Emigration, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Emigration · Nominativ Plural: Emigrationen · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  [emigʀaˈʦi̯oːn]
Worttrennung Emi-gra-ti-on · Emig-ra-ti-on
Wortzerlegung  emigrieren -ation
Wortbildung  mit ›Emigration‹ als Erstglied: Emigrationszeit  ·  mit ›Emigration‹ als Letztglied: Massenemigration
Herkunft aus ēmigrātiōlat ‘Auszug, Auswanderung’
Wahrig und ZDL

Bedeutungen

1.
das Verlassen des Heimatlandes aus politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Gründen (um sich dauerhaft in einem fremden Staat anzusiedeln), Auswanderung
Gegenwort zu Immigration (1)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine erzwungene, politische Emigration
als Akkusativobjekt: die [innere] Emigration wählen
in Präpositionalgruppe/-objekt: zur Emigration gezwungen werden
in Koordination: Exil und Emigration
Beispiele:
Zwar erwog er [der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers] die Emigration, lehnte aber 1939 der Sprachbarriere wegen ein Angebot ab, an eine Pariser Universität zu gehen[…]. [Die Welt, 02.03.2019]
Sind Sie nach Ihrer Emigration 2011 nach Syrien zurückgekehrt? Ja, einige Male. Zuletzt ging ich zurück, um meinen ersten langen Dokumentarfilm zu drehen. [Neue Zürcher Zeitung, 05.11.2015]
Die 3.356 Eritreer, die allein im letzten Jahr in der Schweiz um Asyl ersucht haben und von denen etwa drei Viertel als Flüchtlinge anerkannt werden, sind nur ein kleiner Teil der Emigration aus dem Land am Horn von Afrika, das gleichzeitig unter Repression und Armut leidet. [Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2012]
Vor allem die Intellektuellen entscheiden sich [in Algerien] immer häufiger für die Emigration. [die tageszeitung, 13.04.1994]
Als Grund für die Emigrationen gaben 55 der 67 Exilanten an, dass sie in ihrem Heimatland Gefängnisstrafen zu befürchten hätten. [Süddeutsche Zeitung, 24.06.2011] ungewöhnl. Pl.
a)
übertragen
Phrasem:
innere Emigration (= Abkehr von der fremd gewordenen Außenwelt und Rückzug in die eigene Innerlichkeit)
Beispiel:
Viele [Menschen in Russland] passen sich an oder schauen weg, andere suchen die innere Emigration oder gar die Sicherheit im Ausland. [Die Zeit, 04.03.2015]
b)
Phrasem:
äußere Emigration (= reale Auswanderung (im Gegensatz zum Verbleiben im Heimatland und dem Rückzug in die eigene Innerlichkeit))
Beispiele:
Den Nationalsozialisten galt er [der Maler Max Beckmann] als »entartet«, er ging 1933 in die innere, 1937 in die äußere Emigration, erst nach Paris, später nach Amsterdam. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2006]
Da die äußere Emigration misslungen war, blieb die innere. [Der geraubte Schatten, 11.01.2001, aufgerufen am 01.09.2020]
2.
Land, in das jmd. emigriert ist, Ort der Einwanderung
Synonym zu Immigration (3)
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: in die Emigration gehen, gezwungen werden; aus der Emigration zurückkehren
Beispiele:
Trotzdem ist auffällig, wie wenige der neuen iranischen Filmemacher in die Emigration gehen. [Die Welt, 21.10.2015]
Willy Brandt hieß er jetzt und verbrachte das »Dritte Reich« in der Emigration in Norwegen und Schweden, aus der er 1945 zurückkehrte und sehr schnell zum Bürgermeister von Berlin aufstieg. [Süddeutsche Zeitung, 28.06.2008]
Gegründet wurde das Weingut schon Anfang des 18. Jahrhunderts, als Jaime […] nach neun Jahren der kubanischen Emigration wieder nach Spanien zurückkehrte. [Die Welt, 23.07.2005]
Jeder Parteitag der SED ruft die Erinnerung herauf an jenes Jahr 1946, als diese sozialistische Arbeiterpartei gegründet wurde. Draußen saßen wir alle verstreut in den verschiedensten Emigrationen und warteten auf einen Hornruf, der uns zur Heimkehr ermutigte und berechtigte. [Neues Deutschland, 17.04.1971] ungewöhnl. Pl.

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Emigrant · emigrieren · Emigration
Emigrant m. ‘Auswanderer’, besonders wer seine Heimat verläßt, um politischem Druck zu entgehen; aus dem Part. Präs. lat. ēmigrāns (Genitiv ēmigrantis) von lat. ēmigrāre (s. unten) Anfang 17. Jh. entlehnt und ebenso wie emigrieren zunächst im Zusammenhang mit der Vertreibung der kärntnischen und steirischen Protestanten gebraucht. emigrieren Vb. ‘auswandern’ (aus politischen Gründen), aus lat. ēmigrāre (ē ‘aus’ und migrāre ‘wandern’), Anfang 17. Jh. aufkommend. Emigration f. ‘Auswanderung’, aus gleichbed. lat. ēmigrātio (Genitiv ēmigrātiōnis) entlehnt (Mitte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abwanderung · Auswanderung · Emigration · Exodus
Assoziationen
  • Aufgabe des Wohnsitzes · Fortzug · Wegzug · Wohnsitzaufgabe
  • Ausreise · Verlassen des Staatsgebiets
  • (einen Ort) verlassen · (sich) lösen · alles hinter sich lassen · fortgehen · fortziehen · weggehen · wegziehen  ●  (einer Sache / einem Ort) Goodbye sagen  fig. · (einer Sache / einem Ort) auf Wiedersehen sagen  fig. · (einer Sache) den Rücken kehren  fig. · (seine) Zelte abbrechen  fig. · (sich) lossagen (von)  auch figurativ · (sich) abwenden  geh.
  • Umzug · Wechsel des Wohnsitzes · Wohnortwechsel · Wohnsitzwechsel
  • Auslandschinese · Überseechinese
  • (in der) Diaspora (leben) · in Emigration lebende Menschen

Typische Verbindungen zu ›Emigration‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Emigration‹.

Zitationshilfe
„Emigration“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Emigration>, abgerufen am 01.12.2021.

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