Eigenheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Eigenheit · Nominativ Plural: Eigenheiten
Aussprache
WorttrennungEi-gen-heit
Wortzerlegungeigen-heit
Wortbildung mit ›Eigenheit‹ als Letztglied: ↗Familieneigenheit · ↗Künstlereigenheit · ↗Spracheigenheit
eWDG, 1967

Bedeutung

das Seltsame, Merkwürdige, Wunderliche an einem Menschen, einer Sache
Beispiele:
die Eigenheiten der Mitmenschen
sich [Dativ] allerlei Eigenheiten angewöhnen
seine mundartlichen Eigenheiten ablegen, abstreifen
es ist seine Eigenheit, dich beim Sprechen nicht anzusehen
kleine, weltfremde, seltsame, merkwürdige, wunderliche Eigenheiten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

eigen · Eigen · eigens · eigentlich · Eigenheit · Eigenschaft · Eigenschaftswort · Eigentum · Eigentümer · eigentümlich · Eigenbrötler · Eigenname · eigensinnig · Eigensinn
eigen Adj. ‘jmdm. (als Besitz) gehörend’, dann ‘einer Person oder Sache ausschließlich zukommend, für sie charakteristisch’ und daher auch ‘von besonderer Art, seltsam’, ahd. eigan (8. Jh.), mhd. eigen, asächs. ēgan, mnd. ēgen, mnl. eighen, eighijn, nl. eigen, afries. ēgen, ēin, aengl. āgen, engl. own, anord. eiginn, schwed. egen (got. nur aigin n. ‘Eigentum’, s. unten Eigen), ursprünglich Part. Prät. eines gemeingerm. Präteritopräsens mit der Bedeutung ‘haben, besitzen’, ahd. eigan, mhd. (vereinzelt) eigen, asächs. ēgan, aengl. āgan, engl. to own, anord. eiga, schwed. äga, got. *aigan (1. Pers. Sing. aih mit gammatischem Wechsel). Diesem Verb zugrundeliegendes germ. *aig-, *aih- (s. auch ↗Fracht) steht im Ablautverhältnis zu aind. ī́śē (wohl einem ursprünglich reduplizierenden Perfekt *i-iś-ai) ‘hat zu eigen, besitzt, beherrscht’ und läßt sich mit diesem sowie awest. aēšā- ‘Vermögen, Können, Habe, Eigentum’, toch. B aik- ‘kennen, wissen’ auf eine Wurzel ie. *ēik̑- oder *eik̑- ‘zu eigen haben, vermögen’ zurückführen. Absolute Verwendung des partizipialen Adjektivs ‘in Besitz befindlich’ findet sich (in bezug auf Personen) noch in mhd. eigen ‘unfrei’ (wozu leibeigen, s. ↗Leib). Eigen n. ‘Eigentum, Grundbesitz’, ahd. eigan (9. Jh.), mhd. eigen. Die gemeingerm. Substantivierung der neutralen Form des Adjektivs ist auch erhalten in Wendungen wie zu eigen haben, sich zu eigen machen, sein eigen nennen, etw. ist sein eigen, wo eigen jetzt adjektivisch aufgefaßt wird. eigens Adv. ‘besonders, ausdrücklich’ (17. Jh.), zum Adjektiv eigen mit adverbialem -s gebildet (bis Mitte 19. Jh. auch eigends mit dentalem Gleitlaut). eigentlich Adj. ‘ursprünglich, wirklich’, als Adverb ‘in Wirklichkeit, genaugenommen’ und häufig partikelhaft ‘denn, überhaupt’, mhd. eigenlich Adj. ‘eigentümlich, eigen, leibeigen, ausdrücklich’, eigenlīche Adv. ‘als Eigentum, ausdrücklich, bestimmt’; Einfügung des Gleitlauts -t- (wie z. B. in ↗öffentlich, ↗ordentlich, s. d.) vereinzelt schon mhd. und allgemein im Frühnhd. Eigenheit f. ‘auffällige Besonderheit’, mhd. eigenheit ‘Eigenschaft, Eigentümlichkeit’, frühnhd. selten, in pietistischen Schriften des 17./18. Jhs. als ‘Ichbezogenheit, auf die eigene Person gerichteter Sinn’ abgelehnt, seit Ende des 18. Jhs. verbreiteter, besonders im Sinne von ‘Originalität’. Eigenschaft f. ‘charakteristisches Merkmal, Wesenszug’, ahd. eiganscaft (Hs. 12. Jh.), mhd. eigenschaft ‘Eigentum, Eigentümlichkeit’, mhd. auch ‘Leibeigenschaft’; alle diese Bedeutungen noch frühnhd., daneben entsteht aus ‘Eigentümlichkeit’ vom Mhd. an der heutige Sinn; dazu Eigenschaftswort n. als Verdeutschung für ↗Adjektiv (s. d.) von Adelung (1781) eingeführt (statt Beiwort, Gueintz 1641, Gottsched 1730). Eigentum n. ‘was jmdm. gehört’, juristisch (im Unterschied zu ↗Besitz, s. d.) ‘was jmds. rechtlicher Verfügungsgewalt unterliegt’, mhd. eigentuom ‘Eigentum, Besitz’; dazu Eigentümer m. ‘wer rechtmäßig über etw. verfügen kann’ (15. Jh.) und eigentümlich Adj. ‘für eine Person oder Sache charakteristisch’, auch ‘seltsam, merkwürdig’ (16. Jh., zuvor, seit 15. Jh.) ‘jmdm. als Besitz gehörend’. Eigenbrötler m. auch Eigenbrödler ‘Sonderling, Einzelgänger’, literatursprachlich seit dem ersten Viertel des 19. Jhs., zuvor im Alem. ‘einen selbständigen Haushalt führender Junggeselle’ (ursprünglich ‘wer selbst sein Brot bäckt’, vgl. mhd. eigen brōt ‘eigenes Hauswesen’ und frühnhd. einbrodig ‘sein eigenes Brot, seinen eigenen Herd habend’, 15. Jh.). Eigenname m. Benennung eines Individuums, besonders ‘Personenname’; als Kompositum zuerst im 16. Jh. bezeugt (für lat. nōmen proprium, s. auch ↗Name). eigensinnig Adj. ‘auf der eigenen Meinung beharrend, starrköpfig’, spätmhd. eigensinnec ‘aus eigenem Entschluß, freiwillig’; wohl daraus rückgebildet ist Eigensinn m. ‘Starrköpfigkeit’ (vereinzelt vom 16. Jh. an neben der Fügung eigen Sinn, verbreitet seit Anfang 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Eigenheit · ↗Eigentümlichkeit · ↗Idiosynkrasie
Synonymgruppe
Attribut · ↗Besonderheit · ↗Charakteristikum · ↗Charakterzug · ↗Duktus · ↗Eigenart · Eigenheit · ↗Eigenschaft · ↗Eigentümlichkeit · ↗Kennzeichen · ↗Manier · ↗Merkmal · ↗Wesensmerkmal · ↗Wesenszug  ●  Attributivum  fachspr., linguistisch · ↗Spezifikum  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Angewohnheit · ↗Caprice · ↗Eigenart · Eigenheit · ↗Kaprice · ↗Marotte · ↗Schrulle · ↗Spleen · ↗Tick  ●  ↗Grille  veraltend · ↗Kaprize  österr. · Allüren  geh. · ↗Fimmel  ugs. · ↗Macke  ugs. · ↗Tic  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Ausprägung · ↗Besonderheit · ↗Charakteristik · ↗Eigenart · Eigenheit
Unterbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bewahrung Eitelkeit Macke Marotte Orthographie charakteristisch charakterlich einebnen folkloristisch formal geologisch grammatikalisch grammatisch kulinarisch kulturell landestypisch landschaftlich liebenswert lokal melodisch national orthographisch physiognomisch regional rhythmisch spezifisch sprachlich stilistisch topographisch unverwechselbar

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Eigenheit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erklärbar ist das nur mit den Eigenheiten der russischen Wirtschaft.
Die Zeit, 08.12.1997, Nr. 49
Auch die britischen Künstler sind sensibel für die Eigenheiten ihres Landes.
Der Tagesspiegel, 19.10.1997
Gleichwohl wäre es falsch, aus diesen Eigenheiten auf einen Mangel an Inspiration zu schließen.
Wirth, Helmut: De Falla. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1954], S. 11596
Er erzählte hochinteressant aus seinem bewegten Leben, aber er hatte auch viele Eigenheiten.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4973
Sie hatte es sich lange abgewöhnt, über seine Eigenheiten zu sprechen.
Duncker, Dora: Großstadt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1900], S. 15158
Zitationshilfe
„Eigenheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Eigenheit>, abgerufen am 22.02.2019.

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