Drohne, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Drohne · Nominativ Plural: Drohnen
Aussprache
WorttrennungDroh-ne
HerkunftLesart 2 aus gleichbedeutend droneengl
Wortbildung mit ›Drohne‹ als Erstglied: ↗Drohnenangriff · ↗Drohnendasein · ↗Drohneneinsatz · ↗Drohnenkrieg · ↗Drohnenleben · ↗Drohnenmord · ↗Drohnenopfer · ↗Drohnenprojekt · ↗Drohnenschlacht · ↗Drohnenstaat
 ·  mit ›Drohne‹ als Letztglied: ↗Aufklärungsdrohne · ↗Kampfdrohne
DWDS-Vollartikel, 2017

Bedeutungen

Drohne der Honigbiene
(PollyDot, CC0)
1.
männliche Honigbiene (Lesart 1), die im Unterschied zu den Arbeiterinnen (Lesart 2) einen größeren, gedrungenen Körper hat, von diesen gefüttert wird und die Aufgabe hat, beim Hochzeitsflug eine junge Bienenkönigin zu begatten
Synonym zu Drohn
Beispiele:
Die männlichen Bienen, die Drohnen, sorgen von Frühjahr bis Frühsommer für den Nachwuchs der Königin. [Die Zeit, 15.03.2012, Nr. 12]
Die größte Gruppe im Bienenstaat machen […] die Arbeiterinnen aus: […] [Sie] besitzen wie die Königin einen Giftstachel. In den Frühjahr- und Sommermonaten gibt es zudem noch die stachellosen männlichen Drohnen. […] »Im Sommer gehen sie dann auf Hochzeitsflug und sterben noch während der Begattung.« [Rhein-Zeitung, 01.06.2005 IDS-Archiv]
Aufgabe der Königin ist es, Eier zu legen, die männlichen Drohnen begatten die Königin und die Arbeiterinnen pflegen die Brut, bauen die Waben und halten sie sauber, schaffen die Nahrung herbei, verteilen und lagern sie. [Frankfurter Rundschau, 10.04.1999]
Aus den unbefruchteten Eiern der Königin schlüpfen Drohnen – das sind männliche Bienen […]. [Neues Deutschland, 14.08.1960]
Im Frühjahr treten im Bienenvolk auch noch die plumpen, dickköpfigen Drohnen auf. Es sind die Bienenmännchen. [Frisch, Karl von: Du und das Leben, Berlin: Verlag d. Druckhauses Tempelhof 1947, S. 208. Zitiert nach: Frisch, Karl von: Du und das Leben, Berlin: Deutscher Verlag 1947.]
Kollokation:
in Koordination: Drohnen und Königinnen, Arbeitsbienen
a)
allgemeiner Männchen anderer staatenbildender Stechimmen, wie etwa der Hummeln, Hornissen oder Wespen
Beispiele:
Ähnlich wie die Honigbienen bilden Hummeln Staaten mit einer Königin, mit Arbeiterinnen und Drohnen, den männlichen Tieren. [Frankfurter Rundschau, 08.06.1999]
Die Hornissen, die jetzt fliegen, sind junge Königinnen und Drohnen auf ihrem Begattungsflug. [Braunschweiger Zeitung, 30.09.2010]
Am Anfang der Wespensaison im Mai baut die Königin die erste Etage eines Nestes, legt Eier und zieht Arbeiterinnen heran. Diese übernehmen den weiteren Nestbau und die Nahrungssuche. Die Königin legt dann nur noch Eier. Aus den unbefruchteten Eiern schlüpfen männliche Wespen, die Drohnen. [Die Welt, 07.08.2004]
Die Drohnen der Wespen […] leben nur wenige Tage und gehen nach ihrem einzigen Hochzeitsflug zugrunde, oder sie werden sogar aktiv von den Arbeiterinnen getötet. [Welt am Sonntag, 21.03.1999]
b)
übertragen, abwertend, veraltend Nichtstuer, der von der Arbeit anderer profitiert
Beispiele:
Nachdrücklich wandte sich der Vizepräsident [der Bundesanstalt für Arbeit] […] gegen die […] von Unternehmerverbänden […] entfachte »böswillige Offensive« gegenüber den Arbeitslosen, die als »Drückeberger, Drohnen, Müßiggänger und Faulenzer hingestellt werden«. [Berliner Zeitung, 12.12.1977]
scherzhaft Sind die [Männer] mit Witz, Charme und Nonchalance wirklich ausgestorben? Sind Frauen doch Drohnen? Schmarotzer, die eine männliche Arbeitsbiene suchen, um sich ins gemachte Nest zu setzen? [Rhein-Zeitung, 05.04.2003]
In der westlichen Welt gehört es zu den Allgemeinplätzen, daß Führungskräfte der Unternehmungen keineswegs »Drohnen« sind, sondern im Gegenteil über Erfolg oder Mißerfolg eines Unternehmens entscheiden. [Die Zeit, 14.12.1962, Nr. 50]
Die Reichen sind nichts als faule Drohnen, die Armen die Repräsentanten der Arbeit, die allein den Bestand der Gesellschaft erhält! [Pöhlmann, Robert von: Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der antiken Welt – Zweites Buch. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 14292]
2.
unbemanntes, ferngesteuertes Luftfahrzeug oder Fluggerät, seltener auch Land- oder Wasserfahrzeug
Kollokation:
mit Adjektivattribut: unbemannte, ferngesteuerte Drohnen
Militärische Drohne auf dem Flugfeld
(Sabrina Johnson, CC0)
a)
unbemanntes militärisches Aufklärungs- oder Kampfflugzeug, das von einer Bodenstation aus per Funk kontrolliert und gesteuert wird
Beispiele:
Drohnen spielen in den Kriegen der USA eine immer größere Rolle, um etwa Terrorverdächtige zu attackieren oder Aufklärungsflüge zu machen. [Der Standard, 08.10.2011]
Von der Leyen [die Bundesverteidigungsministerin] hatte sich vor mehr als zwei Jahren nach langer Debatte dafür ausgesprochen, der Bundeswehr bewaffnete Drohnen zur Verfügung zu stellen. [Süddeutsche Zeitung, 01.09.2016]
Die Bundeswehr habe über dem Kosovo bereits über 80 Aufklärungsflüge mit Drohnen absolviert. [Berliner Zeitung, 15.04.1999]
Als Drohnen werden unbemannte Flugkörper bezeichnet, die ferngelenkt sind […] [oder] sich durch im Bordrechner gespeicherte Kursdaten selbst lenken. Diese […] Flugkörper dienen der Aufklärung und Überwachung des Gefechtsfeldes. [o. A. [kk]: Drohne. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1983]]
»Abgefragt« werden diese Geräte [zur Grenzsicherung eingesetzte elektronische Sensoren] von ferngelenkten, unbemannten Flugzeugen des Typs QU-22B, die im Vietnamkrieg nicht mehr benötigt werden, weil die Air Force sich dort jetzt leistungsfähigerer »Drohnen« bedient. [Die Zeit, 07.07.1972, Nr. 27]
Speziell für die Aufklärungseinheiten der Heeresfliegerei entwickelten sie die Drohne MQM-57 A – einen propellergetriebenen Miniflügler von gut vier Meter Länge, der mit Hilfe eines sogenannten Bahnverfolgungsradars ferngesteuert wird, das Feindgelände photographiert und dann ferngesteuert zum Startpunkt zurückkehrt […]. [Der Spiegel, 10.01.1966, Nr. 3]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: militärische Drohnen; bewaffnete, unbewaffnete Drohnen
mit Akkusativobjekt: eine Drohne [für einen Aufklärungsflug] einsetzen, steuern, abschießen
in Koordination: Drohnen und Kampfjets, Hubschrauber, Flugzeuge
als Aktiv-/Passivsubjekt: eine Drohne feuert [Raketen] ab
als Genitivattribut: die Beschaffung, die Anschaffung der Drohne
als Passivsubjekt: die Drohne wird [in einem Konfliktgebiet] eingesetzt
Zivile Drohne im Flug
(anne773, CC0)
b)
unbemanntes, per Funk ferngesteuertes Fluggerät für zivile Zwecke, das sich in der Regel mithilfe von vier elektrisch angetriebenen Rotoren wie ein Hubschrauber bewegt
Beispiele:
Wer Drohnen als Hobby im Freien fliegen lässt, muss gesetzlich geregelten Abstand zu Ballungsgebieten und Flughäfen halten und Flugzonen beachten. [Süddeutsche Zeitung, 12.05.2014]
Dabei [bei der Kontrolle von Starkstrommasten in unwegsamem Gebiet] fliegt eine Drohne bis auf rund 15 Meter an den Mast heran und untersucht diesen mit einem starken Zoom-Objektiv, das auch allerfeinste Risse erkennen kann. [Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2017]
Mit der Drohne will die Post Pakete vor allem in dünn besiedelten Gebieten aus der Luft an eine Paketstation liefern. [Spiegel, 09.05.2016 (online)]
Seit einer Novelle des Luftfahrtgesetzes […] gibt es eine Einteilung von Drohnen in mehrere Klassen: Spielzeug, Flugmodell sowie unbemannte Luftfahrzeuge der 1. und 2. Klasse. Die meisten Hobby- und Freizeitdrohnen im Handel fallen in die ersten beiden Klassen. […] [Der Standard, 05.12.2015]
Obwohl sie selbst nur wenige Kilogramm wiegen, können sie eine Last von zwei Kilogramm mit sich führen. […] Vier Rotoren machen die Drohne zu einem sogenannten Quadrokopter und halten sie stabil in der Luft. [Welt am Sonntag, 18.01.2015, Nr. 3]
Drohnen funktionieren wie ferngesteuerte Hubschrauber, außer, dass sie vier Rotoren haben […]. In unseren Drohnen befindet sich eine Menge High-Tech, damit sie stabil fliegen und scharfe Bilder aufnehmen können. [Süddeutsche Zeitung, 15.01.2008]
Kollokation:
mit Adjektivattribut: eine zivile, private Drohne
c)
unbemanntes, ferngesteuertes oder autonom sich bewegendes Land- oder Wasserfahrzeug zum Einsatz an für Menschen schwer zugänglichen oder gefährlichen Orten
Beispiele:
Auch unter Wasser werden autarke Drohnen vielfältig eingesetzt – in der zivilen Handelsmarine bei Schiffsbergungen und der Kontrolle von Unterseeleitungen, in der Kriegsmarine zur Minenräumung und U-Boot-Abwehr. [Welt am Sonntag, 14.08.2016, Nr. 33]
[…] Bei Tests wurde der Schnüffel-Detektor [zum Aufspüren von Pflanzenschädlingen] auf eine fahrbare Drohne montiert, die bei Geruchsalarm über den Acker fährt und befallene Pflanzen gezielt meldet. [Der Spiegel, 13.12.2010, Nr. 50]
Die Drohne, die mit Kameras und Greifarmen ausgerüstet ist, war auf dem Meeresboden bis auf sechs Meter an sie [die Blackbox des abgestürzten Flugzeugs] herangekommen. [Welt am Sonntag, 07.11.1999]
Als ziviles Beiprodukt hat [die Firma] STN […] eine Drohne mit dem Namen »Gullyver« auf den Markt gebracht, die die Kommunen durch ihre Abwasserrohre schicken können, um schadhafte Stellen aufzuspüren. [die tageszeitung, 22.11.1993]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Drohne f. ‘männliche Biene, Nichtstuer, Schmarotzer’, ahd. treno m. (9. Jh.), mhd. tren(e) m. ‘Brutbiene, Drohne, Hummel’, (mit Dehnstufe) asächs. drān m., drāna f. ‘(Arbeits)biene, Drohne’, mnd. drāne, drōne m. ‘Drohne, Taugenichts’, aengl. drān, drǣn f., engl. drone ‘Drohne, Faulenzer’ sind als ursprünglich das Fluggeräusch kennzeichnende Namen verwandt mit got. drunjus ‘Schall’, aind. dhráṇati ‘tönt’, griech. thrḗnos (τρήνος) ‘Totenklage, Klagelied’, thrēné͞in (θρηνεῖν) ‘klagen, jammern’, tenthrḗnē (τενθρήνη) ‘Biene, Wespe’, thrṓnax (θρῶναξ) ‘Drohne’ und mit ↗dröhnen (s. d.). Sie führen auf ie. *dhrē̌n-, Erweiterung der Schallwurzel ie. *dher- ‘murren, brummen, dröhnen’. Die heutige Form Drohne entspricht mnd. drōne; die nd. Form wird seit dem 17. Jh. im Hd. verwendet. Das in der Allgemeinsprache übliche fem. Genus ist wohl von Biene übernommen (seit 17. Jh.). Der Gebrauch als Fem. sowie die vielfach anzutreffende Bedeutung ‘Brutbiene’ beruhen auf Unkenntnis der biologischen Verhältnisse. Erst im Laufe des 18. Jhs. wird die Drohne als ‘männliche Biene’ allgemein bekannt; daher in der Imkersprache Drohn m. Daß hingegen an der Honigeintragung Drohnen, aus welchen vermeintlichen Gründen auch immer, nicht beteiligt sind, wird schon früh bemerkt; daher die Übertragung ‘fauler Mensch, Schmarotzer’ (bereits 16. Jh.).

Thesaurus

Luftfahrt
Synonymgruppe
Drohne · Flugdrohne · unbemanntes Luftfahrzeug
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Quadricopter · Quadrocopter · Quadrokopter · Quadrotor
Zoologie
Synonymgruppe
Drohne · männliche Honigbiene  ●  ↗Drohn  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschaffung Arbeiterin Arbeitsbiene Aufklärungsflug Aufklärungsflugzeuge Aufklärungstechnik Beschaffung Biene Bodenstation Kampfhubschrauber Kampfjet Kollisionsschutz Luftraum Luftschlag Marschflugkörper Satellit Spannweite Terrorverdächtige Typ Zulassung abfeuern abschießen anschaffen bestückt bewaffnet ferngelenkt ferngesteuert losschicken unbemannt unbewaffnet

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Drohne‹.

Zitationshilfe
„Drohne“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Drohne>, abgerufen am 22.09.2018.

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