Doppelmoral, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Doppelmoral · Nominativ Plural: Doppelmoralen · wird selten im Plural verwendet
WorttrennungDop-pel-mo-ral
Wortzerlegungdoppel-Moral
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutung

abwertend Moral, die gleiches Verhalten (unbegründet, aus Eigennutz) nach zwei unterschiedlichen sittlichen Grundsätzen oder Bewertungsmaßstäben beurteilt
Beispiele:
Er […] echauffiert sich über die Doppelmoral einiger EU-Staaten, die zwar mit niedrigen Unternehmenssteuern internationale Konzerne anlockten – und sich doch über Steuerflüchtlinge aufregten. [Die Zeit, 20.08.2013 (online)]
Immer wieder machten […] Kritiker die »westliche Doppelmoral« […] am Beispiel Saudi-Arabiens fest. Amerika verurteile Menschenrechtsverletzungen und Terrorismus bei jenen Ländern, die ihm politisch nicht wohlgesinnt seien, enthalte sich aber der Kritik bei den nützlichen […] Verbündeten, so auch bei Saudi-Arabien[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2002]
Es müssen dringend soziale und ökologische Mindeststandards [weltweit] eingeführt werden. Nicht aus protektionistischer Absicht, sondern um die europäische Doppelmoral zu überwinden, daß für Menschen in anderen Ländern nicht gilt, was Europa als Menschenwürde definiert […]. [Beck, Ulrich, Was ist Globalisierung?, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997, S. 263]
[Es] Kommt hinzu, daß besonders der intelligente Jugendliche ein feines Gefühl hat für die Unaufrichtigkeiten in der Erwachsenenwelt. Die klägliche Doppelmoral, die ihm ringsum begegnet, stößt ihn ab. [Schmidt-Rogge, Carl H., Dein Kind – Dein Partner, München: List 1969, S. 436]
Die Doppelmoral gibt dem Manne alle sexuellen Rechte, der Frau nur drei Chancen: die Ehe, das Zölibat oder die Prostitution. [Meisel-Hess, Die sexuelle Krise, Jena: Diederichs 1909, S. 49071]
Die Erzieher selbst umgeben oft die Kinder mit einer Scheinwirklichkeit aus Lügen und Drohungen, Vortäuschungen und Doppelmoralen. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine verlogene, heuchlerische, scheinheilige Doppelmoral; die bürgerliche, westliche, politische Doppelmoral; eine unerträgliche, unglaubliche Doppelmoral
mit Genitivattribut: die Doppelmoral des Westens, der Gesellschaft, der Kirche
in Koordination: Heuchelei, Scheinheiligkeit, Verlogenheit, Prüderie und Doppelmoral
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Doppelmoral im Umgang mit etw.
als Akkusativobjekt: jmdm. Doppelmoral vorwerfen; die Doppelmoral entlarven, kritisieren, beklagen, geißeln
als Genitivattribut: der Vorwurf der Doppelmoral

Thesaurus

Synonymgruppe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bürgertum Heuchelei Moral Oberflächlichkeit Prüderie Scheinheiligkeit Verlogenheit Vorwurf Westen alltäglich anprangern aufdecken beklagen bürgerlich entlarven geißeln gelebt hassen herrschend heuchlerisch männlich offenbaren sexuell unerträglich unglaublich verbreitet verlogen vorwerfen zeugen zynisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Doppelmoral‹.

Zitationshilfe
„Doppelmoral“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Doppelmoral>, abgerufen am 09.12.2019.

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