Einkehr, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Einkehr · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungEin-kehr
Wortbildung mit ›Einkehr‹ als Letztglied: ↗Selbsteinkehr
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben Selbstbesinnung
Beispiele:
stille, besinnliche, andächtige Einkehr
in innerer Einkehr
eine Stätte der Einkehr
als der Papst zur Einkehr mahnte [A. ZweigEinsetzung56]
sich in Gebet und Einkehr auf diese Reise vorzubereiten [I. SeidelLennacker427]
bei sich Einkehr haltensich auf sich selbst besinnen
Beispiele:
sie hielt bei sich Einkehr und bat um Verzeihung
ich wollte bei mir Einkehr halten
2.
veraltet
entsprechend der Bedeutung von einkehren (Lesart 1)
Beispiel:
er fuhr ohne Einkehr weiter
veraltend, gehoben Einkehr haltenunterwegs in eine Gaststätte gehen, einkehren
Beispiele:
er gedachte, dort oben Einkehr zu halten
[er] hielt auch da und dort Einkehr in einem Wirtshaus [O. M. GrafMitmenschen54]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kehren1 · Kehre · kehrtmachen · Kehrreim · Kehrseite · einkehren · Einkehr · umkehren · Umkehr · Umkehrung
kehren1 Vb. ‘etw. in eine bestimmte, namentlich die entgegengesetzte Richtung drehen, wenden’, seit Beginn der Überlieferung außerdem in reflexivem und (wohl durch Ersparung eines Akkusativobjekts entstandenem, heute unüblichem) intransitivem Gebrauch ‘die Gegenrichtung einschlagen, sich umwenden’, ahd. kēren (9. Jh.), gikēren (8./9. Jh.), mhd. (ge)kēren ‘(um)wenden, eine Richtung geben, sich wenden’ (mhd. und frühnhd. auch allgemeiner ‘eine Richtung einschlagen, sich begeben’) hat nur im Kontinentalwestgerm. sichere Verwandte, vgl. asächs. kērian, mnd. (ge)kēren, aostnfrk. kēron, mnl. kēren, nl. keren, afries. kēra ‘kehren, wenden’. Bei Annahme eines grammatischen Wechsels germ. *kaisjan, *kaizjan lassen sich diese Formen mit anord. keisa ‘biegen, zusammenfalten’, isl. keisa ‘in die Höhe ragen, hochtragen’, schwed. kesa ‘durchgehen, fliehen’ verbinden, die auf einen Ansatz ie. *geis- zurückgeführt werden, der zu der nur in verschiedenen Erweiterungen nachzuweisenden Wurzel ie. *gei- ‘drehen, biegen’ (s. auch ↗keifen) gehört; vgl. Pokorny 1, 354 f. Dieser fragliche Zusammenhang muß jedoch aufgegeben werden, wenn man für ahd. kēren von germ. *kairjan ausgeht und dieses (wie Petersson in: PBB 44 (1920) 178 f.) mit armen. cir ‘Kreis’, osset. zilyn (зuлын) ‘herumdrehen’ vergleicht. Ebenso ist aengl. cerran (westsächs. cierran, cyrran) trotz semantischer Übereinstimmung von den anderen westgerm. Bildungen zu trennen, da es eine auch im Vokalismus abweichende Form germ. *karrjan oder *karzjan voraussetzt. Substantivische Ableitung vom Verb ist Kehre f. ‘scharfe Wegbiegung’, seit Jahn (1816) auch Fachwort des Turnens ‘Sprung oder Abschwung, bei dem der Rücken zum Gerät gewandt ist’, ahd. kēra ‘Wendung, Beugung, Krümmung’ (11. Jh.), mhd. mnd. kēr(e) ‘Richtung, Wendung’ (die einsilbige Form noch in Einkehr, Umkehr, s. unten, ↗Heimkehr, s. d.); daneben steht in älterer Zeit ein Maskulinum ahd. (um 1000), mhd. mnd. kēr, frühnhd. Kehr, mnl. nl. keer (s. ↗Verkehr). kehrtmachen Vb. ‘eine halbe Drehung vollführen, die Gegenrichtung einschlagen’, im 20. Jh. zusammengewachsen aus der Fügung kehrt machen (substantiviert auch Kehrt machen, Anfang 19. Jh.), enthält als ersten Bestandteil den Imperativ und militärischen Befehl kehrt! (vielleicht verkürzt aus kehrt euch!). Kehrreim m. ‘regelmäßig am Schluß jeder Liedstrophe sich wiederholender Textteil’. Das von Bürger (1793) eingeführte Ersatzwort für ↗Refrain (s. d.) ist eine Zusammensetzung mit ↗Reim (s. d.) in dessen früher geläufiger Bedeutung ‘Verszeile’. Kehrseite f. ‘Rückseite’, metaphorisch auch ‘das einer zunächst günstig erscheinenden Sache anhaftende Unangenehme’, in der 2. Hälfte des 18. Jhs. aufkommende und trotz Adelungs Kritik sich durchsetzende Verdeutschung von ↗Revers ‘Rückseite einer Münze’ (s. d.), nach gleichbed. nl. keerzijde (dieses 1729 erstmals nachweisbar). einkehren Vb. ‘in einer Gaststätte Rast machen’, ursprünglich überhaupt ‘sich (als Gast) hineinbegeben’, mhd. īnkēren ‘hineingehen, umkehren’, in der Sprache der Mystik auch spätmhd. īnkēren, frühnhd. einkehren, mnd. inkēren ‘in sich gehen, sich versenken’; dazu Einkehr f. ‘Selbstbesinnung’, älter auch ‘Rast, Herberge’, mhd. īnkēr(e) f. ‘Einzug, Insichgehen’; vgl. spätmhd. īnkēr m., mnd. inkēr m. ‘Insichgehen’. umkehren Vb. ‘umwenden, umdrehen, in die entgegengesetzte Lage bringen’, intransitiv ‘sich umwenden, den Rückweg antreten, anderen Sinnes werden’, ahd. umbikēren (9. Jh.), mhd. umbekēren, mnd. ummekēren; seit dem Frühnhd. findet sich das Part. Prät. umgekehrt in adjektivischer Verwendung ‘gegenteilig, entgegengesetzt’; Umkehr f. ‘das Umkehren, Zurückgehen’, übertragen ‘Sinneswandel’, mhd. umbekēr(e) f. ‘Umkehr, Umwendung’; vgl. ahd. umbikēr m. ‘Umkehrung, Umtauschung’ (um 1000), mnd. ummekār ‘Umkehr, Wendung’; Umkehrung f. ‘Veränderung ins Gegenteil’ (15. Jh., frühnhd. daneben ‘Zerstörung’). S. auch ↗bekehren, ↗verkehren.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Genug Hunger zum Einkehren habe ich noch nicht, aber ich möchte eine kleine Geschichte erzählen, die ich kürzlich »im Woll« erlebt habe.
Die Zeit, 07.09.2009, Nr. 36
Natürlich geht das nicht so schnell wie das Einkehren und darum müssen Sie dieses bald lernen.
Meyerhoff, Grete: Kleine Imkerschule, Berlin: Deutscher Landwirtschaftsverl. VEB 1981 [1970], S. 73
Wenige Kilometer weiter entfernt findet man einen stilvollen Ort zum Einkehren.
Süddeutsche Zeitung, 26.09.2002
Die Strecken sind bei diesem genüsslichen Wandern nicht so lang, Einkehren und die Gesellschaft von Freunden sind wichtig.
Der Tagesspiegel, 20.04.2003
Karpacz (Krummhübel) ist ein beliebter Ort für Abfahrer und Langläufer, mit Liften und Loipen und gemütlichen Bergbauernhäusern zum Einkehren.
Die Welt, 12.10.2001
Zitationshilfe
„Einkehr“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Einkehr>, abgerufen am 22.10.2019.

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