Eisbein, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Eisbein(e)s · Nominativ Plural: Eisbeine
Aussprache
WorttrennungEis-bein
WortzerlegungEis1Bein
Wahrig und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
Fleischstück mit Knochen vom Unterschenkel des Schweins, das mit einer Fettschicht umgeben ist
Beispiele:
Das Eisbein […] wird kalt abgespült und in einen großen Topf mit kochendem Wasser gegeben. [Krämer, Walter / Sauer, Wolfgang, Lexikon der populären Sprachirrtümer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 1]
Metzger dürfen [in Israel] fürderhin Speck, Eisbein und Schweinebauch verkaufen. [Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2004]
Im Supermarkt des Rathaus-Center kostet Eisbein […] 1,99 Mark das Kilo […]. [Die Zeit, 28.06.1996, Nr. 27]
Viele Kunden verstünden nicht, warum manche [Fleisch-]Teile ausverkauft seien[…]. »Man müßte einen Bullen nur aus Filet haben.« Denn die meisten wollten Edelteile haben. Da er [als Schlachter] jedoch nur ganze Tiere kauft, ist ein Ochsenschwanz und Eisbein eben auch noch da. [die tageszeitung, 07.10.1993]
2.
Kochkunst Fleischgericht aus gekochtem, gebackenem oder gebratenem Eisbein (Lesart 1), das typischerweise mit Sauerkraut, Erbspüree und Kartoffeln gegessen wird
Beispiele:
Das vermutlich typischste Berliner Gericht ist das Eisbein, das in mehreren Varianten zubereitet wird: gekocht, gebraten oder gebacken. [Berliner Zeitung, 03.01.1991]
Eisbein dürfte in die Top Ten urdeutscher Küchenklassiker gehören – wie aber bekommt man die Haxe auf dem Grill richtig knusprig? [Spiegel, 18.09.2011 (online)]
In Berlins ältester Kneipe, der »Letzten Instanz«, gibt es eines der leckersten Eisbeine der Stadt. [Bild, 22.10.2003]
Beim Eisbein mit Erbspüree und Sauerkraut ist weniger ein Tranchieren erforderlich als vielmehr das Herauslösen des Knochens. [Neumann, Heinz u. Scharfe, Adolf: Gekonnt serviert, Berlin: Verl. Die Wirtschaft 1967, S. 98]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: gepökeltes Eisbein
als Akkusativobjekt: Eisbein essen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Eisbein mit Sauerkraut; Eisbein mit Erbspüree
3.
Jägersprache beim Schalenwild   Hüft- und Kreuzbein
Beispiel:
Das »Schloß« ist die knorpelige Verbindung der beiden Beckenknochenhälften, der »Eisbeine«, beim Schalenwild. [Die Zeit, 10.07.1964, Nr. 28]
4.
nur im Plural
salopp sehr kalte, unterkühlte Beine und Füße
Beispiele:
Das Wetter ist in Melbourne immer ein Thema: morgens Sonnenbrand, abends Eisbeine, dazwischen ein Schauer und am nächsten Tag das Ganze umgekehrt. [Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2010]
Ich legte mich auf seine Couch. Fünf Minuten lang leierte er: »Deine Füße werden warm.« Ich hatte Eisbeine. [Welt am Sonntag, 30.07.2006, Nr. 31]
Doch Eisbeine kriegt dieser Tage derjenige, der hier länger als fünf Minuten steht, man könnte sie einfrieren wie im Kühlfach. So klapperkalt ist es hier. [Die Welt, 11.04.2003]
Während dieser ersten Morgenstunden aber mochten die Vögel pfeifen, so schön und lustig sie nur konnten – man dachte jedenfalls mehr an seine naßkalten Eisbeine, wie an das ganze Vogelgepfeife[…]. [Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 55009]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Eisbein n. gepökeltes und gekochtes Schweinebein mit dem daransitzenden Fleisch, nordd. Bezeichnung für md. Schweineknochen, bair. Schweinshachsen, pfälz. Eisknochen. Aus Röhrenknochen werden in germ. Zeit, in Skandinavien auch später, Schlittschuhkufen hergestellt; entsprechend schwed. (mundartlich) isläggor (Plur.) ‘Schlittschuhe’, norw. islegg (anord. leggr ‘Röhrenknochen’). Eisbein ist daher ursprünglich der für die Herstellung von Schlittschuhkufen verwendbare Röhren- oder Schienbeinknochen größerer Tiere (vgl. Sperber in: Wörter u. Sachen 6 (1914/15) 51 f.). In der Bedeutung ‘Gericht aus Schweinebein’ (s. ↗Bein im Sinne von ‘Knochen’) erst im 19. Jh. auftretend. Das Wort ist möglicherweise früh von lat. ischia (Plur.) ‘Hüftgelenke’ (vgl. auch osischium), griech. ischía (ἰσχία) beeinflußt (s. ↗Ischias), denn ahd. īsbein (Hs. 13. Jh.), asächs. īsbēn (10. Jh.), mnd. īsbēn, mnl. īsebeen, nl. ijsbeen (auch ischbeen) bezeichnen unterschiedliche Knochen und Körperteile, das Hüft-, Scham-, Steißbein und auch den Oberschenkel(knochen). Nhd. seit dem 15./16. Jh. und bis ins 19. Jh. vorwiegend in der Bedeutung ‘Hüftknochen’ verwendet. Henisch (1616) erläutert Eißbein von einem Rind durch ‘os femoris cum medulla’, also ‘Oberschenkelknochen’. Jägersprachlich bis in die Gegenwart Bezeichnung des sogenannten Schlosses, der Beckenknochen, beim Hochwild.

Thesaurus

Gastronomie/Kulinarik
Synonymgruppe
Bötel · Eisbein · ↗Hachse · ↗Haxe · Hechse · ↗Schweinshachse · ↗Schweinshaxe  ●  Adlerhaxe  fränk. · ↗Gnagi  schweiz. · ↗Haspel  hessisch · Knöchla  fränk. · ↗Stelze  österr. · ↗Wädli  schweiz. · Haxn  ugs. · Hämmche  ugs., kölsch · Schweinshaxn  ugs., bair.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Eisbein · ↗Hirsch · ↗Pferdekuss · Schenkler  ●  Boandl  bair. · ↗Eisenbahner  österr. · Knöck  fränk. · Schenkerl  österr. · Tschekapuff  österr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Appetit Bier Bratwurst Bulette Currywurst Ente Erbsenpüree Erbsensuppe Gulasch Haxe Kartoffel Kartoffelpüree Knödel Kotelett Salzkartoffel Sauerkohl Sauerkraut Schnitzel Schweinebraten Schweinshaxe Wurst bestellen deftig essen fressen gepökelt kochen schmecken servieren zubereiten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Eisbein‹.

Zitationshilfe
„Eisbein“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Eisbein>, abgerufen am 25.04.2019.

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