Ehrfurcht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungEhr-furcht
Wortbildung mit ›Ehrfurcht‹ als Erstglied: ↗ehrfurchtgebietend · ↗ehrfurchtsgebietend · ↗ehrfurchtslos · ↗ehrfurchtsvoll · ↗ehrfurchtvoll
 ·  mit ›Ehrfurcht‹ als Grundform: ↗ehrfürchtig
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben Scheu, die auf großer Hochachtung für jmdn., etw. beruht
Beispiele:
in heiliger, tiefer, wahrer Ehrfurcht
mit Ehrfurcht jmdm. nahen, von jmdm., etw. sprechen
vor Ehrfurcht verstummen, flüstern, die Stimme senken
die Ehrfurcht gebietet, fordert Schweigen
eine Ehrfurcht gebietende, einflößende Erscheinung
die Ehrfurcht vor dem Leben, Tode, vor dem Schönen
gehoben jmdm. Ehrfurcht bezeigen
in liebender Ehrfurcht aufblicken zu dem Erzeuger [Th. MannJoseph4,392]
Andreas erschauerte vor Ehrfurcht [H. MannSchlaraffenland1,25]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ehre · ehren · ehrlich · ehrbar · ehrsam · ehrfürchtig · Ehrfurcht · ehrwürdig · Ehrwürden · Ehrenmann · Ehrenpreis · ehrenrührig · Ehrenwort
Ehre f. ‘äußeres Ansehen, Wertschätzung durch andere Menschen, Selbstachtung’, ahd. ēra ‘Ansehen, Wertschätzung, Berühmtheit, Würde, Zierde, Ehrfurcht, Verehrung’ (8. Jh.), mhd. ēre ‘Ehrerbietung, Zierde, Ansehen, Ruhm, Sieg, Herrschaft, Ehrgefühl, ehrenhaftes Benehmen’, asächs. ēra, mnd. mnl. ēre, nl. eer, afries. ēre, aengl. ār ‘Ehre, Würde, Ruhm, Achtung, Verehrung, Gnade, Mitleid, Besitz, Einkommen’, anord. eir ‘Gnade, Milde, Hilfe’ (germ. *aizō) werden auf eine Wurzel ie. *ais- ‘ehrfürchtig sein, verehren’ zurückgeführt, deren Erweiterung, mit einem ursprünglich wohl präsensbildenden d ie. *aizd-, *izd-, in aind. ī́ṭṭē ‘verehrt, preist’, got. aistan ‘sich scheuen, achten’ (sofern dies nicht mit ie. t-Suffix gebildet ist) und wohl auch in griech. á͞idesthai, aidé͞isthai (αἴδεσθαι, αἰδεῖσθαι) ‘scheuen, verehren’, aidṓs (αἰδώς) ‘Ehrfurcht, Scheu, Scham’ vorliegt. Mittelalterliche Auffassung verbindet mit Ehre vornehmlich das äußere Ansehen in Gestalt von ‘Ruhm, Anerkennung’ (daher mhd. oft im Plural wie noch heute in den Wendungen mit Ehren, zu Ehren, ehrenhalber); später entwickelt sich Ehre zum sittlichen Begriff, wird oft als ‘Selbstachtung’ verstanden; vereinzelt begegnet es in diesem Sinne bereits im Ahd. (Notker, um 1000). ehren Vb. ‘Ehre erweisen, achten, anerkennen’, ahd. ērēn (8. Jh.), mhd. ēren. ehrlich Adj. ‘zuverlässig, aufrichtig, redlich’, heute meist im Gegensatz zu betrügerisch; dagegen ahd. ērlīh (um 800), mhd. ērlich ‘ehrenvoll, ruhmreich, ansehnlich, vornehm’. ehrbar Adj. ‘achtenswert, ehrenhaft’, mhd. ērbære. ehrsam Adj. ‘ehrbar, sittsam’, ahd. (10. Jh.), mhd. ērsam. ehrfürchtig Adj. ‘Ehrfurcht, hohe Achtung empfindend’ (16. Jh.), dazu die Rückbildung Ehrfurcht f. ‘Hochachtung’ (Ende 16. Jh.). ehrwürdig Adj. ‘Ehrerbietung einflößend’, ahd. ērwirdīg (8. Jh.), mhd. ērwirdec (s. ↗würdig); dazu Ehrwürden Anrede für geistliche Personen, Angehörige katholischer Orden, frühnhd. euer Ehrwürden (2. Hälfte 15. Jh.), zu ahd. ērwirdī ‘Ehrerweisung, Ehrerbietung, Rücksicht’ (um 800), mhd. ēwirde, frühnhd. erwirde (16. Jh.). Ehrenmann m. ‘ehrenhafter Mensch’ (2. Hälfte 15. Jh.; zuerst in Schweiz. Quellen, danach im Obd.), eventuell Übersetzung von lat. vir honestus. Ehrenpreis n. m. als Heilpflanze verwendeter Rachenblütler mit kleinen blauen Blüten (15. Jh.), wegen seiner Heilkraft zu ↗preisen und zu ↗ehren (Marzell 4, 1079). ehrenrührig Adj. ‘das Ehrgefühl verletzend, beleidigend’ (15./16. Jh.); vgl. mnd. ērenrȫrich; daneben frühnhd. ehr(en)rührend (16. Jh.). Ehrenwort n. ‘feierliches Versprechen’, eigentlich gegen Verpfändung der Ehre (um 1700), zuvor ‘ehrendes Wort, Huldigung, respektvolle Anrede’ (16. Jh.), spätmhd. ērwort ‘höfliche Rede’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Achtung · Ehrfurcht · ↗Respekt
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Achtung Andacht Bewunderung Bildungsziel Dankbarkeit Demut Gehorsam Gott Heiliger Hochachtung Respekt Schauder Schauer Scheu Schock Schöpfung Staunen Verehrung einflößen erschauern erstarren ersterben flößen geboten gebührend mitschwingen schaudernd scheu verneigen übertrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ehrfurcht‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und sie sprechen voller Ehrfurcht von dieser "kleinen großen Frau".
Die Welt, 15.05.2000
Noch immer nähert er sich seinem Instrument mit einer ungeheuren Ehrfurcht.
Der Tagesspiegel, 05.11.1999
Ich war fromm erzogen, mit großer Ehrfurcht vor Gottes Welt.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 193
Denn er hatte eine tiefe Ehrfurcht vor dem lebendigen Wesen.
Penzoldt, Ernst: Die Powenzbande, Darmstadt: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1960 [1930], S. 378
Eine tiefe Ehrfurcht vor dem Schaffen der Dichter erfüllte mich von je her.
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 5171
Zitationshilfe
„Ehrfurcht“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ehrfurcht>, abgerufen am 19.04.2019.

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