Elend, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Elend(e)s · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Elend‹ als Erstglied: ↗Elendsbehausung · ↗Elendsdasein · ↗Elendsgestalt · ↗Elendshütte · ↗Elendsleben · ↗Elendsquartier · ↗Elendsviertel
 ·  mit ›Elend‹ als Letztglied: ↗Arbeiterelend · ↗Flüchtlingselend · ↗Hundeelend · ↗Kinderelend · ↗Kriegselend · ↗Massenelend · ↗Umsiedlerelend · ↗Wohnungselend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Leid, Kummer, Unglück
Beispiele:
sein Elend schildern, zu vergessen suchen
er war selbst an seinem Elend schuld
jmdn. ins Elend stürzen
umgangssprachlich, scherzhaft das heulende, graue Elend kriegen (= sich tief unglücklich fühlen, zeigen)
ihr Elend am Halse des einzigen auszuweinen, der ihr zu Trost und Hilfe verpflichtet war [H. KurzSonnenwirt253]
Ich bettle ja nicht um ein Glück, ich bettle um mein Elend, um mein tiefstes Elend [HebbelMaria MagdaleneII 6]
Habt Mitleid, / Gestrenger Herr, mit unserm großen Elend [SchillerTellIV 3]
salopp, scherzhaft
Beispiele:
ein Häufchen Elend (= ein elender, bedrückter Mensch)
daher saß sie jetzt wie ein Bündel Elend da [A. ZweigJunge Frau150]
salopp drückt große Unzufriedenheit aus
Beispiel:
es ist ein Elend mit ihm, damit
2.
Armut, Not
Beispiele:
das Elend der Massen
das Elend zu lindern suchen
angesichts des Elends der indigenen Bevölkerung
sie war in bitterem Elend aufgewachsen
das nackte, drückende, bitterste Elend
die Mehrzahl der Bevölkerung des reichen Landes lebte kärglich, ja im Elend [Feuchtw.Narrenweisheit268]
die einen sinken von Stufe zu Stufe und enden im äußersten Elend [MusilMann1512]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

elend · Elend · elendig · elendiglich · Verelendung
elend Adj. ‘bedrückt durch Not, Armut, Unglück, ärmlich, leidend’. Das zusammengesetzte Adjektiv ahd. elilenti (8. Jh.), mhd. ellende ‘aus der Fremde kommend, nicht einheimisch’, substantiviert ‘Fremdling’, ferner ‘in der Fremde lebend, (aus der angeborenen Rechtsgemeinschaft) ausgewiesen, verbannt’, substantiviert ‘Vertriebener, Verbannter’, seit dem 11. Jh. auch ‘bedürftig, unglücklich, jammervoll’, asächs. elilendi, mnd. elende, aengl. ellende ist zu dem unter ↗Land (s. d.) behandelten Wort gebildet, wie entsprechendes urnord. aljamarkiʀ ‘Fremder’ zu dem unter ↗Mark (s. d.) dargestellten. Erstes Kompositionsglied ist der Pronominalstamm germ. *alja- ‘anderer’, der als Simplex in got. aljis ‘anderer’ erhalten ist, das mit gleichbed. griech. állos (ἄλλος), lat. alius (wozu lat. aliēnus ‘fremd’) auf ie. *ali̯os ‘anderer’ (adjektivische Ableitung von einem Adverb ie. *ali ‘dort’) zurückgeht. Das Adjektiv bezeichnet demnach eigentlich ‘den, dessen (Heimat)land ein anderes ist’ als das, in dem er sich (schutzlos) aufhält. In neuerer Sprache steht elend oft im Sinne von ‘gering, schlecht’ (elender Dichter, Schurke), auch lediglich als Verstärkung ‘sehr’ (es ist elend heiß). Aus dem Adjektiv entwickelt sich das Substantiv Elend n. ‘Not, Armut, Unglück’, ahd. elilenti ‘Fremde, Aufenthalt in der Fremde (im anderen Land), Heimatlosigkeit, Verbannung’ (9. Jh.), auch ‘leidvolles Dasein’ (um 1000), mhd. ellende, asächs. elilendi, mnd. elende, aengl. ellende. Noch im 18. Jh. begegnen Verwendungen, die die alte Bedeutung ‘Fremde’ resthaft bewahren (ins Elend gehen, schicken). elendig Adj. elendiglich Adj. (meist adverbial gebraucht) ‘elend, jämmerlich’, mhd. ellendec ‘fremd, jämmerlich’. Verelendung f. nach der Theorie von Marx gesetzmäßiger Prozeß der Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse im Kapitalismus (1867), häufig auch durch gleichbed. Verarmung, (Akkumulation von) Elend, Pauperismus ausgedrückt.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedrängnis · Elend · ↗Leid · ↗Not · ↗Notlage
Assoziationen
Synonymgruppe
Elend · ↗Leid · ↗Leiden · ↗Plage · ↗Qual

Typische Verbindungen
computergeneriert

Armut Ausbeutung Chaos Flüchtling Furcht Glanz Hunger Jammer Leid Linderung Not Schmutz Slum Ungerechtigkeit Unterdrückung Verzweiflung entkommen erlösen heulend lindern materiell menschlich nackt namenlos sozial stürzen unbeschreiblich unsagbar unvorstellbar versinken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Elend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie steht wieder auf, und das Elend geht von vorn los.
Süddeutsche Zeitung, 16.06.2003
Was treibt Sie an, immer wieder das Elend zu suchen?
Der Tagesspiegel, 11.10.2001
Es liege, so rechnete ich mir aus, in unserem eigenen Interesse, das Elend in anderen Teilen der Welt überwinden zu helfen.
Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 321
Doch dann ging das alte Elend sofort wieder von neuem los.
Killian, Hans: Auf Leben und Tod, München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 30
Mit einemmal war das ganze Elend des Tages wieder da.
Hartung, Hugo: Ich denke oft an Piroschka, Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg 1980 [1954], S. 124
Zitationshilfe
„Elend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Elend>, abgerufen am 16.11.2018.

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