Ebenmaß, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Ebenmaßes · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Eben-maß
Wortzerlegung eben1 Maß1
Wortbildung  mit ›Ebenmaß‹ als Erstglied: ebenmäßig
eWDG

Bedeutung

schönes Gleichmaß
Beispiele:
das Ebenmaß der Glieder, des Baues, Ganges
ein klassisches, ruhiges, schönes, harmonisches, vollendetes Ebenmaß
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

eben · Ebene · ebenbürtig · Ebenmaß · ebnen
eben Adj. ‘flach, ohne Erhebung’, Adv. ‘gerade, genau’, ahd. eban(i) ‘glatt, flach, gleich, gleichmäßig, gerecht, gerade (von Zahlen)’ (8. Jh.), mhd. eben, ebene, asächs. eƀan, mnd. ēven(e), effen, mnl. nl. effen, even, aengl. efen, engl. even, anord. jafn, jamn, schwed. jämn, got. ibns, germ. *ebna-. Zu Beginn der Überlieferung stehen für alle germ. Adjektivformen die Bedeutungen ‘gleich’ und ‘eben, flach’ (eigentlich ‘gleich hoch’) nebeneinander, nur im Got. sind sie durch unterschiedliche Flexion getrennt (stark flektierendes ibns ‘eben, flach’, schwach flektierendes ibna ‘gleich’). Im Nhd. lebt die Bedeutung ‘gleich’ nur noch in Zusammensetzungen wie Ebenbild (s. Bild), ebenbürtig, Ebenmaß (s. unten) fort. Sehr stark entwickelt sich der adverbiale Gebrauch in Verwendungen wie ‘gleichmäßig, in gleicher Weise, genau entsprechend’ und ‘gerade, genau’, so namentlich in Verbindung mit Demonstrativpronomina und Adverbien, vgl. ebender, ebenda, ebendort. Durch Bezug auf Zeitausdrücke nimmt eben bereits mhd. temporalen Sinn an ‘im unmittelbar vorangegangenen Augenblick’, aber auch ‘jetzt gerade, in diesem Augenblick’; es wird ferner alleinstehend sowohl bestätigend (eben!) wie verstärkend (eben deshalb) gebraucht. Weitgehend abgeblaßt wird es in unbetonter Stellung für ‘(nun) einmal, halt’ verwendet. Die Herkunft des germ. Adjektivs mit dem Suffix ie. -no- ist nicht geklärt. Man erwägt Verbindung mit mir. emon, emuin ‘Zwillingspaar’ und darüber hinaus mit aind. yamáḥ, awest. yə̄ma- ‘Zwilling’ sowie aind. yácchati ‘hält, lenkt, leitet, reicht dar’ (Aorist yámati), so daß das germ. Adjektiv zu einer Wurzel ie. *i̯em(ə)- ‘halten, zusammenhalten, paaren, bezwingen’ gestellt werden könnte. Andere Überlegungen gehen von der adverbialen Akkusativform ie. *im des Pronominalstamms ie. *i- (s. er, es) aus. Die Befürwortung solcher Herleitungen hängt auch davon ab, ob man (germ. -b- auf -m- zurückführend) auf Grund der germ. Lautverhältnisse ererbtes germ. *imna- oder *emna- voraussetzt. Ebene f. ‘unbegrenzte, nirgends gekrümmte Fläche, flaches Land’, ahd. ebanī f. ‘glatte Fläche, flaches Land’ (8. Jh.), daneben ebani n. ‘Gleichheit, Ebenmäßigkeit’ (9. Jh.), mhd. ebene ‘flaches Land, Gleichmäßigkeit’; im mathematischen Sinne (16. Jh.) für mlat. planum. ebenbürtig Adj. ‘von gleich hoher Geburt’, mhd. ebenbürtec. Ebenmaß n. ‘Gleichmaß’, mhd. ebenmāʒ; vgl. ahd. ebanmāʒa f. (Hs. 12. Jh.), mhd. ebenmāʒe. ebnen Vb. ‘eben machen’, ahd. ebanōn (8. Jh.), mhd. ebenen ‘gleichmachen, vergleichen’. In neuerer Sprache oft bildlich jmdm. die Wege ebnen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Anmut · Ebenmaß · Grazie · Liebreiz · Reiz · Schönheit  ●  Ästhetik  geh.
Synonymgruppe
Ausgewogenheit · Ebenmaß · Eurhythmie · Harmonie · Wohlproportioniertheit · rechtes Verhältnis

Typische Verbindungen zu ›Ebenmaß‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ebenmaß‹.

Verwendungsbeispiele für ›Ebenmaß‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das macht keinen Sinn, dafür aber das musikalische Ebenmaß des Quartetts kaputt. [Der Spiegel, 07.12.1981]
Gerade die griechische Sprache ist wegen ihres Ebenmaßes und der Klarheit der Form hervorragend leicht. [Thoma, Ludwig: Lausbubengeschichten. In: ders., Lausbubengeschichten, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1961 [1905], S. 118]
In dem „wunderbaren, riesigen Bau", berichteten sie, gebe es „weder Ordnung noch Ebenmaß". [Die Zeit, 08.12.1989, Nr. 50]
Oben, an der Stirnseite des Saales, steht immer ein nacktes Mädchen von wundervollem Ebenmaß der Formen. [Kisch, Egon Erwin: Der rasende Reporter, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1925], S. 111]
Ihr Ideal ist das Ebenmaß, das Verschmelzen der Stimmen im Unisono. [Die Zeit, 21.10.1994, Nr. 43]
Zitationshilfe
„Ebenmaß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ebenma%C3%9F>.

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