Elle, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Elle · Nominativ Plural: Ellen
Aussprache
WorttrennungEl-le (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Elle‹ als Erstglied: ↗Ellbogen · ↗Ellenbeuge · ↗Ellenbogen · ↗Ellengelenk · ↗Ellenlänge · ↗Ellenware · ↗ellengroß · ↗ellenhoch · ↗ellenlang
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Knochen des Unterarmes, der, von der Seite des kleinen Fingers ausgehend, nahe unter der Haut liegt
Beispiel:
Elle und Speiche
2.
altes, etwa unterarmlanges Längenmaß
Beispiele:
eine halbe Elle Stoff
drei Ellen Leinen
Man maß ... mit dem umgewinkelten Unterarm, der Elle [Urania1961]
Die alte Erfahrung, daß niemand seiner Länge eine Elle zusetzen kann [HeyseI 1,38]
Maßstock von der Länge einer Elle
Beispiele:
etw. nach der Elle verkaufen, messen
Man sah sie in jener Zeit viel mit Schere, Zwirn und Elle beschäftigt [PolenzBüttnerbauer1,211]
umgangssprachlich, übertragen
Beispiele:
man kann nicht alles mit der Elle messen (= man kann nicht alles genau berechnen)
alle Menschen mit der gleichen Elle messen wollen (= alle Menschen gleich beurteilen wollen)
er geht, als hätte er eine Elle verschluckt (= er geht sehr aufrecht und steif)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Elle · Ellenbogen · Ellbogen · Ell(en)bogenfreiheit · ellenlang
Elle f. ‘Unterarmknochen’, seit alters eines der gebräuchlichsten natürlichen Längenmaße. Die germ. Wortformen weisen auf einen ursprünglich kurzen Mittelvokal in ahd. (8. Jh.), asächs. elina ‘Unterarm’, mhd. el(li)ne, el(le)n, el(l)e, mnd. ēle, mnl. elle, elne, nl. el, aengl. eln, engl. ell (nur Längenmaß), anord. alin, ǫln; Länge des Vokals begegnet in got. aleina, so daß sich für das Germ. eine Ausgangsform ie. *olī̌nā erschließen läßt. Auf diese bzw. eine modifizierte Form gehen auch griech. ōlénē (ὠλένη) ‘Ellenbogen’, lat. ulna ‘Ellenbogen, der ganze Arm’, air. uilenn ‘Winkel’ zurück. Zugrunde liegt die Wurzel ie. *el- ‘gebogen, biegsam’ bzw. eine Erweiterung ie. *elē̌(i)-, *lē̌i- (s. ↗Glied), wobei der anlautende Vokalmeist der o-Stufe angehört. Hierher auch (mit anderer Bildungsweise) aind. aratníḥ ‘Ellenbogen’. Der Vergleich mit den außergerm. Sprachen erweist ‘Ellenbogen’ als die ursprüngliche Bedeutung von ie. *olī̌nā; der Unterarm ist in den germ. Sprachen also nach dem mit ihm verbundenen Gelenk benannt. In dem mit dem Sing. gleichlautenden Plur. mhd. ellen wird das auslautende -n als Pluralzeichen empfunden, so daß ein neuer Sing. mhd. elle, nhd. Elle entsteht. Die alte Form setzt sich fort in Ellenbogen neben Ellbogen m. ‘Gelenk zwischen Ober- und Unterarm’, ahd. elinbogo ‘Ellenbogen, Unterarm’ (8. Jh.), mhd. el(l)enboge, mnd. ēlenbōge, nl. elleboog, aengl. el(n)boga, engl. elbow, anord. ǫl(n)bogi, eigentlich ‘Unterarmbiegung, -krümmung’ (s. ↗Bogen). Ell(en)bogenfreiheit f. ‘genügend Spielraum, um die Ellenbogen frei bewegen zu können’ (um 1800), übertragen Ellbogenfreiheit (‘Durchsetzungsvermögen’) haben (Mitte 19. Jh.). ellenlang Adj. ‘sehr lang’, mhd. ellenlanc.

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Elle · ↗Ulna
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Elle · Schneiderelle · Tuchelle
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arm Bruch Chefredakteurin Ehefrau Freundin Gewicht Glück Hose Moral Oberarm Speiche Strafrecht Tuch Unterarm Vernunft anlegen brechen doppelt französisch gebrechen gleich juristisch kritisch königlich messen missen moralisch streng unterschiedlich verschieden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Elle‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch es gelang ihm, dann auch Mode für die "Elle" zu fotografieren.
Die Welt, 22.09.2000
Bestürzt greift er mit den Händen nach den Ohren, und wirklich, sie sind über eine halbe Elle lang.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.1995
Um 1800 hatte das Land Baden noch 112 verschiedene Ellen.
o. A.: Lexikon der Kunst - M. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 30484
Das Gift auf dem Tisch glänzte, Ellen ließ es liegen.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 144
Da doch die Ellen Franz das Fach spielt und mit ihren 26 oder 28 Jahren noch lange wird spielen können.
Wohlmuth, Alois: Ein Schauspielerleben, Ungeschminkte Selbstschilderungen von Alois Wohlmuth. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 1393
Zitationshilfe
„Elle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Elle>, abgerufen am 16.02.2019.

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