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Empfindsamkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum)
Aussprache 
Worttrennung Emp-find-sam-keit
Wortzerlegung empfindsam -keit
Duden, GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
feines, zartes Empfinden, Feinfühligkeit
2.
von England ausgehende europäische Geistesströmung des 18. Jahrhunderts, die durch eine gefühlsbestimmte, sentimentale Weltsicht gekennzeichnet ist
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

empfinden · empfindlich · Empfindlichkeit · empfindsam · Empfindsamkeit · Empfindung
empfinden Vb. ‘sinnlich wahrnehmen, fühlen, spüren, (leidend) erfahren’, ahd. intfindan (9. Jh.), mhd. enphinden, entvinden, Präfixbildung (s. ent-) zu dem unter finden (s. d.) behandelten Verb in unterschiedlichen Verwendungen für Vorgänge der sinnlichen Wahrnehmung wie für psychische Erlebensweisen. empfindlich Adj. ‘leicht erregbar, anfällig, spürbar’, ahd. intfindlīh ‘leidensfähig, leidend’ (um 1000), mhd. enphintlich ‘mitfühlend, fühlbar’, also dem Verb in unterschiedlichen Auffassungen folgend, einmal ‘fühlbar, (leicht, stark) zu empfinden’ (empfindlicher Frost), wozu sich ein adverbialer Gebrauch ‘stark, sehr’ (empfindlich kalt) stellt, dann ‘leicht empfindend, der Empfindung fähig’, was sich zu ‘anfällig’ weiterentwickelt; ein Teil dieser Verwendungen wird im 18. Jh. von empfindsam (s. unten) übernommen. Empfindlichkeit f. ‘Verletzlichkeit, Feinfühligkeit, Anfälligkeit’, spätmhd. enphintlīcheit ‘Wahrnehmung durch das Gefühl’. empfindsam Adj. ‘zartfühlend, gefühlvoll’, im 18. Jh. für gleichbed. engl. sentimental verwendet und zusammen mit dem folgenden Substantiv zum Modewort werdend; durchgesetzt seit Bodes Übersetzung (1768) von Sternes “A Sentimental Journey through France and Italy” (Yoricks empfindsame Reise); vgl. Feldmann in: ZfdWf. 6 (1904/5) 306 f. Empfindsamkeit f. ‘Zartgefühl, Feinfühligkeit’ (18. Jh.), insbesondere Bezeichnung für eine von England ausgehende Strömung starker Gefühlsbetonung. Empfindung f. ‘Wahrnehmung, Gemütsbewegung, Gefühl’, spätmhd. enphindunge.

Thesaurus

Typische Verbindungen zu ›Empfindsamkeit‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Empfindsamkeit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Empfindsamkeit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie kamen ihm blind vor gegen die Empfindsamkeit des Ohrs. [Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 450]
Viel Raum nimmt in diesen Aufsätzen die Abrechnung mit den ruinösen Folgen der übertriebenen Empfindsamkeit ein. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 364]
Auch daß die Pflanze ortsgebunden ist, beweist nichts gegen ihre Empfindsamkeit. [Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 76]
Mit dem zeitlichen Abstand scheine die Empfindsamkeit zurückgegangen zu sein. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1986]]
Die Empfindsamkeit war „bürgerlich“ im Sinn der Zeit, nämlich ständeübergreifend. [Die Zeit, 23.11.1984, Nr. 48]
Zitationshilfe
„Empfindsamkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Empfindsamkeit>.

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