Dystopie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Dystopie · Nominativ Plural: Dystopien
Aussprache [dʏstoˈpiː]
Worttrennung Dys-to-pie
Wortbildung  mit ›Dystopie‹ als Erstglied: dystopisch
Herkunft zu dys- ‘schlecht’ und tóposgriech (τόπος) ‘Ort’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Film, Kunst, Literatur Darstellung einer möglichen, düsteren Zukunft, die nicht wünschenswert oder erstrebenswert istDWDS
siehe auch Utopie
Beispiele:
Fouriers Gesellschaftsmodell ist so etwas wie der vorweggenommene Gegenentwurf zu Aldous Huxleys Dystopie von der Schönen neuen Welt gleichgeschalteter Hedonisten. [Die Zeit, 30.12.1998, Nr. 1]
Wo bei Habermas das Idealbild des bürgerlichen Salons durch alle Kommunikation hindurchschimmerte, ist es nun die Dystopie eines medialen Bürgerkriegs, der nie entschieden werden kann, weil alle Parteien sich als Partisanen betrachten: ein endloses Nullsummenspiel. [Welt am Sonntag, 15.12.2019, Nr. 50]
Europa, ein Kontinent voller Greise, ist abhängig von Lebensmitteln aus der Ukraine und Strom aus Nordafrika. China dominiert die Welt – und auch das All. Ist das bloß literarische Dystopie oder unsere Zukunft? Nach der Lektüre der Kurzgeschichte »Abschied von der Erde« ist man sich da nicht mehr so sicher. [Die Welt, 20.04.2019]
Der Weg vom Sprachmonopolisten zum Sprachpolizisten ist da nicht mehr weit. So haben Google, Apple und Twitter das Pistolen‑Emoji in wohlfeilem Paternalismus durch ein Wasserpistolen‑Emoji ersetzt, weil sie eine gewaltfreie Kommunikation programmieren und die Nutzer sprachlich entwaffnen wollen. Es erinnert ein wenig an George Orwells Dystopie »1984«[…]« [Süddeutsche Zeitung, 18.12.2018]
Allen Utopien ist per se ein pessimistisches Realitätsbild zu eigen, auch ihren Eutopien genannten positiven Versionen – gehen sie doch notwendigerweise davon aus, dass die bestehenden Verhältnisse verbesserungswürdig und ‑fähig sind. Der niederländische Utopie‑Philosoph Frederik L. Polak […] macht […] evident, wie fest jede utopische Idee in ihrer Entstehungszeit verwurzelt ist, denn was More als erstrebenswert erschien, muss sich den Lesern einer weiterentwickelten Welt eher als Dystopie, also negative Utopie, darstellen. [Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2000]
2.
Medizin das Vorkommen von Organen an ungewöhnlichen Stellen
Beispiele:
Der Begriff der Dystopie, der heute weitgehend als Synonym für negative Utopien gebraucht wird, bezeichnet in der Medizin die Fehllagerung von Organen. [Hörspielkritik, 13.11.2014, aufgerufen am 14.09.2018]
Das Video »Autoporträt« zeigt eine scheinbar makellose Frau, deren Kopf durch Dystopie grotesk entstellt ist. Das Gesicht hat keine Augen, dafür zwei Münder; der eine erzählt ein deutsches, der andere ein bosnisches Märchen. [Süddeutsche Zeitung, 24.02.2000]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Gegenutopie · negative Utopie · pessimistische Utopie · schwarze Utopie  ●  Anti-Utopie  bildungssprachlich · Antiutopie  bildungssprachlich · Dystopie  bildungssprachlich · Kakotopie  selten · Mätopie  selten
Antonyme
  • Dystopie  bildungssprachlich
Zitationshilfe
„Dystopie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Dystopie>, abgerufen am 24.10.2021.

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