Eifer, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Eifers · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungEi-fer (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Eifer‹ als Erstglied: ↗Eifersucht · ↗Eifersüchtelei · ↗eifervoll · ↗eifrig
 ·  mit ›Eifer‹ als Letztglied: ↗Arbeitseifer · ↗Baueifer · ↗Biereifer · ↗Bildungseifer · ↗Diensteifer · ↗Feuereifer · ↗Glaubenseifer · ↗Jagdeifer · ↗Kampfeseifer · ↗Lerneifer · ↗Pflichteifer · ↗Reformeifer · ↗Religionseifer · ↗Sammeleifer · ↗Spieleifer · ↗Wetteifer · ↗Übereifer
eWDG, 1967

Bedeutung

ernstliches, emsiges Bemühen
Beispiele:
(einen) löblichen, lobenswerten Eifer zeigen, an den Tag legen
mit großem, ehrlichem, kindlichem, rührendem, doppeltem, unermüdlichem, zornigem, wildem, glühendem, verbissenem, übertriebenem, fanatischem Eifer an eine Arbeit, ans Werk gehen
in Eifer geraten
sich in Eifer reden
er war in seinem Eifer zu weit gegangen
salopp sich vor Eifer umbringen, überschlagen wollen
sie war heiß vor Eifer, war voller Eifer
jmds. Eifer anspornen, anstacheln
sein Eifer hat nachgelassen, ist erlahmt, erkaltet, lässt zu wünschen übrig
sprichwörtlich blinder Eifer schadet nur
Sie war ganz Eifer [FalladaJeder stirbt232]
[ich] sag' euch Dank für euren Eifer [SchillerStuartII 3]
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlich im Eifer des Gefechts (= in der Hast des Augenblicks) etw. vergessen, liegenlassen, falsch machen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Eifer · eifrig · eifern · sich ereifern · nacheifern · wetteifern · Eifersucht · eifersüchtig
Eifer m. ‘ernsthaftes Bemühen, leidenschaftliches Verfolgen eines Zieles’ gehört zu einer im Obd. seit Mitte des 14. Jhs. nachzuweisenden Wortfamilie (am frühesten bezeugt ist Eiferer m. ‘wer eifersüchtig ist’, mhd. eifrær), deren etymologische Herleitung unbekannt ist; gewöhnlich wird Zusammenhang mit dem dazu im Ablautverhältnis stehenden Adjektiv ahd. eibar, eivar ‘scharf, bitter, widerwärtig, heftig’ (8. Jh., wovon ahd. eivar n. ‘Bitteres, Erbitterung’, eivarī f. ‘Bitterkeit, Erbitterung’, beide um 1000), aengl. āfor ‘bitter, herb, heftig’ (zu ie. *ā̌i- ‘brennen, leuchten’?) angenommen; vgl. in jüngerer Zeit noch nsächs. und fachsprachlich eifer ‘bitter, scharf’. Das Substantiv Eifer, zuerst in der 2. Hälfte des 15. Jhs. für ‘Eifersucht’ (zu eifern als postverbale Ableitung?), findet durch Luthers Bibelübersetzung Eingang in die nhd. Literatursprache. Luther verwendet es mit der Bedeutung ‘aus Sorge und liebevoller Anteilnahme erwachsende zornige Erregung’ zur Wiedergabe von griech.-lat. zēlus und begründet diese Entscheidung ausdrücklich. Hieraus geht der heutige Gebrauch hervor, während der ursprüngliche Sinn ‘Eifersucht’ im 18. Jh. zurücktritt. eifrig Adj. ‘mit Eifer tätig, emsig’ (15. Jh., anfangs und vereinzelt bis ins 17. Jh. in der Bedeutung ‘eifersüchtig’), im Frühnhd. meist eiferig neben Bildungen wie eiferisch, eifericht. eifern Vb. ‘heftig und mit blinder Leidenschaft für oder gegen etw. sprechen’ (frühnhd. ‘eifersüchtig sein’, Anfang 15. Jh.); im Unterschied zu Eifer (s. oben) behält eifern seinen tadelnden Beiklang, ebenso das jetzt geläufigere Verb sich ereifern ‘in Eifer geraten, sich erregen’ (17. Jh.); dagegen folgen die Verben nacheifern ‘einem Vorbild gleichzukommen suchen’ (16. Jh.) und wetteifern ‘jmdn. an Eifer überbieten wollen’ (17. Jh., aus um die Wette eifern) der semantischen Entwicklung des Substantivs. Eifersucht f. ‘Angst vor Zurücksetzung in der Liebe’, dann auch allgemeiner ‘Streben nach Alleinbesitz, Argwohn’; die Zusammensetzung (zum zweiten Glied s. ↗Sucht) tritt im 16. Jh. an die Stelle von Eifer nach dessen Bedeutungswandel (s. oben); dazu eifersüchtig Adj. (17. Jh.) für älteres eifrig (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dynamik · Eifer · ↗Energie · ↗Heftigkeit · ↗Leidenschaft · ↗Leidenschaftlichkeit · ↗Passion · ↗Tatkraft  ●  ↗Feuer  fig. · ↗Herzblut  fig. · ↗Energeia  fachspr., griechisch · ↗Verve  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Eifer · ↗Einsatz · ↗Engagement · ↗Hingabe · ↗Hingebung · ↗Schaffensfreude · ↗Tatendrang  ●  ↗Inbrunst  geh.
Unterbegriffe
  • übertriebener Eifer  ●  ↗Biereifer  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Beflissenheit · Eifer · ↗Emsigkeit · ↗Fleiß · ↗Tüchtigkeit
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Eifer · ↗Intension · ↗Kraft

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fleiß Gefecht Konvertit Zorn besonder blind bremsen detektivisch erlahmen fanatisch fromm glühend heilig ideologisch inquisitorisch jugendlich messianisch missionarisch nachlassen nachlassend patriotisch pädagogisch reformatorisch reformerisch religiös revolutionär rührend unermüdlich verbissen übertrieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Eifer‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er stolpert über seinen eigenen Eifer, der Ball ist weg.
Süddeutsche Zeitung, 24.03.2001
Mit erschreckendem Eifer lieferte sie rund 300 Juden an die Gestapo aus.
Der Tagesspiegel, 08.05.2000
Geld kann von Gott genauso entfernen wie blinder politischer Eifer.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 145
Der Eifer in der Ausübung der Kunst geht mit der Herstellung immer vollendeterer Instrumente Hand in Hand.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 28893
Schließlich erklärte man sich mit unserem Plan einverstanden, aber großen Eifer zu seiner Durchführung entwickelte man nicht.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 7831
Zitationshilfe
„Eifer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Eifer>, abgerufen am 26.08.2019.

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