Durchstecherei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Durchstecherei · Nominativ Plural: Durchstechereien · wird meist im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungDurch-ste-che-rei
HerkunftDer ersten Lesart liegt der niederdeutsche bzw. norddeutsche, heute veraltete Gebrauch von durchstechen i. S. v. ‘betrügerisch handeln’ zugrunde (vgl. Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm – Neubearbeitung. 6. Band. Leipzig: S. Hirzel 1983. Sp. 1751 f.).
Wortzerlegungdurchstechen-erei
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutung

abwertend
a)
Betrügerei (im Amt)
Beispiele:
Erst der Libor-Zinssatz und nun die Wechselkurse – die Durchstechereien und Betrügereien der Großbanken scheinen keine Grenzen zu kennen. [Süddeutsche Zeitung, 01.04.2014]
[…] daneben [neben der offiziellen, gesitteten Seite der Gesellschaft] existiert eine in Jahrzehnten gewachsene Parallelwelt aus Betrug, Durchstecherei, Bestechung. [Der Spiegel, 03.04.2010, Nr. 14]
Betrug, Fälschung und Durchstechereien sind an der Tagesordnung. […] Die […] Deregulierung im Steuerrecht und auf den internationalen Finanzmärkten öffnet den Wirtschaftskriminellen aller Länder Tür und Tor. […] [Die Welt, 12.07.2002]
Die Ausfälle für die öffentlichen Kassen [durch den zweifelhaften Verkauf von öffentlichem Bauland] könnten beträchtlich sein. […] Oft herrscht ein stillschweigendes Einverständnis zwischen den Parteien, die Durchstechereien zu vertuschen. [Der Spiegel, 26.06.1995, Nr. 26]
Immerhin hatte Jelzin im vergangenen Jahr einen Sonderbeauftragten eingesetzt, nachdem die deutsche Presse über Unterschlagungen und Durchstechereien im großen Stil bei den Streitkräften in der ehemaligen DDR berichtet hatte. [Süddeutsche Zeitung, 01.09.1994]
Es handelt sich [bei den Delikten] um die in Gruppen begangenen Durchstechereien in öffentlichen Betrieben, bei denen entweder die ganze Belegschaft oder ein großer Teil zu Lasten des Publikums […] in die eigene Tasche arbeitet. [Die Zeit, 14.05.1965, Nr. 20]
Kollokationen:
in Koordination: Korruption und Durchstecherei
b)
Verrat, heimliche Weitergabe von vertraulichen Informationen, Interna, Geheimnissen (an die Öffentlichkeit, die Presse o. Ä.)
Beispiele:
Dem […]Bericht zufolge kritisierte Schulz […] »Durchstechereien« aus vertraulichen Sitzungen. [Spiegel, 18.12.2017 (online)]
Jetzt gab es wieder Durchstechereien an die Presse. [Welt am Sonntag, 19.06.2011, Nr. 25]
Mit gezielten Durchstechereien an Medien sollte meinem Mandanten geschadet werden. [Der Spiegel, 02.08.2010, Nr. 31]
Vieles wird gezielt gestreut, die innerparteilichen Interessengruppen mit ihren Strategen und die Strippenzieher leisten gute Arbeit. Auch wenn es offiziell heißt, Durchstechereien an Journalisten seien tabu. [Die Zeit, 12.10.2009, Nr. 42]
Zerstört wurden sie [die Berufsethik und die professionellen Maßstäbe des Journalismus] […] mit einer Mischung aus ungesicherten Behauptungen, ungeprüften Beweisen, politisch motivierten Durchstechereien und bis zur Unkenntlichkeit getarnten Quellen. [Süddeutsche Zeitung, 14.02.1998]
Wenn nicht alle Prognosen trügen, wird die CDU nach dieser Wahl erkennen müssen, daß […] Neumann […] mit Durchstecherei [der Verbreitung bestimmter Informationen in der Öffentlichkeit] seinen Bekanntheitsgrad […] enorm steigern konnte […]: bekannt, aber wenig beliebt. [Die Zeit, 26.09.1975, Nr. 40]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: gezielte Durchstechereien

Thesaurus

Synonymgruppe
Durchstecherei · ↗Geheimnisverrat · Weitergabe dienstlicher Informationen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Durchstecherei‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Korruption

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Durchstecherei‹.

Zitationshilfe
„Durchstecherei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Durchstecherei>, abgerufen am 16.02.2020.

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