Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Elfenbeinturm, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Elfenbeinturm(e)s · Nominativ Plural: Elfenbeintürme
Aussprache 
Worttrennung El-fen-bein-turm
Wortzerlegung Elfenbein Turm
eWDG

Bedeutung

individualistische Abgeschlossenheit des Künstlers, fern von den Kämpfen der Gegenwart
Beispiele:
in einem Elfenbeinturm sitzen
sich in seinen Elfenbeinturm zurückziehen
im Elfenbeinturm bleiben
so wird die Literatur doch aus dem Elfenbeinturm befreit [ Wirk. Wort1956/57]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Elfenbein · elfenbeinern · Elfenbeinturm
Elfenbein n. ‘Zahnbein der Stoßzähne des Elefanten’. Ahd. helfant (9. Jh.) gilt wie griech. eléphās (ἐλέφας) sowohl für ‘Elefant’ als auch für ‘Elfenbein’ (das Elfenbein ist den Germanen wie den Griechen früher bekannt als das Tier); danach verdeutlichend das Kompositum ahd. helfantbein ‘Elefantenknochen, Elfenbein’ (um 1000; s. Bein), entsprechend aengl. elpen-, ylpenbān, mnd. elpenbēn, mnl. nl. elpenbeen. Seit dem 10. Jh. (mit Aufgabe des -t- in der Kompositionsfuge) ahd. helfanbein, woraus mhd. helfenbein. Dagegen hält sich anlautendes h- zum Teil bis ins 18. Jh.; Luther verwendet (in Anlehnung an lat. elephās ‘Elefant’) ausschließlich Elfenbein. – elfenbeinern Adj. ‘aus Elfenbein’ (16. Jh.), älter elfenbeinen (bis 19. Jh.) nach ahd. helfantbeinīn (um 1000), mhd. helfenbeinīn. Elfenbeinturm m. auch elfenbeinerner Turm begegnet als sprachliches Bild für ‘Abgeschlossenheit des schöpferisch tätigen Menschen (besonders des Dichters, Künstlers, Wissenschaftlers) von der Gesellschaft, seine Einstellung, sich von Problemen der Gegenwart nicht berührt zu zeigen, Weltabgeschiedenheit’ seit dem 19. Jh. in mehreren europ. Sprachen, zuerst vermutlich bei dem französischen Literaturkritiker und Schriftsteller Sainte-Beuve (frz. tour d’ivoire), im Dt. seit Anfang des 20. Jhs. Dagegen stammt das Bild des elfenbeinernen Turmes als Symbol der Reinheit und Festigkeit aus der allegorischen (besonders mariologischen) Auslegung des biblischen Hohenliedes (7, 4) und ist in vielen Sprachen bekannt; vgl. Bergmann in: ZfdA 92 (1963) 292 ff.

Thesaurus

Synonymgruppe
elitär  ●  (im) Elfenbeinturm  fig. · ohne Bodenhaftung  fig. · abgehoben  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Elfenbeinturm‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Elfenbeinturm‹.

Verwendungsbeispiele für ›Elfenbeinturm‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich rate Ihnen nicht, in den berühmten Elfenbeinturm zu steigen. [Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 423]
Noch freilich tun sich viele Forscher außerhalb ihres Elfenbeinturms schwer. [Die Zeit, 27.01.2000, Nr. 5]
Sie würden damit aber in den Elfenbeinturm zurückkehren, den sie eigentlich verlassen sollten. [Die Zeit, 22.03.1996, Nr. 13]
Er wolle nicht in einem Elfenbeinturm enden, klagte er irgendwann. [Die Zeit, 11.02.2013, Nr. 06]
Wagt man sich nach oben, kann man vom Elfenbeinturm aus weit sehen. [Die Zeit, 09.10.2006 (online)]
Zitationshilfe
„Elfenbeinturm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Elfenbeinturm>.

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