Dummerjan, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Dummerjans · Nominativ Plural: Dummerjane
Worttrennung Dum-mer-jan
eWDG

Bedeutung

salopp dummer, törichter Mensch
Beispiel:
die Propheten sollst du sagen, nicht die Lehrbücher, du Dummerjan [ NachbarMond182]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dumm · tumb · Dummheit · verdummen · Dummerjan · Dummkopf · Dümmling · dümmlich
dumm Adj. ‘unwissend, unbegabt, unvernünftig, unangenehm’. Ahd. tumb ‘stumm, taub, töricht, einfältig, unvernünftig, dumm’ (9. Jh.), mhd. tump ‘schwach von Sinnen oder Verstand, dumm, töricht, unerfahren, stumm’ (-mb bzw. -mp werden nhd. assimiliert zu -mm), mnd. dum ‘unerfahren, einfältig, dumm’, mnl. dom, domp, nl. dom, asächs. dumb, afries. dumb ‘stumm’, aengl. dumb ‘stumm’, engl. dumb ‘stumm, sprachlos (vor Staunen)’, anord. dumbr ‘stumm, dumm’, schwed. dum ‘stumm, dumpf, unklar’, got. dumbs ‘stumm’ führen auf germ. *dumba-. Außergerm. Verwandte fehlen, doch die Bedeutungsnähe zu taub läßt an einen Anschluß an ie. *dheubh- ‘stieben, rauchen; neblig, verdunkelt, auch vom Geist und den Sinnen’, eine (im Germ. teilweise nasalierte) Erweiterung der Wurzel ie. *dheu-, *dheu̯ə-, zu der taub, Dunst und toben (s. d.) gehören, denken. Die ältesten Bedeutungen von dumm sind ‘stumm’ und ‘taub’, beide im 17. Jh. noch bekannt; mhd. tump bezeichnet vielfach ‘jugendlich unerfahren, unwissend’, nhd. noch erhalten in dummer Junge. Seit dem 19. Jh. wird dumm ‘unwissend, unbegabt’ oft verstärkt zu saudumm, strohdumm. Die Lautform mhd. tumb bleibt in Einzelfällen im Nhd. (bis ins 17. Jh.) erhalten. Bei der Beschäftigung mit der mhd. Literatur (2. Hälfte 19. Jh.) wird tumb im mittelalterlichen Sinne von ‘arglos, einfältig’ romantisierend wiederbelebt. Dummheit f. ‘Unwissenheit, Mangel an Einsicht, Torheit’, ahd. tumbheit (9. Jh.), mhd. tumpheit. verdummen Vb. ‘dumm werden oder machen’, mhd. vertumben. Dummerjan m. ‘einfältiger Kerl’ (Anfang 17. Jh.), auch Dummrian. Das zur Personenbezeichnung dienende Kompositionssuffix -jan ist aus dem Namen Jan (nd., teilweise auch md., für Johann) hervorgegangen, vgl. vorausgehendes Dummer Jan (16. Jh.). Zugleich lehnt es sich mit Längung des Vokals an ältere latinisierte Scherzbildungen an wie Grobiān(us) (s. Grobian), den Heiligennamen auf lat. -ānus folgend, z. B. Cypriān(us), Damiān(us). S. ähnliche Ausdrücke wie Liederjan, Schlendrian. Dummkopf m. Schimpfwort (18. Jh.). Dümmling m. ‘dummer Mensch’, mhd. tummelinc. dümmlich Adj. ‘dumm, leicht beschränkt’, ahd. tumblīh ‘töricht’ (9. Jh.), mhd. tumplich ‘unverständig, töricht, einfältig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dämlack · Halbgescheiter · Minderbemittelter · Tölpel  ●  Dummerjan  veraltet · Dummkopf  Hauptform · Gonzo  abwertend · ('ne) hohle Nuss  ugs. · (eine) geistige Null  ugs. · Armer im Geiste (bibl.)  geh. · Armleuchter  ugs. · Bekloppter  ugs. · Blitzbirne  ugs., ironisch · Blödel  ugs. · Blödi  ugs. · Blödian  ugs. · Blödmann  ugs. · Dackel  ugs., schwäbisch, abwertend · Denkzwerg  ugs. · Depp  ugs. · Dolm  ugs., österr. · Dulli  ugs. · Dummbart(el)  ugs. · Dummrian  ugs. · Dumpfbacke  ugs. · Dumpfbatz  derb · Dussel  ugs. · Dämel  ugs., regional · Dödel  derb · Dösbaddel  ugs., norddeutsch · Döskopp  ugs., norddeutsch · Eierkopp  ugs., norddeutsch · Eiernacken  ugs. · Einfaltspinsel  ugs. · Esel  ugs. · Flachpfeife  ugs. · Flachwichser  vulg. · Flitzpiepe  ugs., abwertend · Halbdackel  derb, schwäbisch, stark abwertend · Hein Blöd  ugs., regional · Heini  ugs., veraltet · Hirni  ugs. · Hohlbirne  ugs. · Hohlfigur  ugs. · Hohlkopf  ugs. · Holzkopf  ugs. · Honk  ugs. · Hornochse  ugs. · Horst  ugs. · Idiot  derb · Klappspaten  ugs. · Knallcharge  geh. · Knallidiot  ugs. · Knallkopf  ugs. · Kretin  geh., franz. · Lapp  derb, österr. · Napfsülze  ugs. · Narr  geh. · Niete  ugs., fig. · Nullchecker  ugs., jugendsprachlich · Pannemann  ugs. · Pappnase  ugs. · Pfeifenwichs(er)  vulg. · Piesepampel  ugs. · Rindvieh  ugs. · Sacklpicker  ugs., österr. · Schnellmerker  ugs., ironisch · Schwachkopf  ugs. · Schwachmat  ugs. · Spacko  ugs. · Spast  ugs., jugendsprachlich · Spasti  derb · Spaten  ugs. · Spatzenhirn  ugs. · Stoffel  ugs. · Strohkopf  ugs. · Tepp  ugs. · Todel  ugs., österr. · Torfkopf  ugs. · Torfnase  ugs., ostfriesisch · Trottel  ugs. · Tuppe  ugs., kärntnerisch · Volldepp  ugs. · Vollhorst  ugs. · Vollidiot  derb · Vollpfosten  ugs. · Vollspast  derb · Volltrottel  derb · armer Irrer  ugs. · dumme Nuss  ugs. · dummes Schaf  ugs. · dämlicher Hund  ugs., veraltend · en Beschmierten  ugs., ruhrdt. · geistiger Tiefflieger  ugs. · keine Leuchte  ugs. · taube Nuss  ugs. · trübe Tasse  ugs.
Unterbegriffe
  • Religiot · religiöser Idiot
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Dummerjan‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Folgt man diesem Dummerjan, der sich immer wieder selbst die Welt erklären muß und deshalb alles zu spät erfährt und begreift?
Süddeutsche Zeitung, 11.10.1995
Als man sämtliche Neuigkeiten am Klönkasten (Telefon) besprach - und über sämtliche Döspaddel und Dummerjans (Blödmänner) dieser Welt tratschte.
Bild, 09.03.2004
Dann liest Ingo Hülsmann von den Streichen der sprichwörtlichen Dummerjans, die im Lalebuch von 1597 zum ersten Mal aufgezeichnet worden sind.
Die Zeit, 26.07.1999, Nr. 30
Zitationshilfe
„Dummerjan“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dummerjan>, abgerufen am 25.09.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Dummerchen
Dummenfänger
Dummenfang
Dummejungenstreich
Dumme-Jungen-Streich
dummerweise
dummfrech
Dummheit
Dummian
Dummkoller