Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Dulder, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dulders · Nominativ Plural: Dulder
Aussprache 
Worttrennung Dul-der (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Dulder‹ als Erstglied: Dulderin · Duldermiene
eWDG

Bedeutung

jmd., der etw. ohne Auflehnung, Klagen still, mit Geduld erträgt
Beispiele:
ein armer, stummer, edler, ergebener Dulder
ich konnte den Anblick des stillen Dulders nicht ertragen [ WelkHoher Befehl243]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dulden · Dulder · duldsam · Duldsamkeit · Geduld · geduldig · gedulden
dulden Vb. ‘leiden, ertragen’, besonders ‘zulassen’, ahd. thulten (8. Jh.), mhd. dulten, dulden ist wie mnd. dülden, mnl. nl. dulden, afries. thelda (westgerm. *þuldjan) abgeleitet von dem nur im Westgerm. existierenden Verbalabstraktum ahd. thult (9. Jh.), mhd. frühnhd. mnd. dult, aengl. þyld (gleichbed. mit den präfigierten, unter Geduld, s. unten, genannten Formen). Es gehört zu den schwachen Verben ahd. tholēn ‘erleiden, ertragen, büßen’ (8. Jh.), tholōn ‘leiden, geduldig erwarten’ (9. Jh.), mhd. doln, frühnhd. dolen (bis ins 16. Jh.), asächs. tholon, mnd. mnl. dōlen, aengl. þolian, anord. þola, schwed. tåla, got. þulan (germ. *þulēn, *þulōn). Diese Verben gehen mit lat. tollere ‘aufheben, auf sich nehmen, wegschaffen’, tolerāre ‘ertragen, erdulden’ (s. tolerieren) und griech. tlḗnai (τλῆναι) ‘ertragen, erdulden’ auf die Wurzel ie. *tel(ə)- ‘aufheben, wägen, tragen, ertragen, dulden’ zurück. In ahd. Zeit nur im südwestd. Raum belegt, dehnt sich dulden, auch als Wiedergabe des christlichen Leidensbegriffs, über das gesamte hd. Sprachgebiet aus und verdrängt das alte ēn- bzw. ōn-Verb schließlich ganz. dulden (mit durch -l- zu -d- erweichtem -t-) meint heute vorwiegend ‘etw. zulassen, gegen etw. nichts unternehmen’, während es in der Bedeutung ‘Unangenehmes durchstehen’ durch erdulden oder ertragen ersetzt wird. – Dulder m. ‘wer Unangenehmes erträgt’, zuerst von dem sein Leiden klaglos ertragenden Christus (18. Jh. Klopstock), dann (18. Jh.) auch von einem ‘der Widerwärtiges mit Ergebung trägt’. duldsam Adj. ‘geduldig, nachsichtig, tolerant’ (17. Jh.); dazu Duldsamkeit f. ‘Nachsicht, Toleranz’ (17. Jh.). Geduld f. ‘Ausdauer, Nachsicht’, ahd. githult (8. Jh.), mhd. gedult, gedulde, asächs. githuld, mnd. gedult, mnl. ghedout, selten ghedult, nl. geduld, aengl. geþyld, präfigierte Form des unter dulden (s. oben) behandelten Verbalabstraktums ahd. thult und seiner Entsprechungen. Davon abgeleitet geduldig Adj. ‘ausdauernd, nachsichtig, ruhig’, ahd. githultīg (8. Jh.), mhd. gedultec. gedulden Vb. ‘ruhig abwarten’, durch Präfix verstärktes dulden, mhd. gedulden, vgl. mnd. gedülden, aengl. geþyldian; heute wird das Verb als Ableitung von Geduld empfunden und nur reflexiv verwendet.

Typische Verbindungen zu ›Dulder‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Dulder‹.

Verwendungsbeispiele für ›Dulder‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Fürwahr, er war ein Mann, ein lauterer Mann, ein Kämpfer, ein stiller Dulder. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1964]]
Kaum einer der jüngeren Politiker mag sich so etwas vorstellen, kaum ein Partner sieht sich heute noch als stiller Dulder. [Die Zeit, 16.05.2011, Nr. 20]
In New York ist jetzt einer ausgestiegen aus dem Heer der Dulder. [Die Zeit, 02.03.1970, Nr. 09]
Plötzlich wirkt er nicht mehr souverän, nicht mehr als Macher, sondern als Dulder. [Der Tagesspiegel, 19.12.2000]
Sie, die Musiker und die Herren von der bildenden Kunst sind gar verschämte Dulder. [Die Fackel [Elektronische Ressource], 2002 [1899]]
Zitationshilfe
„Dulder“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dulder>.

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