Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Drücker, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Drückers · Nominativ Plural: Drücker
Aussprache  [ˈdʀʏkɐ]
Worttrennung Drü-cker
Wortzerlegung drücken -er
Wortbildung  mit ›Drücker‹ als Letztglied: Türdrücker
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Synonym zu Türdrücker
Beispiele:
Am anderen Eingang ein ähnliches Bild, nur dass die Griffe so verbogen und zerstört waren, dass die Tür aktuell offen steht und ohne Drücker auskommen muss. [Schweriner Volkszeitung, 12.02.2015]
[…] die Technik verzichtet auf die Blockade des Drückers, somit kann man die Tür immer von innen ohne Schlüssel öffnen. [Neue Westfälische, 20.02.2021]
Der Designer Otl Aicher hat im vergangenen Jahrhundert für Türdrücker vier Gebote des Greifens formuliert. […] Auch der Zeigefinger ist immer auf der Richtungssuche – für ihn gibt es bei vielen Drückern daher extra eine Zeigefingerkuhle. [Süddeutsche Zeitung, 11.11.2011]
Ein Eppsteiner Glaser lieferte 1652 vier Fenster, für die Wände wurde Kalk besorgt und die Tür bekam einen neuen Drücker. [Frankfurter Rundschau, 26.06.2009]
Sie öffnete mit dem Drücker und betrat den Flur mit ihrem gewohnten, etwas harten Schritt. [Frapan, Ilse: Arbeit. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903] [1902], S. 27225]
2.
Abzug (5) am Jagdgewehr
Beispiele:
Regelmässig etwa taucht auf Emmas Hof der Polizist Henner in Begleitung seiner Mutter auf; Emma pflegt dieses Duo mit der Flinte in der Hand zu empfangen und hat keine Probleme damit, den Drücker der Waffe zu betätigen. [Der Bund, 14.09.2006]
übertragen Das Kalkül geht so: Weil Indien und Pakistan über genügend Schlagkraft verfügen, sich gegenseitig völlig zu vernichten, wird keiner den Drücker betätigen. [Süddeutsche Zeitung, 30.09.2016]
in festen VerbindungenDWDS
α)
Phrasem:
auf den letzten Drücker (= im letzten Moment)
β)
Phrasem:
die Hand am Drücker haben (= Macht über weitreichende Entscheidungen haben)
γ)
Phrasem:
am Drücker sein (= etwas entscheidend beeinflussen können)
δ)
Phrasem:
am Drücker bleiben (= weiterhin die Möglichkeit besitzen, entscheidenden Einfluss auf etwas auszuüben)
3.
Knopf (2) zur Betätigung elektrischer Anlagen
Beispiele:
Es darf bei der anstehenden Hauptversammlung immerhin geheim gewählt werden; elektronisch, mit Drücker und automatischer Stimmenzählung. [Süddeutsche Zeitung, 07.05.2019]
Mit dem in die Krone integrierten Drücker lassen sich die Stoppzeiger starten, anhalten und rückstellen. [Die Welt, 19.01.2019]
Mit dem schlauen Metall lassen sich Schalter, Drücker oder Ventile in Autos deutlich kleiner und leichter bauen. [Süddeutsche Zeitung, 11.07.2018]
In der Mittelkonsole befindet sich ein Drücker mit einem Auspuffsymbol. Man kennt ihn von anderen Sportwagen, auch von anderen Porsche – dort lassen sich so der Sound verstärken oder synthetische Fehlzündungen aktivieren. [Der Spiegel, 28.04.2017 (online)]
allgemeiner Das Interessante an dieser Uhr: Man muss nicht mehr die Krone ziehen, um Uhrzeit und Datum einzustellen, sondern kann dies über einen Drücker tun. [Der Standard, 02.07.2014]
Neben ihm auf einer kleinen Vervielfältigungsmaschine liegt ein Papierblock, auf dem er das empfangene Geld einzeln aufschreibt, umrechnet, addiert; eine Handbewegung mit dem Drücker und zwei fortlaufend numerierte Bordereaux (= Verzeichnisse) fliegen heraus. [Francke, Alexander: Fünf Wochen im Osten der Vereinigten Staaten und Kanadas. Bern: A. Francke 1913, S. 107]
4.
umgangssprachlich einzelner Bestandteil eines Werkes, der Rührung hervorrufen soll
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein sentimentaler Drücker
Beispiele:
Gewiss träumerisch, ein wenig verschleiert in weichem Klang, aber ausgesungen in klaren melodischen Linien und fein artikulierten Phrasen, ohne jeden sentimentalen Drücker. [Süddeutsche Zeitung, 22.06.2012]
Behle feiert mit den wunderbaren Schnyder‑Solisten nicht die große Pointensause. Gerade weil das meiste ohne Drücker gespielt und gesungen wird, funktioniert es. [Münchner Merkur, 20.12.2016]
Nigl ist einer der wenigen Sänger, die Leid nicht durch Äußerlichkeiten, Drücker oder gar Selbstmitleid aufmotzen. [Süddeutsche Zeitung, 22.09.2018]
Von den Solisten kam der Tenor Christoph Prégardien dieser Auffassung am nächsten, er sang das »Et incarnatus est« ganz objektiv, ohne der Verlockung zu sentimentalen Drückern nachzugeben, die sich angeboten hätten bei den zahlreichen Sequenzen […]. [Berliner Zeitung, 02.11.2001]
[…] da es leicht war, durch sogenannte »Drücker« und abermalige Zusätze dem Original mehr Reiz und Reichhaltigkeit zu verleihen, so hatte der Nachdrucker mehr Vorteile als der privilegierte Originalverleger. [Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche. In: Lehmstedt, Mark (Hg.): Geschichte des deutschen Buchwesens. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 4069]
5.
umgangssprachlich jmd., der von Tür zu Tür geht, um etwas zu verkaufen, besonders um Abonnenten für Zeitschriften zu gewinnen
Beispiele:
Mit Hilfe eines undercover eingesetzten Mitarbeiters deckte er auf, wie gemeinnützige Organisationen bei der Mitgliederwerbung Drücker einsetzen. [Süddeutsche Zeitung, 23.08.2012]
Die Drücker bekommen bis zu 35 % Provision. Experten raten: Nie an der Haustür kaufen, die Verträge genau lesen und gegebenenfalls vom 14‑tägigen Widerrufsrecht Gebrauch machen. [Bild, 18.01.2020]
Einmal pro Woche lässt sie die beiden Drücker, die die wenigsten Abos verkauft haben, einander verprügeln. [Welt am Sonntag, 09.10.2016]
Als Gründer und Chef des Finanzdienstleisters AWD hat Maschmeyer Hunderte Millionen verdient. Kritiker nennen ihn seit jener Zeit König der Drücker, weil seine Leute nicht zimperlich gewesen seien und kleinen Leuten große Renditen versprochen hätten, aus denen oft nichts geworden sei. [Süddeutsche Zeitung, 07.10.2016]
So holte sich die NPD für sieben Tage Genehmigungen für Infostände in Gröbenzell, Germering und Olching. Doch bereits nach drei Tagen gaben die aus Berlin angereisten Drücker der Rechtsextremen entnervt auf. [Süddeutsche Zeitung, 15.07.2013]
6.
umgangssprachlich hörbares Pressen der Stimme beim SingenDWDS
Beispiele:
Da gibt es keine falschen Vibrati, keine pseudoexpressiven Drücker, doch es fehlt die innere Wärme eines Mezzosoprans, die Stimme klingt oft vordergründig, flach. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2000]
In ihren Vaudémont wird sich sicher nicht nur Iolanta verliebt haben, weil Arnold Rutkowski nicht nur blendend aussieht, sondern noch blendender singt: ohne Drücker oder Anstrengung, frei der Ton schwingend, genau fokussiert. [Süddeutsche Zeitung, 23.03.2016]
Wenn Maisky einmal eine Melodie angestrichen hat, packt er sie gleichsam am Kragen, singt sie mit unbändig vibrierender Energie aus und gibt ihr meist zum Schluss hin noch einen energischen Drücker mit. [Landshuter Zeitung, 17.04.2015]
Sein Tod, das Verlöschen eines verlassenen, gescheiterten Menschen zwischen Angst, Schmerz und Wahnsinn, der einfach nur zusammensinkt, ohne jedes äußerliche Mätzchen, ohne vokale Drücker, dabei ergreifend in jeder Sekunde, das hat die Opernwelt so noch nicht gesehen. [Die Welt, 19.02.2013]
Thomas Hampson in der Titelpartie kann mit idiomatischem Französisch und überaus kultiviertem Bariton aufwarten, singt kantabel und agiert ohne jeden martialischen Drücker. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.1998]
7.
umgangssprachlich Fisch aus der zur Ordnung der Kugelfischartigen gehörenden Familie der DrückerfischeDWDS
Beispiele:
Wir sehen Anemonenfische, Drücker, Schwärme von Zebrafischen, Seenadeln und Lippfische. [Scary looking friends, 05.01.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
Zwar ist es noch immer ein fantastisches Erlebnis, in der starken Strömung zu treiben, vorbei an leuchtenden Korallen, Schildkröten, Muränen, Drückern und Rotfeuerfischen. [Süddeutsche Zeitung, 06.06.2018]
Für eine Tauchtour im Golf von Tadjoura spricht zudem, dass das planktonreiche Gewässer große Schulen von Drückern, Blaustreifenschnappern und Schwarzpunktsüßlippen sowie Papageien‑, Wimpel‑, Anemonen‑, Feilen‑ und Feuerfischen anzieht. [Welt am Sonntag, 02.03.2014]
Das »Jackson Reef« in der Straße von Tiran ist reich an Anemonenfischen, Muränen, Drückern und Napoleonfischen […]. [Die Welt, 24.11.2007]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

drücken · Drückeberger · Druck2 · eindrücken · Eindruck · Drücker · ausdrücken · Ausdruck · ausdrücklich · bedrücken · unterdrücken · Unterdrückung · Unterdrücker
drücken Vb. ‘pressen, belasten, bedrängen’. Bis ins 17. Jh. daneben gleichbed. umlautloses obd. drucken (s. d.). Ahd. thrucken ‘pressen, bedrücken, quälen, bedrängen’ (9. Jh.), mhd. drücken, drucken ‘(be)drängen, pressen, auspressen, sich drängen’, mnd. drücken, mnl. drucken, nl. drukken, aengl. þryccan ‘zerdrücken, drängen, beleidigen, unterdrücken’, schwed. trycka ‘drücken, drucken’ sind Intensivbildungen (germ. *þrukkjan) zu einer Weiterbildung der Verbalwurzel germ. *þrūg-, die innerhalb des Germ. auch in anord. þrūga ‘drohen, unterdrücken, nötigen’ überliefert ist. Mit verwandtem lit. trū́kti ‘entzweireißen, zerspringen, bersten’ stellen sich die germ. Formen zu ie. *treuk-, *trū̌k-, einer zweifachen Erweiterung der Wurzel ie. *ter(ə)- ‘reiben, drehend reiben’, auf die auch drehen und drohen zurückgehen (s. d.). – Drückeberger m. ‘wer sich heimlich (vor einer Arbeit) davonmacht, eine Aufgabe nicht übernimmt’ (19. Jh.), scherzhafte Bildung nach dem Typ der Herkunftsnamen auf -berger (vgl. Perleberger ‘einer aus Perleberg’, s. auch Schlauberger), zu sich drücken ‘sich heimlich davonmachen’ (13. Jh.). Druck2 m. ‘das Drücken, Zwang, Belastung’, modern als technischer Terminus in Luft-, Wasser-, Überdruck u. a.; ahd. thruc ‘Druck, Einwirkung’ (um 1000), mhd. druc ‘Druck, feindliches Zusammenstoßen’. eindrücken Vb. ‘eine Spur hinterlassen, einprägen, durch Druck zerstören’, ahd. inthrucken ‘etw. mit Druck einprägen, aufdrücken’ (Hs. 12. Jh.), mhd. īndrucken; für geistige Beeinflussung und Wirkung ist heute beeindrucken üblich (seit etwa 1900). Daraus rückgebildet Eindruck m. ‘Druckspur, Einwirkung auf Fühlen und Denken’, mhd. īndruc ‘Empfindung, nachhaltige Wirkung’, bei den Mystikern gebräuchlich, danach häufig seit dem 18. Jh. (einen guten, tiefen Eindruck ‘Wirkung’ machen, hinterlassen). Drücker m. ‘mechanische Vorrichtung, Handhabe zur Ausübung von Druck’ (17. Jh.), dann ‘Bedienungsknopf zur Herstellung eines elektrischen Kontaktes’; vgl. dagegen mhd. drücker ‘Unterdrücker’, so noch im 19. Jh., dann abgelöst von Unterdrücker (s. unten). ausdrücken Vb. ‘auspressen, (in Worten) darstellen’, mhd. ūʒdrücken ‘auspressen’; seit dem 15. Jh. ‘in Worte fassen, aussprechen’ (Luther: mit ausgedruckten Worten für lat. expressis verbis); im 16. Jh. wird das Part. Prät. ausgedruckt häufig für heutiges ausdrücklich (s. unten) verwendet. Das 18. Jh. verbindet ausdrücken (und Ausdruck) mit dem Sichtbarwerden von Gefühl und seelischer Reaktion und bezieht es auf künstlerische Gestaltung und Formgebung. Ausdruck m. ‘äußerliches Zeichen inneren Geschehens, Erlebens’, spätmhd. ūʒdruc, seit dem 18. Jh. ‘die Art zu sprechen’, auch ‘Redensart, Wort, (künstlerische) Gestaltung’. ausdrücklich Adj. ‘betont, deutlich, klar’ (16. Jh.). bedrücken Vb. ‘belasten’, ahd. bithrucken ‘schänden, niederdrücken, unterdrücken’ (10. Jh.), mhd. bedrücken ‘niederdrücken, überwältigen’. unterdrücken Vb. ‘niederhalten, unterjochen, gewaltsam beherrschen’, mhd. underdrücken ‘nach unten drücken, unterjochen, unterwerfen’; Unterdrückung f. ‘Unterwerfung, (gewaltsame) Beherrschung’ (15. Jh.); Unterdrücker m. (15. Jh.).

drucken · Druck1 · Drucker · Druckerei · Drucksache · Druckfehler
drucken Vb. ‘Texte, Abbildungen u. dgl. maschinell vervielfältigen’. Das Verfahren, Stoffe mit Mustern und Papier mit Holzschnitten oder Lettern (15. Jh.) zu bedrucken, wird in Oberdeutschland entwickelt; drucken ist die obd. (durch Guttural bedingte) umlautlose Form von drücken (s. d.). Zunächst stehen drücken und drucken bis ins 17. Jh. bedeutungsgleich nebeneinander, danach wird differenzierend geschieden zwischen drucken als Fachausdruck und drücken ‘pressen, belasten, bedrängen’. – Druck1 m. Abdruck m. ‘Vorgang des Vervielfältigens und sein Erzeugnis’ (15. Jh.). Drucker m. ‘Buchdrucker’ (15. Jh.). Druckerei f. ‘Buchdruckerhandwerk, Betrieb, in dem gedruckt wird’ (15. Jh.). Drucksache f. zuerst ‘bedruckter Bogen’ (so noch heute für ‘gedruckte Vorlage als Arbeits- bzw. Diskussionsgrundlage’), dann ‘offene Postsendung zu ermäßigter Gebühr, die vervielfältigten Text enthält’ (beide 19. Jh.). Druckfehler m. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Promoter · Propagandist · Werber · Zeitschriftenwerber  ●  Aboverkäufer  ugs. · Drücker  ugs., abwertend
Assoziationen
Synonymgruppe
Abzug (Waffe) · Drücker
Assoziationen
Technik
Synonymgruppe
Türgriff · Türklinke  ●  Schnalle  österr. · Türschnalle  österr. · Drücker  fachspr.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Drücker‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Drücker‹.

Zitationshilfe
„Drücker“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dr%C3%BCcker>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Drücken
Drückebergerei
Drückeberger
Drückbank
Dröhnung
Drückerei
Drückerkolonne
Drückjagd
Drüse
Drüsenabsonderung