Emanzipation, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Emanzipation · Nominativ Plural: Emanzipationen
Aussprache  [emanʦipaˈʦi̯oːn]
Worttrennung Eman-zi-pa-ti-on
Wortzerlegung emanzipieren-ation
Wortbildung  mit ›Emanzipation‹ als Erstglied: ↗Emanzipationsbewegung · ↗Emanzipationsstreben  ·  mit ›Emanzipation‹ als Letztglied: ↗Judenemanzipation
Herkunft aus emancipatiolat ‘Entlassung, Freilassung’ < emanciparelat ‘einen erwachsenen Sohn aus der väterlichen Gewalt in die Selbstständigkeit, einen Sklaven in die Freiheit entlassen’
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Gleichstellung (1) bzw. Erlangung eines Zustandes der (rechtlichen, politischen) Gleichstellung durch Befreiung von Abhängigkeiten
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine politische, soziale, jüdische Emanzipation
als Akkusativobjekt: eine Emanzipation vorantreiben, verhindern
in Präpositionalgruppe/-objekt: einen Kampf um Emanzipation [führen]
mit Genitivattribut: die Emanzipation der Juden, Schwarzen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Emanzipation von einer Autorität, von der Bevormundung durch jmdn.
als Genitivattribut: der Prozess, Akt der Emanzipation
in Koordination: Emanzipation und Aufklärung, Demokratisierung
Beispiele:
In einem Jahrhunderte dauernden historischen Prozess gab die Revolution von 1848 den eigentlichen Anstoß für die endgültige Emanzipation der Juden im Sinne der Ideen der Französischen Revolution. [Südkurier, 03.03.2018]
»Stoppt den Hass«, war auch das Motto vieler CSD‑Veranstaltungen (= Veranstaltungen zum Christopher Street Day), die sich für die Emanzipation und die Rechte von Menschen jenseits von Heteronormativität einsetzten. [Leipziger Volkszeitung, 17.07.2017]
Er [Barack Obama] stand einst für die Emanzipation der Minderheiten, insbesondere der Afroamerikaner, und seine Kandidatur 2008 wurde im Kern als linkes Projekt verstanden. [Die Welt, 04.08.2011]
Jahrzehntelang war es so: Die Lebensumstände waren konservativ, die Menschen steckten in überkommenen Bindungen und Konventionen, auch in Heimaten – das Sinnen und Trachten jedoch ging in die andere Richtung: Emanzipation, Liberalisierung und Individualisierung. Mittlerweile hat sich dieser Trend umgekehrt. [Die Zeit, 11.03.2004, Nr. 12]
Die Emanzipationen lösten die Individuen aus dysfunktionalen naturhaften Zusammenhängen, aus Familien und Überlieferungen, um sie zu vereinzeln, fungibel verschiebbar zu machen, einzupassen in die immer größere und immer feiner organisierte Maschinerie. [Berliner Zeitung, 31.12.1999]
spezieller Bestreben nach Befreiung der Frauen aus patriarchalischen Strukturen und Abhängigkeiten und für ihre rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung
Grammatik: meist im Singular
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die weibliche Emanzipation
mit Genitivattribut: die Emanzipation des Geschlechts
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Emanzipation von Frauen
als Genitivattribut: Vorkämpferinnen der Emanzipation
in Präpositionalgruppe/-objekt: Kämpferin für die Emanzipation
in Koordination: Emanzipation und Gleichberechtigung
Beispiele:
Die Rollenbilder der Geschlechter haben sich im Zuge der Emanzipation der Frau leicht verändert. Doch nach wie vor werden Männern und Frauen grundverschiedene Eigenschaften zugesprochen. [Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2013]
Schon um 1900 unterstrichen Frauenrechtlerinnen ihr Streben nach Emanzipation und Gleichberechtigung durch das Tragen von Krawatten. [Welt am Sonntag, 06.04.2008, Nr. 14]
Im Zentrum der Diskussion steht eine Errungenschaft der Emanzipation: die Freiheit der Frau, über einen Schwangerschaftsabbruch selbst zu entscheiden, einst plakativ unter dem Slogan »Mein Bauch gehört mir« propagiert. [Der Spiegel, 16.04.2007, Nr. 16]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Emanzipation · emanzipieren · emanzipiert · Emanze
Emanzipation f. ‘Befreiung von Bevormundung’, aus lat. ēmancipātio (Genitiv ēmancipātiōnis) ‘Freilassung’ (eines erwachsenen Sohnes aus der väterlichen Gewalt) im 16. Jh. entlehnt, geläufig seit Ende des 18. Jhs., im 19. Jh. unter Einfluß demokratischer Bewegungen zum Schlagwort werdend, vgl. Frauen-, Judenemanzipation. emanzipieren Vb. ‘aus einer Abhängigkeit befreien, selbständig machen’, aus lat. ēmancipāre (einen Sohn) ‘aus der väterlichen Gewalt entlassen, für selbständig erklären’; vgl. lat. mancipāre ‘zu eigen geben’, zu lat. manus ‘Hand’ und capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’, und lat. mancipium ‘Eigentumserwerbung’ (ursprünglich durch Griff mit der Hand), auch ‘Sklave’. Im 16. Jh. und später mehrfach transitiv verwendet einen Sohn emanzipieren, seit dem 17. Jh. mit Bedeutungserweiterung (meist reflexiv) ‘von einem Zwang befreien’. emanzipiert Part.adj. ‘Gleichberechtigung anstrebend bzw. besitzend, selbständig, unabhängig’ (Mitte 19. Jh.), besonders attributiv emanzipierte Frau (Gutzkow, 1839). Dazu die Neubildung (etwa 1970) Emanze f. teils scherzhaft, teils geringschätzig geprägt von Gegnern der Frauenbewegung, doch bald von dieser in erstarktem Selbstverständnis angenommen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(Akt der) Selbstbefreiung · ↗Abnabelung · Emanzipation · Kampf um Unabhängigkeit · Zugewinn an Selbständigkeit

Typische Verbindungen zu ›Emanzipation‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Emanzipation‹.

Zitationshilfe
„Emanzipation“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Emanzipation>, abgerufen am 12.04.2021.

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