Drückeberger, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Drückebergers · Nominativ Plural: Drückeberger
Aussprache 
Worttrennung Drü-cke-ber-ger
Wortbildung  mit ›Drückeberger‹ als Erstglied: Drückebergerei · drückebergerisch
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich jmd., der sich aus Faulheit, Angst vor einer Aufgabe drückt
Beispiele:
er ist ein richtiger, ganz schöner Drückeberger
Du Drückeberger! Du bleibst hier, und ich, ein Familienvater, muß raus [ RemarqueZeit zu leben206]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

drücken · Drückeberger · Druck2 · eindrücken · Eindruck · Drücker · ausdrücken · Ausdruck · ausdrücklich · bedrücken · unterdrücken · Unterdrückung · Unterdrücker
drücken Vb. ‘pressen, belasten, bedrängen’. Bis ins 17. Jh. daneben gleichbed. umlautloses obd. drucken (s. d.). Ahd. thrucken ‘pressen, bedrücken, quälen, bedrängen’ (9. Jh.), mhd. drücken, drucken ‘(be)drängen, pressen, auspressen, sich drängen’, mnd. drücken, mnl. drucken, nl. drukken, aengl. þryccan ‘zerdrücken, drängen, beleidigen, unterdrücken’, schwed. trycka ‘drücken, drucken’ sind Intensivbildungen (germ. *þrukkjan) zu einer Weiterbildung der Verbalwurzel germ. *þrūg-, die innerhalb des Germ. auch in anord. þrūga ‘drohen, unterdrücken, nötigen’ überliefert ist. Mit verwandtem lit. trū́kti ‘entzweireißen, zerspringen, bersten’ stellen sich die germ. Formen zu ie. *treuk-, *trū̌k-, einer zweifachen Erweiterung der Wurzel ie. *ter(ə)- ‘reiben, drehend reiben’, auf die auch drehen und drohen zurückgehen (s. d.). Drückeberger m. ‘wer sich heimlich (vor einer Arbeit) davonmacht, eine Aufgabe nicht übernimmt’ (19. Jh.), scherzhafte Bildung nach dem Typ der Herkunftsnamen auf -berger (vgl. Perleberger ‘einer aus Perleberg’, s. auch Schlauberger), zu sich drücken ‘sich heimlich davonmachen’ (13. Jh.). Druck2 m. ‘das Drücken, Zwang, Belastung’, modern als technischer Terminus in Luft-, Wasser-, Überdruck u. a.; ahd. thruc ‘Druck, Einwirkung’ (um 1000), mhd. druc ‘Druck, feindliches Zusammenstoßen’. eindrücken Vb. ‘eine Spur hinterlassen, einprägen, durch Druck zerstören’, ahd. inthrucken ‘etw. mit Druck einprägen, aufdrücken’ (Hs. 12. Jh.), mhd. īndrucken; für geistige Beeinflussung und Wirkung ist heute beeindrucken üblich (seit etwa 1900). Daraus rückgebildet Eindruck m. ‘Druckspur, Einwirkung auf Fühlen und Denken’, mhd. īndruc ‘Empfindung, nachhaltige Wirkung’, bei den Mystikern gebräuchlich, danach häufig seit dem 18. Jh. (einen guten, tiefen Eindruck ‘Wirkung’ machen, hinterlassen). Drücker m. ‘mechanische Vorrichtung, Handhabe zur Ausübung von Druck’ (17. Jh.), dann ‘Bedienungsknopf zur Herstellung eines elektrischen Kontaktes’; vgl. dagegen mhd. drücker ‘Unterdrücker’, so noch im 19. Jh., dann abgelöst von Unterdrücker (s. unten). ausdrücken Vb. ‘auspressen, (in Worten) darstellen’, mhd. ūʒdrücken ‘auspressen’; seit dem 15. Jh. ‘in Worte fassen, aussprechen’ (Luther: mit ausgedruckten Worten für lat. expressis verbis); im 16. Jh. wird das Part. Prät. ausgedruckt häufig für heutiges ausdrücklich (s. unten) verwendet. Das 18. Jh. verbindet ausdrücken (und Ausdruck) mit dem Sichtbarwerden von Gefühl und seelischer Reaktion und bezieht es auf künstlerische Gestaltung und Formgebung. Ausdruck m. ‘äußerliches Zeichen inneren Geschehens, Erlebens’, spätmhd. ūʒdruc, seit dem 18. Jh. ‘die Art zu sprechen’, auch ‘Redensart, Wort, (künstlerische) Gestaltung’. ausdrücklich Adj. ‘betont, deutlich, klar’ (16. Jh.). bedrücken Vb. ‘belasten’, ahd. bithrucken ‘schänden, niederdrücken, unterdrücken’ (10. Jh.), mhd. bedrücken ‘niederdrücken, überwältigen’. unterdrücken Vb. ‘niederhalten, unterjochen, gewaltsam beherrschen’, mhd. underdrücken ‘nach unten drücken, unterjochen, unterwerfen’; Unterdrückung f. ‘Unterwerfung, (gewaltsame) Beherrschung’ (15. Jh.); Unterdrücker m. (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Drückeberger · Faulenzer · Müßiggänger · Nichtstuer · Tagedieb · fauler Strick  ●  Bukligger  fachspr., Jargon, seemännisch · Bummelant  ugs. · Bummler  ugs. · Faultier  ugs., fig. · Gammler  ugs. · Schlaffi  ugs. · Tachinierer  ugs., österr., bayr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Blaumacher · Drückeberger  ●  Laumalocher  ugs., ruhrdt. · Leistungsverweigerer  fachspr., Jargon · Verpisser  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Drückeberger‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Drückeberger‹.

Verwendungsbeispiele für ›Drückeberger‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Drückeberger erschüttern das Vertrauen der Bürger in die Fähigkeit der Politik, existentielle Probleme zu lösen. [Die Zeit, 15.03.1996, Nr. 12]
Denn wenn das Amt, jedem, der sich meldet, zehn Jobs zur Auswahl anbieten kann, fallen Drückeberger sehr schnell auf. [Die Zeit, 20.01.1986, Nr. 03]
Und da komme ich Drückeberger jetzt daher und trage nichts dazu bei! [Süddeutsche Zeitung, 05.03.1994]
Gerade der Kanzler sollte sich auch davor hüten, das gute alte Handwerk des Drückebergers zu verunglimpfen. [Die Welt, 07.04.2001]
Doch dazu müsste man die Drückeberger erst einmal sicher identifizieren. [Der Tagesspiegel, 23.09.2004]
Zitationshilfe
„Drückeberger“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dr%C3%BCckeberger>.

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