Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Eifer, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Eifers · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Ei-fer
Wortbildung  mit ›Eifer‹ als Erstglied: Eifersucht · eifervoll · eifrig
 ·  mit ›Eifer‹ als Letztglied: Arbeitseifer · Baueifer · Bekehrungseifer · Biereifer · Bildungseifer · Diensteifer · Feuereifer · Glaubenseifer · Jagdeifer · Kampfeseifer · Lerneifer · Pflichteifer · Reformeifer · Religionseifer · Sammeleifer · Spieleifer · Wetteifer · Übereifer
eWDG

Bedeutung

ernstliches, emsiges Bemühen
Beispiele:
(einen) löblichen, lobenswerten Eifer zeigen, an den Tag legen
mit großem, ehrlichem, kindlichem, rührendem, doppeltem, unermüdlichem, zornigem, wildem, glühendem, verbissenem, übertriebenem, fanatischem Eifer an eine Arbeit, ans Werk gehen
in Eifer geraten
sich in Eifer reden
er war in seinem Eifer zu weit gegangen
saloppsich vor Eifer umbringen, überschlagen wollen
sie war heiß vor Eifer, war voller Eifer
jmds. Eifer anspornen, anstacheln
sein Eifer hat nachgelassen, ist erlahmt, erkaltet, lässt zu wünschen übrig
sprichwörtlichblinder Eifer schadet nur
Sie war ganz Eifer [ FalladaJeder stirbt232]
[ich] sag' euch Dank für euren Eifer [ SchillerStuartII 3]
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlichim Eifer des Gefechts (= in der Hast des Augenblicks) etw. vergessen, liegenlassen, falsch machen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Eifer · eifrig · eifern · sich ereifern · nacheifern · wetteifern · Eifersucht · eifersüchtig
Eifer m. ‘ernsthaftes Bemühen, leidenschaftliches Verfolgen eines Zieles’ gehört zu einer im Obd. seit Mitte des 14. Jhs. nachzuweisenden Wortfamilie (am frühesten bezeugt ist Eiferer m. ‘wer eifersüchtig ist’, mhd. eifrær), deren etymologische Herleitung unbekannt ist; gewöhnlich wird Zusammenhang mit dem dazu im Ablautverhältnis stehenden Adjektiv ahd. eibar, eivar ‘scharf, bitter, widerwärtig, heftig’ (8. Jh., wovon ahd. eivar n. ‘Bitteres, Erbitterung’, eivarī f. ‘Bitterkeit, Erbitterung’, beide um 1000), aengl. āfor ‘bitter, herb, heftig’ (zu ie. *ā̌i- ‘brennen, leuchten’?) angenommen; vgl. in jüngerer Zeit noch nsächs. und fachsprachlich eifer ‘bitter, scharf’. Das Substantiv Eifer, zuerst in der 2. Hälfte des 15. Jhs. für ‘Eifersucht’ (zu eifern als postverbale Ableitung?), findet durch Luthers Bibelübersetzung Eingang in die nhd. Literatursprache. Luther verwendet es mit der Bedeutung ‘aus Sorge und liebevoller Anteilnahme erwachsende zornige Erregung’ zur Wiedergabe von griech.-lat. zēlus und begründet diese Entscheidung ausdrücklich. Hieraus geht der heutige Gebrauch hervor, während der ursprüngliche Sinn ‘Eifersucht’ im 18. Jh. zurücktritt. – eifrig Adj. ‘mit Eifer tätig, emsig’ (15. Jh., anfangs und vereinzelt bis ins 17. Jh. in der Bedeutung ‘eifersüchtig’), im Frühnhd. meist eiferig neben Bildungen wie eiferisch, eifericht. eifern Vb. ‘heftig und mit blinder Leidenschaft für oder gegen etw. sprechen’ (frühnhd. ‘eifersüchtig sein’, Anfang 15. Jh.); im Unterschied zu Eifer (s. oben) behält eifern seinen tadelnden Beiklang, ebenso das jetzt geläufigere Verb sich ereifern ‘in Eifer geraten, sich erregen’ (17. Jh.); dagegen folgen die Verben nacheifern ‘einem Vorbild gleichzukommen suchen’ (16. Jh.) und wetteifern ‘jmdn. an Eifer überbieten wollen’ (17. Jh., aus um die Wette eifern) der semantischen Entwicklung des Substantivs. Eifersucht f. ‘Angst vor Zurücksetzung in der Liebe’, dann auch allgemeiner ‘Streben nach Alleinbesitz, Argwohn’; die Zusammensetzung (zum zweiten Glied s. Sucht) tritt im 16. Jh. an die Stelle von Eifer nach dessen Bedeutungswandel (s. oben); dazu eifersüchtig Adj. (17. Jh.) für älteres eifrig (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dynamik · Eifer · Energie · Heftigkeit · Leidenschaft · Leidenschaftlichkeit · Passion · Tatkraft  ●  Feuer  fig. · Herzblut  fig. · Energeia  fachspr., griechisch · Verve  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Eifer · Intension · Kraft
Synonymgruppe
Eifer (gegen)  ●  Wüten (gegen)  Hauptform · Furor (gegen)  geh.

Typische Verbindungen zu ›Eifer‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Eifer‹.

Verwendungsbeispiele für ›Eifer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Geld kann von Gott genauso entfernen wie blinder politischer Eifer. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 145]
Am ersten Tage also beginnt ihr ganzer Eifer sich zu entfalten. [Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 177]
Mit glühendem Eifer, der mich alles andere vergessen ließ, bereitete ich das schönste Fest des Jahres vor. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1427]
Dabei tanzte man unermüdlich mit einem erwartungsvollen Eifer, als gelte es, das Vergnügen schließlich doch einzuholen. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 5037]
Vom pädagogischen Eros gerittener Eifer ließ das Kind im Bade befürchten, ausgeschüttet zu werden. [Die Zeit, 20.05.1999, Nr. 21]
Zitationshilfe
„Eifer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Eifer>.

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