Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Eiertanz, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Eiertanzes · Nominativ Plural: Eiertänze
Aussprache 
Worttrennung Ei-er-tanz
Wortzerlegung Ei Tanz
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft sehr vorsichtiges, gewundenes Verhalten in heikler Situation
Beispiel:
einen (wahren) Eiertanz um jmdn., etw. vollführen, aufführen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ei · Eigelb · Eiweiß · Eierkopf · Eierkuchen · Eierstock · Eiertanz · eiern1 · eiern2
Ei n. aus Schale, Eiweiß und Eigelb bestehendes Hühner-, Vogelei, ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnl. nl. ei, mnd. ey, aengl. ǣg (engl. egg aus dem Anord.), anord. egg, schwed. ägg führen auf germ. *ajjam bzw. (wegen des r-Plurals im Aengl. und im Hd.) auf *ajjaz. Der anlautende Vokal kann auf eine schwundstufige Form (ie. ə) zurückgehen oder Kürzung des im Germ. zu ā gewordenen ie. ō sein, das sich in den Formen verwandter Sprachen findet, griech. ōón (ᾠόν), lat. ōvum, kymr. wy, aslaw. ajьce, russ. jajcó (яйцо). Als Ausgangsformen können für diese Sprachen im wesentlichen ie. *ōu̯i̯om, daraus gekürztes *ōi̯om, und wohl auch *ōu̯om angesetzt werden. Zweifellos besteht eine Verbindung zu ie. *əu̯ei- (oder *au̯(e)i-?), *u̯(e)i- ‘Vogel’ in aind. vḗḥ, vī́ḥ, lat. avis ‘Vogel’, wahrscheinlich auch griech. aietós (αἰετός) ‘Adler’. Je nach Beurteilung des Ablautverhältnisses im Rahmen der ie. Wortbildung wäre danach Ei ursprünglich ‘das zum Vogel Gehörige’ oder der Vogel das ‘Eiertier’. Anders Schindler in: Die Sprache 15 (1969) 166, der für seinen Ansatz ie. *ō-ə̯ui̯-óm ‘Ei’, eigentlich ‘das beim Vogel Befindliche’, von einer präpositionalen Verbindung (mit ie. ‘nahe bei’, s. Ohnmacht) ausgeht. Schon früh wird ‘Vogelei’ auf die Eier anderer Tiere (Insekten, Reptilien, Fische) sowie allgemein auf die weibliche Keimzelle übertragen. Eigelb n. ‘Dotter’ (18. Jh.), älter Eiergelb (Ayer-gelb, 17. Jh.). Eiweiß n. (18. Jh.), frühnhd. Eierweiß (ayger wys, 15. Jh.), ursprünglich ‘das Weiße im gekochten Ei’, dagegen mhd. eierklār ‘das Weiße im rohen Ei’; in der Chemie für eine organische Verbindung aus Kohlen-, Wasser-, Sauer-, Stickstoff (19. Jh.). Eierkopf m. länglich ovale Kopfform, Person mit eiförmigem Kopf, auch Schimpfwort ‘Dummkopf’ (19. Jh.); spöttisch ‘Akademiker, Intellektueller’, Übersetzungswort von gleichbed. amerik.-engl. egghead (Mitte 20. Jh.). Eierkuchen m. ‘in der Pfanne gebackener Teig aus Eiern, Mehl und Milch, Omelett’ (nordd.), mhd. eierkuoche. Eierstock m. ‘weibliche Keimdrüse’ (1. Hälfte 16. Jh.) für gleichbed. mlat. ovarium. Stock hier im Sinne von ‘Menge, Masse, Vorrat’ (s. d.). Eiertanz m. ‘Tanz mit verbundenen Augen zwischen ausgelegten Eiern’ (17. Jh.), heute übertragen ‘vorsichtiges, gewundenes Verhalten in heikler Situation’. eiern1 Vb. ‘Eier legen’, spätmhd. aiern. eiern2 Vb. ‘unregelmäßig rotieren’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Schlingerkurs (polit.) · unklare Haltung  ●  Hin und Her  fig. · Schaukelpolitik  fig. · Zickzackkurs  fig. · Eiertanz  ugs. · nicht wissen, was man will  ugs.
Assoziationen
  • (jegliche) Festlegung(en) vermeiden · (sich) nicht festlegen · keine vorschnelle Entscheidung treffen  ●  (sich) alle Türen offen halten  fig.
  • (sich) nicht sicher · ratlos · unentschieden · unentschlossen · unschlüssig  ●  (auch) nicht wissen, wie es weitergeht  ugs. · indifferent  geh.
  • (ein ständiges) Hin und Her · (wieder) Kommando zurück · heute so (und) morgen so  ●  (jemand) weiß (auch) nicht, ob er warm oder kalt ist  ugs., Redensart · (jemand) weiß (auch) nicht, was er will  ugs. · mal hü(h) und mal hott sagen  ugs., Spruch, variabel · mal so, mal so  ugs. · man weiß nicht, woran man ist (bei jemandem)  ugs. · rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln  ugs., Spruch, variabel

Typische Verbindungen zu ›Eiertanz‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Eiertanz‹.

Verwendungsbeispiele für ›Eiertanz‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kurz selber klärt uns über den Zweck seines theoretischen Eiertanzes auf. [konkret, 1995]
Oder wird es doch nur beim freudlosen Eiertanz um den Status quo bleiben? [Die Zeit, 14.06.1968, Nr. 24]
Nach mehr als zehn Jahren politischem Eiertanz wird wohl noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen müssen. [Die Welt, 06.10.1999]
Die Spieler haben die Nase voll von dem "Eiertanz" um ihren Trainer. [Bild, 24.02.2004]
Mit gemeinsamen Regelungen und föderalistischen Strukturen klarzukommen, das ist ein Eiertanz hoch drei. [Süddeutsche Zeitung, 09.11.1994]
Zitationshilfe
„Eiertanz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Eiertanz>.

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