Drangsal, die oder das

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Drangsal · Nominativ Plural: Drangsale
GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Drangsals · Nominativ Plural: Drangsale
Aussprache
WorttrennungDrang-sal
Wortbildung mit ›Drangsal‹ als Erstglied: ↗drangsalieren
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Not, Qual
Beispiele:
in großer Drangsal sein
die Zeit der (harten) Drangsal
viel Drangsale erdulden, leiden
die Drangsale des Krieges
Drangsale und Entbehrungen auf sich nehmen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Drang · Andrang · Drangsal · drangsalieren · drängen · drängeln · Gedränge
Drang m. ‘Trieb, Streben, Gedränge, Bedrängnis, Druck’, mhd. dranc m. n. ‘Gedränge, Bedrängnis’, mnd. dranc, mnl. nl. drang, aengl. geþrang ‘Gedränge, Menge, Lärm’, engl. throng ‘Gedränge, Menge, Schar’, anord. þrǫng f. ‘Gedränge, Enge, Kelter’, norw. trang stehen im Ablaut zu dem unter ↗dringen (s. d.) behandelten Verb. Mhd. dranc bezieht sich vornehmlich auf das wogende Getümmel in der Schlacht, ‘Gedränge der Menschen im Kampf’. Mit der Bedeutung ‘innerer Trieb, geistiges Streben, Impuls’ (entwickelt im 18. Jh.) wird Drang rasch zum Modewort (vgl. die formelhafte Verbindung Sturm und Drang, Klinger 1776). Andrang m. ‘das Andrängen’ (18. Jh.). Drangsal f. ‘Zwang, Bedrängnis, Gewalttätigkeit’, spätmhd. drancsal, ursprünglich auch n., selten m.; mit der Nachsilbe ↗-sal (s. d.) wohl aus älterem, von drängen abgelöstem drangen (s. unten ↗drängen) abgeleitet; dazu drangsalen Vb. (19. Jh.), häufiger drangsalieren Vb. ‘quälen, belästigen’ (19. Jh.). drängen Vb. ‘drücken, nötigen, vertreiben’, Kausativum zu ↗dringen (s. d.), also eigentlich ‘dringen machen’. Ahd. threngen (um 1000), mhd. drengen setzt sich gegenüber ahd. thrangōn (9. Jh.), mhd. drangen ‘drücken, belästigen, nötigen’ durch; drängen übernimmt im 18. Jh. den transitiven Gebrauch von dringen ‘zusammendrücken’. drängeln Vb. ‘sehr, wiederholt drängen, drücken’, Iterativbildung (19. Jh., vereinzelt schon 17. Jh.) zu drängen. Gedränge n. ‘unruhiges Treiben, Andrang, Menge’, ahd. githrengi ‘Handgemenge’ (9. Jh.), mhd. gedrenge ‘Kampfgewühl, unwegsam verwachsener Boden, Bedrängung, Beengung’ ist entweder als Kollektivum zum Substantiv Drang (s. oben) oder als Verbalabstraktum zu den oben unter drängen genannten schwachen Verben (oder zum starken Verb dringen?) gebildet, wird heute aber als zu drängen gehörend empfunden; ins Gedränge kommen ‘in Schwierigkeiten geraten’ (um 1700).

Thesaurus

Synonymgruppe
Drangsal · ↗Folter · ↗Folterung · ↗Höllenpein · ↗Höllenqual · ↗Marter · ↗Misshandlung · ↗Pein · ↗Peinigung · ↗Quälerei · ↗Tortur
Unterbegriffe
  • Auspeitschen · ↗Flagellation · ↗Geißelung
  • saubere Folter · weiße Folter
  • hochnotpeinliche Befragung · peinliche Befragung · scharfe Frage
Assoziationen
  • Generalinquisitor · ↗Großinquisitor
  • Stachelrolle · gespickter Hase
  • Spanischer Bock · Spanischer Reiter · Spanisches Pferd
  • Bogerschaukel · Papageienschaukel
  • Schreckung · ↗Territion
  • Beinschraube · Schraubstiefel · Spanischer Stiefel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Not Verfolgung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Drangsal‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Drangsal des täglichen Lebens übersteht der Ägypter durch sein Talent zum politischen Witz.
Süddeutsche Zeitung, 09.11.2002
Hinter ihr liegen Jahre der Drangsal, der Kontrolle, des Terrors.
Die Zeit, 30.07.2001, Nr. 31
Als er an Frankreich verschachert werden sollte, erlöste ihn der Tod 1495 von dieser neuen Drangsal.
Merzbacher, Friedrich: Europa im 15. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1964], S. 4773
Doch enthielt der Kreuzzug der Verbündeten gegen Hitler durchaus keine Unterabteilung "Befreiung der Juden aus ihrer Drangsal".
Die Welt, 06.06.2000
Die Drangsal des Antiochus Epiphanes treibt die Apokalypse Daniels hervor.
Taubes, Jacob: Abendländische Eschatologie, München: Matthes und Seitz, 1991 [1947], S. 16
Zitationshilfe
„Drangsal“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Drangsal>, abgerufen am 17.09.2019.

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