Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Empfindung, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Empfindung · Nominativ Plural: Empfindungen
Aussprache  [ɛmˈpfɪndʊŋ]
Worttrennung Emp-fin-dung
Wortzerlegung empfinden -ung
eWDG

Bedeutung

das Empfinden, Gefühl
a)
Wahrnehmung durch die Sinnesorgane
Beispiele:
eine Empfindung von Schmerz, Druck, Wärme
wenn wir nun zu den niederen Tieren hinabsteigen, wo ist die Grenze, bei der die Empfindung aufhört? Hat ein Wurm … eine Schmerzempfindung? Und darf man den Pflanzen eine Art Empfindung zuschreiben? [ PlanckScheinprobleme14]
b)
Gemütsbewegung
Beispiele:
eine Empfindung von Freude, Stolz, Dankbarkeit, Bitterkeit, Zorn, Reue, Ekel
eine leidenschaftliche, warme, zarte, tiefe, düstere, schmerzliche, bittere, dankbare Empfindung quoll in ihr hoch, stieg in ihm auf
der Anblick erweckte vergessene Empfindungen in ihm
guten Empfindungen zugänglich sein
jmd. ist bewegt von zwiespältigen, geteilten, widerstrebenden Empfindungen
die alten Empfindungen wurden durch das Bild wieder ausgelöst
abgestumpfte Empfindungen
voll Empfindung, mit viel Empfindung spielen, deklamieren, sprechen
die Kraft der Empfindung
die Empfindung eines schicksalsschweren Momentes, einer verpassten Gelegenheit haben
wenn Harry … eine feine, edle Empfindung fühlte [ HesseSteppenw.4,226]
gehobenich nehme an, daß du noch keine entscheidenden Empfindungen für Herrn Grünlich hegst (= dass du Herrn Grünlich noch nicht liebst) [ Th. MannBuddenbrooks1,103]
mit sehr gemischter Empfindung durchstöberte ich den … Garten [ KügelgenJugenderinnerungen245]
dieser neuerliche, gegen alle nationalen Empfindungen gerichtete Streich [ KischMarktplatz102]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

empfinden · empfindlich · Empfindlichkeit · empfindsam · Empfindsamkeit · Empfindung
empfinden Vb. ‘sinnlich wahrnehmen, fühlen, spüren, (leidend) erfahren’, ahd. intfindan (9. Jh.), mhd. enphinden, entvinden, Präfixbildung (s. ent-) zu dem unter finden (s. d.) behandelten Verb in unterschiedlichen Verwendungen für Vorgänge der sinnlichen Wahrnehmung wie für psychische Erlebensweisen. empfindlich Adj. ‘leicht erregbar, anfällig, spürbar’, ahd. intfindlīh ‘leidensfähig, leidend’ (um 1000), mhd. enphintlich ‘mitfühlend, fühlbar’, also dem Verb in unterschiedlichen Auffassungen folgend, einmal ‘fühlbar, (leicht, stark) zu empfinden’ (empfindlicher Frost), wozu sich ein adverbialer Gebrauch ‘stark, sehr’ (empfindlich kalt) stellt, dann ‘leicht empfindend, der Empfindung fähig’, was sich zu ‘anfällig’ weiterentwickelt; ein Teil dieser Verwendungen wird im 18. Jh. von empfindsam (s. unten) übernommen. Empfindlichkeit f. ‘Verletzlichkeit, Feinfühligkeit, Anfälligkeit’, spätmhd. enphintlīcheit ‘Wahrnehmung durch das Gefühl’. empfindsam Adj. ‘zartfühlend, gefühlvoll’, im 18. Jh. für gleichbed. engl. sentimental verwendet und zusammen mit dem folgenden Substantiv zum Modewort werdend; durchgesetzt seit Bodes Übersetzung (1768) von Sternes “A Sentimental Journey through France and Italy” (Yoricks empfindsame Reise); vgl. Feldmann in: ZfdWf. 6 (1904/5) 306 f. Empfindsamkeit f. ‘Zartgefühl, Feinfühligkeit’ (18. Jh.), insbesondere Bezeichnung für eine von England ausgehende Strömung starker Gefühlsbetonung. Empfindung f. ‘Wahrnehmung, Gemütsbewegung, Gefühl’, spätmhd. enphindunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
Emotion · Empfindung · Gefühlsaufwallung · Gefühlsbewegung · Gefühlserregung · Gefühlsregung · Gefühlswallung · Gemütsbewegung · Gespür · Regung · Sentiment · Stimmungslage · menschliche Regung  ●  Gefühl  Hauptform · Affekt  fachspr.
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Synonymgruppe
Empfindung · Perzeption · sinnliche Wahrnehmung
Synonymgruppe
Empfindung · Gefühlseindruck · Sinneseindruck

Typische Verbindungen zu ›Empfindung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Empfindung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Empfindung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie du es erleben wirst – es ist eine überwältigende Empfindung. [Wilberg, Gerlinde M.: Zeit für uns, München: Frauenbuchverl. 1979, S. 62]
Nur sehr wenige Frauen sind durch ihr ganzes Leben frei von jeder örtlichen Empfindung. [Fraenkel, Ernst: Hygiene des Weibes, Berlin: Coblentz 1903, S. 38]
Sobald diese Verbindung geschaffen ist, tritt auch unsere Empfindung ins Spiel. [Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 445]
Ein »Objekt« ist nur eine Gruppe von Empfindungen, von Veränderungen in meinem Bewußtsein. [Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1912], S. 11568]
Doch diese Empfindungen sickern erst langsam in die Handlung ein. [Die Zeit, 05.12.1997, Nr. 50]
Zitationshilfe
„Empfindung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Empfindung>.

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