Einbildung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Einbildung · Nominativ Plural: Einbildungen
Aussprache
WorttrennungEin-bil-dung (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Einbildung‹ als Erstglied: ↗Einbildungskraft
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
unbegründete, falsche Vorstellung
Beispiele:
an Einbildungen leiden
diese Gefahr besteht nur in deiner Einbildung
in ihrer Einbildung bestanden, waren unüberwindliche Schwierigkeiten
umgangssprachlichnur keine Einbildung!
gib dich keiner Einbildung hin!
jmds. Einbildungen zerstreuen
daß man Einbildungen nachgab, die einer überlegten Nachprüfung nicht standhielten [MusilMann782]
Phantasie
Beispiele:
etw. in der Einbildung greifbar vor sich sehen
in meiner Einbildung habe ich das alte Haus unzerstört gesehen
2.
Hochnäsigkeit, Überheblichkeit
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
er ist von großer Einbildung
salopper platzt vor Einbildung
ihre Einbildung macht sie so unbeliebt
man sieht ihm seine, die Einbildung an
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bilden · abbilden · ausbilden · einbilden · Einbildung · Einbildungskraft · eingebildet · Bildner · bildsam · Bildung
bilden Vb. ‘formen, gestalten, hervorbringen, darstellen, sein’, übertragen ‘erziehen, die geistigen Anlagen entwickeln’, ahd. biliden ‘formen, gestalten, zum Beispiel geben, nachahmen’ (9. Jh.) und bilidōn ‘abbilden, nachahmen, Vorbild sein, gestalten’ (8./9. Jh., vom 10. Jh. an vorherrschend), postnominale Ableitungen von ahd. bilidi (s. ↗Bild), fallen zusammen in mhd. bilden ‘mit Bildern verzieren, gestalten, nachbilden, vorstellen’ (vgl. gleichbed. mnd. bē̌lden, bilden und nl. beelden ‘bilden, abbilden, malen’). Das bis heute ein Formen realer Gegenstände, namentlich ein Gestalten visuell erfaßbarer Kunstwerke (bildende Kunst, 18. Jh., anfangs im Plur.) bezeichnende Verb findet im Sprachgebrauch der Mystiker auch Anwendung auf den geistig-seelischen Bereich; von der Mitte des 18. Jhs. an und besonders in der Klassik wird bilden zum Ausdruck für die Bestrebungen der bürgerlich-humanistischen Pädagogik; gleichzeitig werden daher auch das Part.adj. gebildet, das das Erziehungsergebnis kennzeichnet, und dessen Substantivierung der Gebildete üblich. Sich anschließende Präfixbildungen sind abbilden Vb. ‘im Bilde darstellen’ (16. Jh.; dazu Abbildung f. ‘bildliche Wiedergabe’, 2. Hälfte 16. Jh.); ausbilden Vb. ‘mit bestimmten Kenntnissen und Fertigkeiten versehen’, auch ‘entwickeln, formen’, mhd. ūʒbilden ‘eine Nachbildung zeigen’ (dazu Ausbildung f. ‘Schulung, Entwicklung’, 1. Hälfte 17. Jh.); einbilden Vb. reflexiv ‘sich der Wirklichkeit widersprechende Vorstellungen machen, sich etw. in den Kopf setzen’, mhd. īnbilden ‘einprägen, in der Seele abbilden’ (bei den Mystikern), im älteren Nhd. (reflexiv) noch allgemein ‘sich etw. vorstellen’, dann ‘sich falsche Vorstellungen machen’ (auch hinsichtlich des eigenen Wertes); dazu gehören Einbildung f. ‘falsche Vorstellung, Überheblichkeit’, mhd. īnbildunge ‘das Einbilden, In-die-Seele-Senken’, das Kompositum Einbildungskraft f. ‘Phantasie’ (1. Hälfte 17. Jh., vereinzelt im 16. Jh.) sowie das in jüngerer Zeit sich verselbständigende eingebildet Part.adj. ‘überheblich’ (17. Jh.). Bildner m. ‘Gestalter, Former’, ahd. bilidāri, bilideri ‘Bildner, Gestalter, Schöpfer’ (9. Jh.?), mhd. bildære, bildenære ‘Bildner, Schöpfer’, auch ‘Vorbild, Muster’, nhd. Bilder ‘Schöpfer’ noch bis ins 18. Jh. neben sich schließlich durchsetzendem Bildner, das jetzt auf die gehobene Ausdrucksweise beschränkt ist oder als zweites Kompositionsglied z. B. in Bühnen-, Kostüm-, Maskenbildner vorkommt. bildsam Adj. ‘formbar’, übertragen auch ‘für Lehren empfänglich, erziehbar’, vereinzelt spätmhd. bildsam ‘vorbildhaft’, nhd. in den heutigen Verwendungen seit Mitte des 18. Jhs. Bildung f. ‘der Vorgang des Entfaltens der geistigen Anlagen, des Erziehens sowie dessen Ergebnis’, auch ‘Schaffung, Formung’ und ‘Gestalt’, ahd. bilidunga ‘Widerschein, Abbild’ (11. Jh.), bei Notker (für lat. imāginātio) ‘Vorstellung, Vorstellungskraft’ (vgl. asächs. unbiliðunga ‘Unförmigkeit’, 11. Jh.), mhd. bildunge ‘Bildnis, Gestalt, Muster’, in der Mystik ‘Phantasie’; nhd. zunächst vor allem ‘bildliche Darstellung, Abbild’ und (sehr verbreitet im 18. Jh.) ‘Gestalt’, seit Mitte des 18. Jhs. (dem Verb bilden entsprechend, s. oben) auch ‘geistig-seelische Formung des Menschen, Erziehung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Artefakt · ↗Chimäre · Einbildung · ↗Erscheinung · ↗Phantasmagorie · ↗Phantom · ↗Schimäre · ↗Sinnestäuschung · ↗Trugbild  ●  ↗Hirngespinst  ugs.
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
Einbildung · ↗Erscheinung · ↗Geisterbild · ↗Halluzination · ↗Illusion · ↗Offenbarung · ↗Phantom · ↗Selbsttäuschung · ↗Sinnestäuschung · ↗Trugbild · ↗Täuschung · ↗Vision · ↗Wahnbild · ↗Wahnvorstellung  ●  ↗Fata Morgana  fig. · ↗Gesicht (oft Plural: Gesichte)  veraltet · ↗Hirngespinst  abwertend · Butterland  fachspr., Jargon, seemännisch · Hallu (meist Plural: Hallus)  ugs. · reizunabhängige Sinneswahrnehmung  fachspr.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • optische Täuschung · visuelle Illusion
Assoziationen
Antonyme
  • Einbildung
Synonymgruppe
Einbildung · Geistesbild · ↗Imagination · ↗Vision · ↗Vorstellung
Assoziationen
  • optische Täuschung · visuelle Illusion
Psychologie
Synonymgruppe
Arroganz · ↗Blasiertheit · ↗Egozentrik · Einbildung · Eingebildetsein · Eingenommenheit von sich selbst · ↗Hochmut · ↗Narzissmus · ↗Selbstgefälligkeit · Selbstverliebtheit · ↗Stolz · ↗Überheblichkeit · übersteigertes Selbstbewusstsein  ●  ↗Hoffart  veraltend · ↗Dünkel  geh., veraltend · ↗Prätention  geh. · ↗Selbstüberhebung  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Selbstvergötterung  ●  ↗Idiolatrie  fachspr., griechisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abbildung Erfindung Erinnerung Horrorgemälde Krankheit Phantasie Produkt Realität Reich Schnupfen Traum Wahrheit Wirklichkeit abtun beruhen bestehen bloß entlarven existieren gespenstisch krankhaft leiden pur rein schier siegen töricht unterscheiden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Einbildung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er fühlte sich verfolgt, er lebte in einer Welt der Einbildung, das ist keine glückliche Welt.
Süddeutsche Zeitung, 18.05.2001
Doch das Schnuppern wird man nicht los: Macht der Einbildung?
Die Zeit, 23.05.1975, Nr. 22
Es hat seinen Stolz für immer geknickt, die Einbildung, er wäre wer.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 1, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 49
Am Ende existierte die ganze Geschichte vom Vormittag nur in der Einbildung?
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 378
Und es war nicht die Rede von irgendeiner wenn auch noch so geringen therapeutischen Einbildung.
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 78
Zitationshilfe
„Einbildung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Einbildung>, abgerufen am 09.12.2019.

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