Einfall, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Einfall(e)s · Nominativ Plural: Einfälle
Aussprache
WorttrennungEin-fall
Grundformeinfallen
Wortbildung mit ›Einfall‹ als Erstglied: ↗Einfallsebene · ↗Einfallslot · ↗Einfallspforte · ↗Einfallsreichtum · ↗Einfallstor · ↗Einfallswinkel · ↗einfallslos · ↗einfallsreich
 ·  mit ›Einfall‹ als Letztglied: ↗Augenblickseinfall · ↗Generaleinfall · ↗Lichteinfall · ↗Regieeinfall
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
plötzlicher Gedanke, plötzliche Idee
Beispiele:
er hatte die seltsamsten Einfälle
ein neuer, guter, brauchbarer, netter, kluger, schlauer, glücklicher, glänzender, rettender, verblüffender, genialer, geistvoller, kühner, toller, lustiger, heiterer, witziger, barocker, skurriler, merkwürdiger, verrückter, plötzlicher, rascher Einfall
umgangssprachlich es war nur so ein (erster) Einfall von mir
sich an jmds. Einfällen belustigen
jmdm. kommt der Einfall, übers Wochenende zu verreisen
jmd. kommt auf den Einfall, ...
gehoben ein Einfall blitzte in ihm auf, durchblitzte ihn
gehoben Der General wurde plötzlich von einem Einfall erleuchtet [MusilMann797]
2.
das gewaltsame Eindringen
Gegenwort zu Ausfall
Beispiele:
der Einfall fremder Stämme in ein Land
der Einfall der Hunnen
räuberische Einfälle
3.
Jägersprache
a)
vom Federwild   das Einfallen
Beispiel:
wir erlebten den Einfall großer Kranichzüge
b)
Stelle, an der das Federwild einfällt
4.
das Einfallen des Lichtes
Beispiele:
der Einfall des Tageslichtes
Auch der Umbau im vorigen Jahre hatte dem Licht keinen volleren Einfall verschafft [KlugeKortüm619]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fallen · fällig · auffallen · auffallend · auffällig · ausfallen · ausfallend · ausfällig · ausgefallen · einfallen · Einfall · Fall · Fallbeil · Fallreep · Gefälle · Falle
fallen Vb. ‘sich nach unten bewegen (durch die eigene Schwere), stürzen, sinken, (im Kampf als Soldat) sterben’, ahd. fallan ‘(herab)stürzen, zu Fall kommen, einstürzen, sinken, zuteil werden, umfallen, verfallen’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. vallen, asächs. fallan, aengl. feallan, fallan, engl. to fall, anord. schwed. falla. Mit dem ehemals ein präsensbildendes n aufweisenden Verb (ll aus ln) sind höchstens vergleichbar armen. p‛ul ‘Einsturz’, p‛lamin ‘ich falle ein’ und (dehnstufig) lit. pùlti ‘fallen’, vielleicht (als Variante mit anlautendem s-) auch griech. sphállein (σφάλλειν) ‘zu Fall bringen, zugrunde richten, täuschen’, so daß von einer Wurzel ie. *phō̌l- bzw. *pō̌l- ‘fallen’ (d. h. ‘sich nach dem Gesetz der Schwerkraft abwärts bewegen’) ausgegangen werden kann. fällig Adj. ‘für einen bestimmten Termin vorgesehen, zur Zahlung anstehend’ (15. Jh.), mhd. (rechtssprachlich) vellic ‘der Zahlung, der Buße, der Strafe verfallen, verurteilt’, wohl abgeleitet vom Verb mhd. fallen im Sinne von ‘fällig sein, werden’. Vgl. ahd. fellīg ‘fallend, stürzend, baufällig, eingestürzt’ (10. Jh.), mhd. vellec, vellic ‘zu Fall kommend, fallend (besonders im Kampf), vor Gericht überwunden’; häufig suffixartig als zweites Glied in Komposita wie bau-, hin-, rückfällig. auffallen Vb. ‘hervorstechen, ins Auge springen’ (18. Jh.), älter ‘(sich) fallend öffnen’ (um 1700), ‘auf etw. fallen’ (16. Jh.); auffallend Part.adj. ‘hervorstechend, in die Augen springend, die Aufmerksamkeit auf sich lenkend’ (18. Jh.); damit gleichbed. auffällig Adj. (Anfang 19. Jh.). ausfallen Vb. ‘herausfallen, angreifen, enden, unterbleiben’, mhd. ūʒvallen ‘ausrenken’ (den Fuß); ausfallend Part.adj. ‘herausfordernd, beleidigend’ (18. Jh.), aus älterem ‘einen militärischen Ausbruch, Angriff unternehmend’ (16. Jh.); gleichbed. jüngeres ausfällig Adj. ‘beschimpfend, beleidigend’ (19. Jh.), zuvor (bei Zahlungen) ‘seinen Verpflichtungen nicht nachkommend’ (16. Jh.); ausgefallen Part.adj. ‘nicht alltäglich’ (um 1900). einfallen Vb. ‘zusammenstürzen, eindringen, in den Sinn kommen’, ahd. infallan ‘aus etw. auf etw. fallen, Eingang finden’ (Hs. 12. Jh.), mhd. īnvallen ‘Eingang finden, eindringen, als Besitz zufallen, in den Sinn kommen, beginnen’; Einfall m. ‘das Einbrechen, feindliches Eindringen, plötzlicher Gedanke’, mhd. īn-, inval ‘das Einfallen, Einbruch, Eingriff in jmds. Recht, Zwischenfall, zufälliger Gedanke, Einrede’. Fall m. ‘Sturz, Untergang, Ereignis, (Rechts)angelegenheit’, auch (seit 17. Jh.) ‘grammatischer Kasus’ (s. ↗Kasus), ahd. fal ‘(Ein)sturz, Ärgernis, Kränkung’ (8. Jh.), mhd. val (Genitiv valles) ‘das Fallen der Würfel, des Wassers, der Töne, Sturz, Niederlage, Straffall, Abgabe bei Todesfall an den Lehnsherrn’ (germ. *falla-). Die Verwendungsweisen sind beeinflußt vom Bild der gefallenen Würfel, von lat. cāsus ‘das Fallen, Sturz, Vorfall, Zufall, Gelegenheit, Unfall, grammatischer Kasus’, das bereits in ahd. Zeit durch fal übersetzt wird, und von frz. cas ‘Fall’, vgl. Wendungen wie setzen wir den Fall (frz. posons le cas), auf alle Fälle (frz. en tout cas), das ist ganz mein Fall (frz. c’est là mon cas). Fallbeil n. ‘Hinrichtungsmaschine’ (17. Jh.), seit dem 19. Jh. neben Guillotine. Fallreep n. ‘Treppe (Strickleiter), die an der Schiffswand heruntergelassen wird’ (18. Jh.), aus nd. Valreep, vgl. nd. Reep ‘Tau, Seil, mit dessen Hilfe man sich vom Schiffsbord schwingend ins Boot fallen läßt’, s. ↗Reif. Gefälle n. ‘Höhenunterschied, Bodenneigung’, ahd. gifelli ‘Einsturz, Unfall, Verfall’ (um 1000), mhd. gevelle ‘Sturz, Ein-, Absturz, abschüssiges tiefes Tal, guter Würfelfall, Glück, Schicksal, das Gefallen’, kollektive ja-Ableitung zu ahd. fal. Falle f. ‘Tierfanggerät, Hinterhalt’, ahd. falla ‘Falle, Fallstrick’ (8. Jh.), mhd. valle ‘Falle, Türklinke’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angriff (auf) · ↗Anschlag (auf) · Einfall (in) · ↗Überfall (auf)
Assoziationen
Synonymgruppe
Eingebung · ↗Erleuchtung · ↗Gedanke · ↗Idee · zündende Idee  ●  Einfall  Hauptform · ↗Geistesblitz  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Hilfe in höchster Not · plötzliche Eingebung · rettende Idee  ●  ↗Erleuchtung  fig. · rettender Einfall  Hauptform
  • Glanzidee · geniale Idee · tolle Idee  ●  Wahnsinnsidee  ugs. · super Idee  ugs.
Synonymgruppe
(plötzliche) Einsicht · ↗(plötzliche) Erkenntnis · ↗Anregung · ↗Anwandlung · Einfall · ↗Erleuchtung · ↗Gedanke · ↗Idee · ↗Impuls · ↗Inspiration · ↗Intuition · ↗Offenbarungserlebnis  ●  ↗Eingebung  Hauptform · ↗Offenbarung (für jemanden)  auch figurativ · Aha-Effekt  ugs.
Unterbegriffe
  • Aha-Erlebnis · Ahaerlebnis · plötzliche Eingebung · schlagartige Erkenntnis
Assoziationen
Synonymgruppe
(haltlose) Vorstellung · (nicht ernst zu nehmender) Einfall · aus einer Laune heraus  ●  dumme Idee  Hauptform · (Idee) aus einer Bierlaune heraus  ugs. · Einfälle wie die Kuh Ausfälle  derb, scherzhaft · Furzidee  derb · ↗Schnapsidee  ugs. · Wenn wir dich nicht hätten und die kleinen Kartoffeln ...  ugs., Spruch, ironisch, variabel
Assoziationen
  • leicht verrückt  ●  ↗abgedreht  ugs., Jargon · abgespaced  ugs. · abgespact  ugs., Jargon · ausgeflippt  ugs. · ↗crazy  ugs. · ↗flippig  ugs. · ↗irre  ugs. · narrisch  ugs., bair. · nasch  ugs., bair. · ↗schräg  ugs. · ↗spinnert  ugs. · ↗verdreht  ugs.
  • aus Spaß an der Freud(e) · im Scherz · nicht ernst gemeint · nur so · ohne (dabei) nachzudenken · ohne Sinn und Verstand · ohne sich etwas dabei zu denken · scherzeshalber · ↗scherzweise · sollte ein Scherz sein · ↗spaßeshalber  ●  aus Übermut  Hauptform · just for fun  engl. · (in seinem) jugendlichen Leichtsinn  ugs., variabel, Spruch, scherzhaft · (nur so) zum Spaß  ugs. · aus Daffke  ugs., berlinerisch · aus Flachs  ugs. · aus Jux  ugs. · aus Jux und Tollerei  ugs. · aus Scheiß  ugs. · aus Spaß  ugs. · einfach so  ugs. · ↗hetzhalber  ugs., österr. · mal eben so  ugs. · nur mal eben so  ugs.
  • Bubenstreich · ↗Bubenstück · ↗Eulenspiegelei · ↗Jungenstreich · ↗Lausbubenstreich · ↗Lausbüberei · ↗Schabernack · ↗Schelmenstreich · ↗Schelmenstück · ↗Schildbürgerstreich  ●  ↗Dummejungenstreich  Hauptform · ↗Donquichotterie  geh. · ↗Hanswurstiade  geh., veraltend
  • (es sich) nicht verkneifen können (zu) · ↗(jemandem) einfallen · (jemandem) kommt der Gedanke · ↗(jemanden) anwandeln · ↗(sich) (etwas) überlegen · (sich) einfallen lassen · auf den Gedanken verfallen (zu) · auf die Idee kommen (zu) · in den Sinn kommen  ●  (auf einmal) ankommen mit  ugs. · (den) Einfall haben (...)  ugs. · (einen) Rappel kriegen (und...)  ugs. · (jemandem) belieben zu (es)  geh. · ↗(jemanden) anwehen  geh. · (jemanden) überkommen (es)  geh. · (plötzlich) die Idee haben (...)  ugs. · (sich etwas) denken (bei)  ugs. · (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh., ironisierend · auf die glorreiche Idee kommen (zu)  ugs., ironisch · auf etwas kommen  ugs. · es für eine gute Idee halten (zu / dass)  ugs., ironisch · um die Ecke kommen mit  ugs., fig. · verfallen auf  geh.
  • (noch) nicht der Weisheit letzter Schluss · ↗(noch) unfertig · nicht ausgereift · nicht durchdacht · nicht zu Ende gedacht · schlecht vorbereitet (sein) · ↗unausgereift  ●  ↗unausgegoren  abwertend · weder Hand noch Fuß haben  fig. · ↗halbgar  ugs., abwertend
  • außer Betracht bleiben · nicht in Betracht kommen · nicht in Frage kommen · nicht infrage kommen  ●  ↗indiskutabel (sein)  variabel
  • auf eine Schnapsidee kommen  ●  (einen) Furz quer sitzen haben  ugs., fig. · nicht alle Tassen im Schrank haben  ugs., fig.
  • Wie soll das gehen?  ●  Wie hast du dir das vorgestellt?  floskelhaft · Wie soll das funktionieren (mit ...)?  ugs.
  • Albernheit · Flausen · ↗Kinderei(en) · ↗Mätzchen  ●  ↗Sperenzchen  ugs., regional · Sperenzkes  ugs., regional · Spirenzchen  ugs., regional
Synonymgruppe
Angriff · ↗Attacke · Einfall · ↗Offensive · ↗Sturm · ↗Vorstoß · ↗Überfall · ↗Übergriff
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Georg, sprachlos vor Überraschung, daß er das Wort erniedrigen solle, kam nicht zum Einfallen.
Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 124
In anderen Fällen läßt sich durch »Abziehen und» Einfallen «des Fingers, der den höheren Ton greift, ein Triller ausführen.
Radke, Hans: Wyssenbach. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1968], S. 45642
Souverän und witzig wie der Artist im Zirkus jongliert die Nöstlinger mit hundert Einfallen.
Die Zeit, 09.11.1990, Nr. 46
Wenn sie sich trafen und von Gänsen und Schimpansen erzählten, vor Begeisterung, Witz und Einfallen sprühten, war tiefes Einverständnis zwischen ihnen zu spüren.
Die Zeit, 24.03.1989, Nr. 13
Schon unter der sechsten Dynastie hatten zwar Libyer und Nehsiu bei Einfallen in asiatisches Gebiet gefochten, aber das war nur kurzfristiger Gelegenheitsdienst.
Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 6124
Zitationshilfe
„Einfall“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Einfall>, abgerufen am 17.02.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Einfahrweiche
Einfahrttor
Einfahrtsweg
Einfahrtstraße
Einfahrtstor
einfallen
Einfallsebene
einfallslos
Einfallslosigkeit
Einfallslot