Droge, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Droge · Nominativ Plural: Drogen
Aussprache 
Worttrennung Dro-ge
Herkunft aus droguefrz ‘Gewürz, Chemikalie, pharmazeutisches Mittel’
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
bewusstseins- oder wahrnehmungsverändernde Substanz, deren Konsum häufig zu körperlicher oder psychischer Abhängigkeit bzw. gesundheitlichen Schäden führt und deren Herstellung und Vertrieb meist gesetzlich verboten oder eingeschränkt ist
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: weiche, harte Drogen; synthetische, körpereigene Drogen; illegale, legale Drogen; eine gefährliche, eine harmlose Droge; bewusstseinserweiternde, halluzinogene, aufputschende, enthemmende Drogen
als Akkusativobjekt: Drogen konsumieren, nehmen, ausprobieren; Drogen verkaufen, besorgen, schmuggeln
mit Akkusativobjekt: Drogen beschlagnahmen, sicherstellen
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Freigabe, Legalisierung von Drogen; der Konsum, Missbrauch von Drogen; der Handel mit Drogen; mit Drogen dealen; Erfahrung mit Drogen [haben, machen]; der Krieg gegen die Drogen
in Koordination: Alkohol, Zigaretten und Drogen
mit vergleichender Wort-/Nominalgruppe: Drogen wie Kokain, Ecstasy, Heroin, Haschisch
als Aktiv-/Passivsubjekt: Drogen schädigen, zerstören [die Gesundheit], machen süchtig
als partitive Apposition: eine Überdosis Drogen
Beispiele:
LSD verändert stark die Wahrnehmung, die Droge lässt Dinge anders aussehen und Klänge hören sich anders an. […] [Berliner Zeitung, 08.07.2000]
Hauptproblem hierzulande bleiben […] legale Drogen wie Alkohol und Tabak. [Die Zeit, 28.04.2016 (online)]
Der Konsum illegaler Drogen wie auch der missbräuchliche Konsum legaler Suchtmittel birgt immer das Risiko schwerer gesundheitlicher Schäden und Abhängigkeiten. [Süddeutsche Zeitung, 14.11.2015]
Die [synthetische] Droge mit dem Wirkstoff Metamphetamin wird geschluckt, geraucht oder geschnupft, sie wirkt ähnlich wie Kokain und steigert das subjektiv empfundene Leistungsgefühl. [Berliner Zeitung, 02.11.2000]
Er nimmt jetzt auch harte Drogen, spritzt sich Heroin[…]. [Der Spiegel, 05.10.1998]
Für ihn [den Schriftsteller Aldous Huxley] sind die Drogen ein Mittel, jene Zustände eines höheren und erweiterten Bewußtseins zu erlangen, zu denen auch die religiösen Praktiken der Askese und Meditation den Weg bahnen. [Die Zeit, 10.03.1967]
Damit [in Bezug auf die jährlich gehandelte Menge] ist Marihuana die heute in der Bundesrepublik illegal am stärksten verbreitete jener Drogen, die nach dem »Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Opiumgesetz)« von 1929 als Rauschgift gelten[…]. [Der Spiegel, 12.12.1966]
vergleichendIhr Körper [der Ratten] gewöhnte sich an den Zucker‑Rausch und brauchte immer mehr des Stoffes. Die Tiere wurden [in einem Experiment] regelrecht süchtig nach dem Zucker. […] Dass Zucker wie eine Droge wirken kann […], weiß man erst seit etwa zehn Jahren[…]. [Welt am Sonntag, 08.01.2017]
übertragen etwas, das auf das Bewusstsein eine ähnlich berauschende oder abhängig machende Wirkung hat wie die Einnahme einer Droge (1)
Kollokationen:
als Prädikativ: Politik ist eine Droge
Beispiele:
Kants Leidenschaft galt dem Senf, bei anderen sind es Kaffee und Tabak, ganz zu schweigen von der neuerdings in Mode gekommenen Droge der Geschwindigkeit. [Die Zeit, 20.12.2000]
Er [der Politiker] sagt natürlich nicht, dass persönlicher Ehrgeiz ihn treibt. Er gesteht auch nicht ein, dass er nicht von der Droge Politik lassen kann. [Welt am Sonntag, 30.04.2017]
Bernd, um den es hier geht, wirkt allerdings gar nicht wie ein Junkie. Seine Droge ist ja auch kein Heroin, sondern ein Computerspiel namens »World of Warcraft«. [Der Spiegel, 12.08.2008 (online)]
In der von ihm [dem Radrennfahrer] betriebenen Manier ist der Extremsport selbst eine Droge. Krankheit bedeutet Entzug, mit allen Wirkungen im Seelischen, die damit verbunden sind. Stillstand, Krise, Depression. [Der Tagesspiegel, 14.07.2002]
Denn erst bei etwa 90 Dezibel fängt die Droge Musik zu wirken an, erreichen Disco‑Freaks den ersehnten »angeturnten« Zustand. [Der Spiegel, 08.12.1980]
2.
Pharmazie pflanzliche, in früherer Zeit auch tierische oder mineralische Substanz meist in getrockneter Form, die zur Verwendung als Arzneimittel oder als Ausgangsstoff für daraus herzustellende Pulver, Öle und Extrakte dient
Beispiele:
Ausgangsstoffe für pflanzliche Arzneimittel sind die getrockneten Pflanzen oder Pflanzenteile – sogenannte Drogen […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2003]
In der Pflanzenheilkunde kommen […] Pflanzen oder Pflanzenteile […] zur Anwendung. Diese in der Pharmazie Drogen genannten Ausgangsstoffe werden frisch oder als Aufguss, Saft, Tinktur, Extrakt, Pulver oder ätherisches Öl therapeutisch angewendet. [Vitametik Blog, 26.01.2015, aufgerufen am 28.04.2016]
Die Brennesseln enthalten viel Chlorophyll, Eisen und etwas Vitamin C. […] Vorsichtig im Schatten getrocknet, erhält man eine lagerfähige Droge, die zur Teebereitung […] gut geeignet ist. [Neues Deutschland, 12.06.1982]
Anhand von Exponaten und Texten wird da [in der historischen Ausstellung] auch die Verwendung tierischer Drogen […] anschaulich erläutert. So erfährt der Betrachter zum Beispiel, daß man Lebertran aus der Leber des Kabeljaus oder Heilbutts durch Ausschmelzen gewinnt[…]. [Berliner Zeitung, 05.09.1981]
Drogen […], Drogerie‑, Apothekerwaren, die tierischen, pflanzlichen und mineralischen Rohstoffe, aus denen die Apotheker […] Heilmittel bereiten. [Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 18424]
veraltend, allgemeiner Medikament, Arzneimittel
Beispiel:
Inzwischen geht die Suche nach Medikamenten gegen die Krankheit [Leukämie] weiter. Es gibt schon eine ganze Reihe solcher Drogen, aber ihrer Wirksamkeit sind Grenzen gesetzt, weil die weißen Blutzellen sehr schnell gegen diese Mittel unempfindlich werden. [Die Zeit, 24.04.1964]

letzte Änderung:

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Droge · Drogerie · Drogist
Droge f. als Gewürz oder Arzneimittel verwendeter getrockneter pflanzlicher oder tierischer Stoff, um 1600 aus frz. drogue ‘Gewürz, Chemikalie, pharmazeutisches Mittel’ ins Dt. entlehnt. Die Herkunft von Droge (frz. drogue, engl. drug, schwed. drog, ital. span. port. droga) ist nicht sicher. Auszugehen ist wohl von mnd. drȫgevate Plur., eigentlich ‘trockene Fässer’, d. h. ‘Behälter für trockene, nichtflüssige Ware’, mnl. droge vaten. Bald bezeichnet das abkürzende droge nicht nur die Behälter, sondern auch die in ihnen aufbewahrten Waren, so daß sich die Bedeutung ‘Gewürz, Arzneimittel’ entwickelt. In dieser substantivierten Form mag das ehemalige Adjektiv ins Frz. gelangt sein, denn da frz. drogue zuerst in Nordfrankreich bezeugt ist, gewinnt die Annahme einer mnd. mnl. Herkunft (gegenüber vermutetem arab. Ursprung) an Wahrscheinlichkeit, und frz. drogue, nhd. Droge müssen als etymologisch verwandt mit trocken (s. d.) gelten. In der Mitte des 20. Jhs. wird Droge, zumal der Plural Drogen, eine Bezeichnung für stimulierende Substanzen im Sinne von ‘Rauschgift’ (wie zuvor schon engl. drug). Drogerie f. ‘Heilmittel’ (um 1500), ‘Verkaufsstelle für Drogen, Chemikalien und kosmetische Erzeugnisse’ (um 1900), aus mfrz. droguerie ‘Droge, Arzneimittel’, frz. ‘Drogenhandlung’; dafür älter Kräutergewölbe (noch gelegentlich im heutigen Omd.). Drogist m. ‘Drogenhändler, Fachverkäufer in einer Drogerie’ (um 1600), mfrz. frz. droguiste.

trocken · dröge · trocknen · austrocknen · vertrocknen
trocken Adj. ‘frei von Feuchtigkeit, dürr, sachlich, langweilig’, ahd. truckan (8. Jh.), mhd. trucken, asächs. drokno führen auf einen alten (mit nu-Suffix gebildeten) u-Stamm (germ. *druknu-, mit aus g verschärftem k vor n). Daneben stehen ablautend die ja-Stämme nd. dröge Adj. mnd. drȫge, mnl. drōghe, dröghe, nl. droog (germ. *draugja-) und mnd. drǖge, drȳge, mnl. drūghe, aengl. drȳge, engl. dry (germ. *drūgja-). Verwandt ist vielleicht anord. draugr ‘(Baum)stamm’, falls eigentlich ‘trockener Stamm’. Außergerm. Beziehungen gelten als ungesichert, so daß de Vries Nl. 139 Herkunft aus einer Substratsprache vermutet. Im Nhd. stehen bis ins 18. Jh. trucken und trocken nebeneinander; die sich durchsetzende o-Form entspricht md. westobd. Gebrauch. trocknen Vb. ‘trocken machen, trocken werden’, hervorgegangen aus zwei ursprünglich verschiedenen Verben, und zwar aus intransitivem ahd. irtruckanēn (8. Jh.), mhd. truck(en)en ‘trocken werden’ und faktitivem transitivem ahd. truckanen (um 1000), mhd. trück(en)en ‘trocken machen’. Im Nhd. entsteht in Anlehnung an das Adjektiv sowohl intransitives wie transitives trucknen und trocknen, bis auch hier die o-Form allgemein wird. austrocknen Vb. ‘völlig trocken werden, völlig trocken machen’ (2. Hälfte 15. Jh.). vertrocknen Vb. ‘trocken werden, durch Trockenheit absterben’, mhd. vertruckenen, bis ins 19. Jh. gelegentlich auch transitiv.

Thesaurus

Synonymgruppe
Droge · Suchtgift · Suchtstoff  ●  Betäubungsmittel  bundesdeutsch · Rauschgift  Hauptform · Dope  derb · Rauschmittel  fachspr. · Stoff  ugs. · Suchtmittel  fachspr.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Droge‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Droge‹.

Zitationshilfe
„Droge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Droge>.

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