Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Doktor, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Doktors · Nominativ Plural: Doktoren
Abkürzung Dr.
Aussprache 
Worttrennung Dok-tor
Wortbildung  mit ›Doktor‹ als Erstglied: Doktorarbeit · Doktordiplom · Doktorexamen · Doktorfrage · Doktorgrad · Doktorhut · Doktorin · Doktoringenieur · Doktorjubiläum · Doktormutter · Doktorprüfung · Doktorschmaus · Doktorschrift · Doktortitel · Doktorvater · Doktorwürde · Dr.-Ing. · doktorieren
 ·  mit ›Doktor‹ als Letztglied: Ehrendoktor · Feld-Wald-und-Wiesen-Doktor · Fernsehdoktor · Kräuterdoktor · Pferdedoktor · Puppendoktor · Viehdoktor · Wunderdoktor · Wurmdoktor
Herkunft aus doctorlat ‘Lehrer, Lehrmeister’ < docērelat ‘lehren, unterrichten’
eWDG

Bedeutungen

1.
akademischer Grad
a)
der durch den Dekan einer Fakultät nach Annahme einer wissenschaftlichen Arbeit und erfolgreicher mündlicher Prüfung verliehen wird
Beispiele:
jmdn. zum Doktor promovieren
zum Doktor promoviert werden
jmdn. mit Doktor anreden
den, seinen Doktor machen (= den Doktorgrad erwerben)
saloppden, seinen Doktor bauen (= den Doktorgrad erwerben)
den akademischen Grad des Doktors erwerben, besitzen
Heiße Magister, heiße Doktor gar [ GoetheFaustI 360]
Titel
Beispiele:
Doktor der Ingenieurwissenschaften
Doktor des Rechts
Doktor der Medizin
Doktor der Zahnmedizin
Doktor der Veterinärmedizin
Doktor der Philosophie
Doktor der Staatswissenschaften
Doktor der Theologie
habilitierter Doktor
b)
der ehrenhalber, ohne Prüfung, an verdiente Personen verliehen wird
Beispiele:
dem berühmten Schriftsteller wurde der Grad eines Doktors ehrenhalber verliehen
dem berühmten Schriftsteller wurde der Grad eines Doktors honoris causa verliehen
den Doktor ehrenhalber der theologischen Fakultät erhalten
2.
Inhaber des Doktorgrades
Beispiele:
ein junger Doktor
umgangssprachlichein neugebackener Doktor
ich möchte bitte Herrn Doktor Müller sprechen
Frau Doktor ist zurzeit im Ausland
mehrere Doktoren sprachen in der Diskussion
3.
umgangssprachlich Arzt
Beispiele:
den Doktor rufen, holen, kommen lassen
jmd. verlangt nach dem Doktor
Kindersprachezum Onkel Doktor gehen
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Doktor · Doktorand
Doktor m. akademischer Grad und Titel. Lat. doctor ‘Lehrer, Lehrmeister’, Nomen agentis zu lat. docēre (doctum) ‘lehren, unterrichten’, begegnet bereits seit dem 12. Jh. als akademischer Grad (zuweilen mit Nennung des Faches bzw. der Fakultät, mlat. doctor medicinae, theologiae, heute Doktor der Medizin, Theologie), von dessen Erlangung das Recht der Lehrtätigkeit an Universitäten abhängt. Im 14. Jh. ins Dt. übernommen in den Bedeutungen ‘Lehrer’, besonders ‘Universitätslehrer’, und zur Bezeichnung des akademischen Grades, der allmählich zum bloßen Titel nach besonderer Prüfung wird. Daher gewinnt im 16. Jh. die Bezeichnung Professor (s. d.) die allgemeine Bedeutung ‘Hochschullehrer’. In der 2. Hälfte des 15. Jhs. wird Doktor zugleich Berufsbezeichnung für den Arzt. Diese Entwicklung wird möglich, weil der Doktor der Medizin als praktizierender Arzt häufig aus dem Lehrbetrieb der Universität ausscheidet und im außerakademischen Bereich sich die Nennung der Fakultät erübrigt. Zeitweise bezeichnet Doktor den Internisten mit Hochschulstudium im Gegensatz zu ungelehrten Pfuschern und Quacksalbern. In den Mundarten und der Alltagssprache noch heute üblich für ‘Arzt’. – Doktorand m. ‘wer für die Erlangung des akademischen Grades arbeitet’; in den ältesten (16. Jh.) Belegen Doctorant, einem lat. Part. Präs. entsprechend, und Doctorand, dem Gerundivum mlat. doctorandus ‘wem die Würde eines Doktors zu verleihen ist’ folgend, zu mlat. doctorare ‘die Doktorwürde verleihen, erlangen’. Im allgemeinen Sprachbewußtsein ist die passivische Bedeutung der Bildung auf -and verlorengegangen; sie wird durch die ursprünglich nur der Form auf -ant zukommende aktivische ersetzt. Noch das 19. Jh. kennt beide Formen.

Thesaurus

Medizin
Synonymgruppe
(der) Herr Doktor (respektvoll)  männl. · (die) Frau Doktor  weibl. · Arzt  männl. · Doktor  männl. · Doktorin  weibl. · Halbgöttin in Weiß  weibl., scherzhaft · Heilkundiger  männl. · Heilkünstler  ironisierend · Medicus  lat. · Mediziner  männl. · Medizinerin  weibl. · Ärztin  weibl. · (der) Onkel Doktor  ugs., Kindersprache, männl. · Doc  ugs., engl. · Halbgott in Weiß  ugs., männl., scherzhaft · Humanmediziner  fachspr. · Medikus  geh. · Weißkittel  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Doktor · Doktorgrad · Doktortitel · höchster akademischer Grad · promoviert  ●  Dr.  Abkürzung
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Doktor der Philosophie  ●  Doctor philosophiae lat. · Dr. phil. Abkürzung
  • Doktor des Zivilrechts  ●  Doctor juris lat. · Dr. jur. Abkürzung
  • Doktor der Medizin  ●  Dr. med. Abkürzung
  • Doktor der Naturwissenschaften  ●  Doctor rerum naturalium lat. · Dr. rer. nat. Abkürzung
  • Doktor der Stomatologie · Doktor der Zahnmedizin
  • Doktor der Rechte · Doktor der Rechtswissenschaft · Doktor der Rechtswissenschaften · Doktor des Rechts  ●  Dr. iur. Abkürzung · Dr. jur. Abkürzung
  • Doktor der Ingenieurwissenschaften · Doktor-Ingenieur · Doktoringenieur  ●  Dr.-Ing. Abkürzung
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Doktor‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Doktor‹.

Verwendungsbeispiele für ›Doktor‹, ›Dr.‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie gern hätte ich dem fremden Doktor meine Not erzählt. [Knop, Jürgen: Im Irrenhaus. In: Klee, Ernst (Hg.), Behinderten-Report, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 65]
Frau Doktor Mai war diese fremde Person, in deren Haus sie gelebt hatte, früher, vor langer Zeit. [Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 154]
Dr. M. ist mit meiner »Lösung« bei Irma so wenig einverstanden wie Irma selbst. [Freud, Sigmund: Die Traumdeutung, Leipzig u. a.: Deuticke 1914 [1900], S. 81]
Dr. Schön hat Lulus Ehe mit dem Maler eingefädelt, der als Künstler nun bedeutende Erfolge verzeichnen kann. [Fath, Rolf: Werke – L. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 26045]
Einige Dozenten hatten nicht einmal einen Doktor vor dem Namen. [Die Zeit, 17.02.2000, Nr. 8]
Zitationshilfe
„Doktor“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Doktor>.

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