Doppelmoral, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Doppelmoral · Nominativ Plural: Doppelmoralen · wird selten im Plural verwendet
Worttrennung Dop-pel-mo-ral
Wortzerlegung doppel-Moral
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutung

abwertend Moral, die gleiches Verhalten (unbegründet, aus Eigennutz) nach zwei unterschiedlichen sittlichen Grundsätzen oder Bewertungsmaßstäben beurteilt
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine verlogene, heuchlerische, scheinheilige Doppelmoral; die bürgerliche, westliche, politische Doppelmoral; eine unerträgliche, unglaubliche Doppelmoral
mit Genitivattribut: die Doppelmoral des Westens, der Gesellschaft, der Kirche
in Koordination: Heuchelei, Scheinheiligkeit, Verlogenheit, Prüderie und Doppelmoral
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Doppelmoral im Umgang mit etw.
als Akkusativobjekt: jmdm. Doppelmoral vorwerfen; die Doppelmoral entlarven, kritisieren, beklagen, geißeln
als Genitivattribut: der Vorwurf der Doppelmoral
Beispiele:
Er […] echauffiert sich über die Doppelmoral einiger EU‑Staaten, die zwar mit niedrigen Unternehmenssteuern internationale Konzerne anlockten – und sich doch über Steuerflüchtlinge aufregten. [Die Zeit, 20.08.2013 (online)]
Immer wieder machten […] Kritiker die »westliche Doppelmoral« […] am Beispiel Saudi‑Arabiens fest. Amerika verurteile Menschenrechtsverletzungen und Terrorismus bei jenen Ländern, die ihm politisch nicht wohlgesinnt seien, enthalte sich aber der Kritik bei den nützlichen […] Verbündeten, so auch bei Saudi‑Arabien[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2002]
Es müssen dringend soziale und ökologische Mindeststandards [weltweit] eingeführt werden. Nicht aus protektionistischer Absicht, sondern um die europäische Doppelmoral zu überwinden, daß für Menschen in anderen Ländern nicht gilt, was Europa als Menschenwürde definiert […]. [Beck, Ulrich, Was ist Globalisierung?, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997, S. 263]
[Es] Kommt hinzu, daß besonders der intelligente Jugendliche ein feines Gefühl hat für die Unaufrichtigkeiten in der Erwachsenenwelt. Die klägliche Doppelmoral, die ihm ringsum begegnet, stößt ihn ab. [Schmidt-Rogge, Carl H., Dein Kind – Dein Partner, München: List 1969, S. 436]
Die Doppelmoral gibt dem Manne alle sexuellen Rechte, der Frau nur drei Chancen: die Ehe, das Zölibat oder die Prostitution. [Meisel-Hess, Die sexuelle Krise, Jena: Diederichs 1909, S. 49071]
Die Erzieher selbst umgeben oft die Kinder mit einer Scheinwirklichkeit aus Lügen und Drohungen, Vortäuschungen und Doppelmoralen. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983] ungewöhnl. Pl.

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
  • Doppelmoral · Doppelstandard · mit zweierlei Maß messen
Synonymgruppe
Doppelmoral · Doppelstandard · mit zweierlei Maß messen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Doppelmoral‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Doppelmoral‹.

Zitationshilfe
„Doppelmoral“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Doppelmoral>, abgerufen am 03.12.2020.

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