen ja die Virologen mit Distanzierung. Ganz wörtlich: Keine überflüssige Nähe, keine Berührungen. Keine großen Menschenansammlungen. [Nächstenliebe in Zeiten von Corona, 18.03.2020, aufgerufen am 24.03.2020]
Diese [5 gängigsten Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung der Corona-Pandemie] sind: Isolation von Infizierten für sieben Tage in deren Zuhause, freiwillige Quarantäne aller im Haushalt eines/r Infizierten lebenden Personen für 14 Tage, soziale Distanzierung der über 70‑Jährigen, soziale Distanzierung der gesamten Bevölkerung sowie Schließung von Schulen und Universitäten. [»Durchseuchung« oder »totale soziale Distanzierung«?, 19.03.2020, aufgerufen am 24.03.2020]
Von den friedlichen Neonazi‑Gegnern erwartet die Polizei eine »umgehende räumliche Distanzierung« zu den Gewalttätern. »Es kann nicht angehen, dass steinewerfende Chaoten inmitten des vermeintlich friedlichen Protests agieren können und dort Schutz durch Masse erfahren«, stellte L[…] klar. [Leipziger Volkszeitung, 14.03.2017]
Über die räumliche Distanzierung der Restauratorenwerkstätten, die zukünftig unterirdisch vom neuen Museum aus erreicht werden sollen, ist, so hört man, nicht jeder im Hause glücklich. [Süddeutsche Zeitung, 22.08.2000]
Die räumliche Distanzierung ist für die Eltern meist schwerer als für die Kinder, da mit dem Erwachsenwerden ihrer Kinder gleichzeitig ein Teil ihrer Jugend zur Vergangenheit wird. [Die Zeit, 20.04.1979, Nr. 17]
2.
übertragen das Entstehen oder Herstellen eines innerlichen (emotionalen) Abstands, vor allem zu einem Geschehen, Erzählten oder einer bisher nahestehenden Person
Beispiele:
Die zunehmende emotionale Distanzierung des Spielers von Ehepartnerin und Freunden treibt ihn in die Isolation. [Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2001]
In wesentlichen Bereichen besteht aber zwischen den beiden Generationen eine hohe Einheit der Wertorientierungen. Von einer Distanzierung der Jugendlichen von ihren Eltern kann also weder hinsichtlich der gefühlsmäßigen Bindung noch bezüglich der Wertorientierungen die Rede sein. [Berliner Zeitung, 19.11.1977]
Das muss man schon durchhalten, denn der Autor erlaubt sich und dem Leser keine Distanzierung durch den erläuternden Kommentar oder die erklärende Sentenz. [Die Welt, 23.11.2002]
Die Einführung der Figur des Dichters, die damit verbundene Distanzierung und inhaltliche Brechung, ist ein Kunstmittel, das auf Pirandellos moderne Kunst des Wechsels zwischen Schein und Wirklichkeit vorausweist. [Fath, Rolf: Werke – T. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 2597 [1998]]
Wenn […] ein im Abschluß der Pubertät stehender junger Mann von seinen Freundinnen und Freunden, von deren verwickelten und doch rührend begrenzten Beziehungen, wenn er mithin von der Liebe als dem einzigen großen Thema jener […] Lebensjahre redet, dann bleiben dem Leser normalerweise nur zwei Haltungen: ergriffene Identifikation oder (amüsierte/ärgerliche) Distanzierung. [Süddeutsche Zeitung, 14.07.1993]
3.
bildungssprachlich Vorgang, deutlich zu zeigen oder auszudrücken, dass man mit jmdm., etw. nichts (mehr) zu tun haben will, eine Meinung nicht (mehr) teilt oder eine Tat bereut, eine Äußerung zurücknimmt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine eindeutige, halbherzige, ironische, klare, unmissverständliche Distanzierung
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Distanzierung von Äußerungen, von einem Gedankengut, von Gewalttätern, vom Nationalsozialismus
als Prädikativ: etw. als Distanzierung interpretieren, verstehen, werten
Beispiele:
Ohne klare Distanzierung vom Faschismus sei es »nicht möglich, Abgeordneter in diesem Land zu bleiben«. [Allgemeine Zeitung, 13.11.2019]
Statt den Vorfall zu melden[…], schenkte er den wortreichen Distanzierungen seines Schützlings Glauben: Er beließ es bei einer schriftlichen Belehrung, die keinen Eingang in die Personalakte fand. [Die Welt, 02.05.2017]
Es ist also im Großen und Ganzen ein Tabu, dass auch in der migrantischen Bevölkerung sozial und historisch begründete Vorurteile vorhanden sind, die gravierende Konflikte oder soziale Distanzierungen verursachen können. [Der Standard, 18.09.2012]
Mit wütender Distanzierung und archaischem Zorn schont Anne W[…] weder sich noch die Leser: »Wie ich euch hasse, Freunde und Kollegen. Euch zu sehen, verursacht mir Brechreiz.« [Rhein-Zeitung, 20.08.2007]
Ich denke dabei an den empörenden Nachruf [auf den ermordeten Generalbundesanwalt Siegfried Buback], der immer wieder, teils mit eindeutiger, teils mit halbherziger, teils aber auch ohne jede Distanzierung oder sogar mit Bekundungen der Sympathie [für die Mörder], nachgedruckt worden ist. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975–1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 96]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Abkehr · Distanzierung · ↗Sinneswandel  ●  ↗Kurswechsel (Politik)  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Distanzierung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Distanzierung‹.

Zitationshilfe
„Distanzierung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Distanzierung>, abgerufen am 03.03.2021.

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